Streit um CBD-Produkte

„Massive Einschüchterung“: Cannabis-Ladenbesitzer fühlt sich von der Polizei drangsaliert

  • Valentin Betz
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Der Laden „Hanf im Glück“ verkauft in Stuttgart nach eigenen Angaben legale Produkte aus Hanf. Das bezweifelte die Polizei und führte im November eine Razzia durch. Der Geschäftsführer fühlt sich schikaniert.

Stuttgart - Seit April 2020 gibt es in der Landeshauptstadt Stuttgart das „Hanf im Glück“. Das Geschäft verkauft nach eigenen Angaben legale Produkte auf Basis von Hanf. Doch die Polizei hat daran offenbar Zweifel. Im November führten Beamten wiederholt eine Razzia in dem Laden durch.

Stuttgart: „Hanf im Glück“ erregt die Aufmerksamkeit der Polizei

Wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten, hatte die Polizei das „Hanf im Glück“ bereits zum dritten Mal kontrolliert. Das Geschäft hatte selbst auf seinem Blog von einer Razzia am 9. Juli 2020 berichtet. Am 9. November hatten Beamten den Laden erneut auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart durchsucht.

Der Wirkstoff CBD kommt in Hanfpflanzen vor - und kann als Öl selbst in den Kaffee gemischt werden. Der Stoff soll beruhigen und ist nicht psychoaktiv.

Dabei wurden laut StN nicht nur die Räume kontrolliert, sondern auch Produkte beschlagnahmt und der Geschäftsführer Christopher Spross festgenommen. Den Ermittlern ging es bei der wiederholten Razzia um „CBD-Marihuana“ und „CBD-Haschisch“ - beides sollen illegale Rauschmittel sein, was die Betreiber von „Hanf im Glück“ in Stuttgart vehement abstreiten.

CBD steht für Cannabidiol, einem nicht psychoaktiven Stoff der Hanfpflanze. Auf ihrer Instagram-Seite bezeichnen die Betreiber des „Hanf im Glück“ in Stuttgart die Polizei-Razzia nicht nur als Angriff auf sie, „sondern auf die gesamte CBD-Branche und all unsere Kunden“.

Streit um berauschende Wirkung: Polizei und „Hanf im Glück“ vertreten gegensätzliche Meinungen

Laut StN ist die Gesetzeslage zum Thema Nutzhanf in Deutschland nicht eindeutig. Eigentlich sind Cannabis-Pflanzen vom Betäubungsmittelgesetz ausgenommen und legal, wenn „sie aus dem Anbau in Ländern der Europäischen Union mit zertifiziertem Saatgut von Sorten stammen, die […] im gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten aufgeführt sind, oder ihr Gehalt an Tetrahydrocannabinol 0,2 Prozent nicht übersteigt und der Verkehr mit ihnen (ausgenommen der Anbau) ausschließlich gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken dient, die einen Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen“.

Denn im Gegensatz zu CBD ist Tetrahydrocannabinol (THC) psychoaktiv - aber eben nur in großen Mengen. Insofern ist es zunächst vernünftig, wenn die Polizei die sogenannten CBD-Produkte genau überprüft. Baden-Württemberg hatte diese legalen Cannabis-Produkte bereits getestet und war zu einem fatalen Ergebnis gekommen. Denn mehr als die Hälfte der legal verkauften Cannabis-Produkte überschritt den erlaubten THC wert von 0,2 Prozent. Doch die Produkte des „Hanf im Glück“ liegen laut Angaben Inhabers allesamt unter solchen Grenzwerten.

Das „Hanf im Glück“ hatte bereits im Juli geschrieben, „an einem friedvollen Miteinander und absoluter Transparenz bezüglich unserer Produkte“ interessiert zu sein. Zur Razzia im November schreibt der Händler jedoch auf Instagram: „Bei keiner der bisherigen Razzien wurden Produkte mit zu hohen THC-Werten oder anderweitig verbotene Gegenstände beschlagnahmt.“ Neben den aus ihrer Sicht haltlosen Vorwürfen stört sich das „Hanf im Glück“ aber besonders am Vorgehen der Polizei.

Nach Razzia in Stuttgart: „Hanf im Glück“ mit schweren Vorwürfen - Polizei weist sie zurück

Das „Hanf im Glück“ berichtet laut StN, Beamte hätte einen Mitarbeiter, der seit vielen Jahren legal in Deutschland lebt und arbeitet, mit der Ausländerbehörde gedroht. Den verhafteten Geschäftsführer Christopher Spross erwartet nicht nur ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er berichtet auch von massiver Einschüchterung.

„Mir wurde angedroht, man würde meine kleine Schwester, die völlig unbeteiligt am Geschäft ist und sich nur zufällig bei mir zu Hause aufgehalten hat, ebenfalls verhaften, wenn ich nicht kooperieren würde“, so Christopher Spross laut StN. Beim Haftprüfungstermin sei der 29-Jährige mit einer mehrmonatigen Untersuchungshaft bedroht worden, wenn er keine Verzichtserklärung unterschreibe, die besagt, dass er keine CBD-Blüten und -Pollinate mehr verkauft.

„Für die Stuttgarter Polizei geht es hier offensichtlich nicht mehr um Recht oder Unrecht, sondern einfach nur noch darum, das Thema CBD aus dem Weg zu schaffen - und das mit Mitteln, die jeden vernünftigen Menschen an den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit zweifeln lassen“, so das „Hanf im Glück“ auf Instagram. Die Polizei Stuttgart hingegen widerspricht den Darstellungen des „Hanf im Glück“. „Diese Anschuldigungen sind komplett haltlos und entbehren jeglicher Grundlage“, erklärt Polizeisprecher Stephan Widmann.

Rubriklistenbild: © Gareth Fuller/PA Wire/dpa

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