Nach Spekulationen

E-Bus verursachte Großbrand in Stuttgarter Busdepot - war es ein Mercedes?

Feuer ist in einem Depot für Busse zu sehen.
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Eine Woche nach dem Großbrand im Busdepot der SSB liegen erste Erkenntnisse vor. Der Brand ging von einem E-Bus aus.
  • Julian Baumann
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Laut Erkenntnissen in Bezug auf den verheerenden Brand in einem Stuttgarter Busdepot ging das Feuer von einem E-Bus beim Ladevorgang aus.

Stuttgart - Am Donnerstag vergangener Woche brach in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) im Osten der Landeshauptstadt Stuttgart ein Großbrand aus. Obwohl 60 Fahrzeuge frühzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten, brannten 25 der dort abgestellten Busse vollständig aus. An diesem Tag, dem 30. September, war eine riesige Rauchsäule über der Stadt zu sehen, der Großbrand fand ein bundesweites Medienecho. Bereits einen Tag nach dem verheerenden Brand wurden Spekulationen über die Brandursache laut. Waren E-Busse der Grund für den verheerenden Brand in Stuttgart?

Die Ermittlungen zur Brandursache im Bus-Depot der SSB gestalteten sich schwierig. Einen Tag nach dem verheerenden Brand erklärte eine Sprecherin der Polizei Stuttgart auf Anfrage von BW24, die Ermittler der Kriminalpolizei könnten derzeit nicht zum Tatort, da die Halle einsturzgefährdet sei. Dieser Umstand hielt die Ermittlungen mehrere Tage lang zurück, wie auch eine erneute Anfrage bei der Polizei ergab. Am gestrigen Donnerstag, exakt eine Woche nach dem Brand, untersuchten Beamte des Landeskriminalamts und Ermittler der Stuttgarter Kriminaltechnik den Brandort. Laut den ersten Erkenntnissen ging das Feuer tatsächlich von einem E-Bus aus, der sich zu dieser Zeit im Ladevorgang befand.

Busdepot-Brand in Stuttgart: E-Bus als Brandursache identifiziert - Ermittlungen dauern an

Laut einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Stuttgart untersuchten die Beamten am gestrigen Donnerstag auf dem Gelände der SSB nicht nur den Brandort, sondern auch die Daten des Brandmeldesystems und der damit verbundenen Temperatursensoren. „Nach einer ersten Bewertung der vorliegenden Daten, könnte der Brandauslöser der Ladevorgang eines Elektrobusses gewesen sein“, schreibt die Polizei. Die Ermittler gehen derzeit von einem technischen Defekt aus. Bei bisherigen Meldungen von E-Auto-Bränden war in den meisten Fällen ein Kurzschluss an der Batterie verantwortlich. So beispielsweise in einem Postzentrum in Staufen, in dem zwei E-Autos vollständig ausbrannten und ein weiteres Feuer fing.

Während die Polizei die Ermittlungen am Busdepot fortsetzen will, sehen auch Experten basierend auf den bisherigen Informationen einen E-Bus als Brandursache. Augenzeugen des Großbrandes in Stuttgart hätten „auf einem Busdach ein Feuer entdeckt“, berichtet der Südwestrundfunk (SWR). „Das deutet schon recht deutlich darauf hin. Bei Elektrobussen sind die Lithium-Ionen-Batterien meist auf dem Dach verbaut“, erklärt Bus-Experte Thorsten Wagner. „Zweites Indiz ist für mich, dass die Feuerwehr bestätigt hat, dass sie sehr schnell beim Brandherd war und da schon mehrere Busse in Brand standen.“ Ein normaler Bus würde nicht so schnell vollständig in Flammen stehen, so der Experte gegenüber dem SWR.

Gelenkbus von Mercedes Brandauslöser? - Daimler AG will sich „nicht an Spekulationen beteiligen“

Die Daimler AG, sowohl die Pkw-Tochter Mercedes-Benz als auch die Lkw-Tochter Daimler Truck, beliefern unter anderem auch die Verkehrsbetriebe in Stuttgart. So sind die meisten Taxen in der Landeshauptstadt Mercedes-Modelle und die meisten Linienbusse ebenfalls von Daimler. Nach dem Großbrand in dem Busdepot der SSB sei zunächst vermutet worden, ein Modell von Volvo sei die Ursache gewesen, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Dieser Annahme habe der schwedische Hersteller am Donnerstag jedoch widersprochen. „Der Bus ist einer hohen Hitzeeinwirkung ausgesetzt gewesen“, sagte Gerd Schneider, Geschäftsführer der Volvo Busse Deutschland. „Aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Bus Feuer gefangen hätte.“

Nun liegt der Fokus der Ermittlungen auf einem E-Bus der Mercedes-eCitaro-Flotte. Der Gelenkbus der Daimler AG soll laut Angaben der Stuttgarter Zeitung im unmittelbaren Umfeld des Brandherdes gestanden haben. Daimler selbst, beziehungsweise Mercedes-Benz Busses, bestätigte, dass einer der elektrischen Gelenkbusse bei dem Großbrand zerstört wurde. Zu den neuen Erkenntnissen erklärte eine Sprecherin, „dass wir uns nicht an Spekulationen beteiligen“.

Der durch den Großbrand im Busdepot in Stuttgart entstandene Sachschaden geht in die Millionen. Bereits am Mittwoch sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) im Landtag, dass das Feuer wohl von einem E-Bus ausgegangen sei. Polizei und Staatsanwaltschaft verkündeten, dass eine weitergehende gutachterliche Untersuchung des ausgebrannten Busses geplant sei. Die Ermittlungen dauern demnach an.

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