Gastronomie und Corona

Stuttgart: Wirt kämpft gegen Hass von Impfgegnern - „Schüchtert mich nicht ein“

Eine Servicekraft läuft im Außenbereich eines Restaurants an Gästen vorbei.
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Ein Wirt aus Stuttgart lässt trotz 3G-Regel nur Geimpfte und Genesene ein. Nun bekommt er Hassmails von Impfgegnern (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Ein Stuttgarter Wirt lässt trotz der 3G-Regelung nur Geimpfte und Genesene ein. Dafür erntete er Hassnachrichten, lässt sich jedoch nicht unterkriegen. 

Stuttgart - Seit Montag gilt eine neue Verordnung im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Einlass in Restaurants und andere Gastronomie-Betriebe ist seitdem nur mit einem sogenannten 3G-Nachweis (geimpft, genesen, negativ getestet) möglich. Ein Stuttgarter Gastronom bewirtet jedoch nur noch Geimpfte und Genesene und wird deshalb bedroht. In einem Artikel der Stuttgarter Zeitung positionierte sich der Betreiber der Weinhandlung Kreis und der Bar „High Fidelity“ deutlich gegen Impfverweigerer. Daraufhin stieg die Anzahl an Hassmails und Nachrichten noch weiter an, schreibt er auf der Facebook-Seite des Betriebs.

Im Südwesten sind inzwischen mehr als die Hälfte der Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Dennoch verweigern noch immer viele Menschen eine Schutzimpfung und setzen lieber auf einen negativen Testnachweis, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im High Fidelity in der Landeshauptstadt Stuttgart kommt man jedoch nur mit einem Impf- oder Genesungsnachweis rein. Deshalb wird Betreiber und Weinhändler Bernd Kreis von Impfgegnern angegriffen. Davon lässt er sich jedoch nicht einschüchtern, schreibt er auf Facebook.

Wirt aus Stuttgart: Hassnachrichten von Impfgegnern - „stärken mich in meiner Haltung“

Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg traf auch die Gastronomie-Branche mit voller Härte. Durch die Lockdowns waren viele Betriebe monatelang geschlossen und verzeichneten massive Umsatzeinbrüche. Auch nach der Wiedereröffnung waren die Mitarbeiter in Bars, Restaurants oder Hotels einer großen Gefahr ausgesetzt. Durch die Hassnachrichten der Impfgegner werden auch die Mitarbeiter von Bernd Kreis angegriffen. „Dass auch die professionellen Leistungen meines Unternehmens in Misskredit gebracht werden sollen, ist zwar unwirksam, aber trotzdem besonders mies“, schreibt er. „Denn dies zielt auf die Verdienste meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seit Beginn der Pandemie unter hohem Infektionsrisiko unsere Kunden stets großartig betreut haben.“

In den Hassmails und Nachrichten versuchen die Impfgegner das Unternehmen des Wirts aus Stuttgart zu diskreditieren. „Mails, die mich als Nazi darstellen oder mir die Pleite an den Hals wünschen sind dabei Standard“, schreibt Bernd Kreis auf Facebook und stellt klar, er sei Antifaschist. Zudem bekämen die Weinhandlung Kreis und das High Fidelity auch zunehmend schlechte Bewertungen auf Google. Davon lässt sich der Wirt jedoch nicht unterkriegen. „Diese Aktionen schüchtern mich nicht ein, sondern stärken mich in meiner Haltung und in der Vehemenz, sie auch öffentlich zu vertreten“, macht er deutlich. Die Verhöhnung der Corona-Opfer durch die Äußerungen der Impfgegner seien jedoch schwer zu ertragen.

Nur Geimpfte und Genesene: Wirt bleibt bei seinem Kurs - mit einer Ausnahme

Mit der Entscheidung, nur noch Geimpfte und Genesene zu bewirten, will der Wirt aus Stuttgart sowohl die Besucher als auch seine Mitarbeiter vor einer Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg schützen. „Und genau das mache ich“, schreibt Bernd Kreis auf Facebook. „Unter anderen, indem ich in unserer Weinbar Leute von ihnen fern halte, die durch die COVID-Impfverweigerung ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen.“

Zugleich stellt er jedoch auch klar: „Leute, die sich impfen lassen wollen, es aber, z.B. aus medizinischen Gründen nicht können oder für die es keine Impfempfehlung gibt, sind bei uns gemäß den Bestimmungen der COVID-Verordnung des Landes Baden-Württemberg weiter herzlich willkommen.“ Die Corona-Maßnahmen in bestimmten Bereichen führen bereits seit langem zu Kritik von Corona- und Impfgegnern. Ein Schulleiter aus Rottenburg wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen ebenfalls mit Hassmails überflutet.

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