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Stuttgarter Forscherin gräbt Fischsaurier aus - „es gab keine größeren Raubtiere“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Ein Forscher liegt neben einem Ichthyosaurier-Fossil
In Chile haben Forscher das Skelett eines Ichthyosauriers geborgen. Das Symbolfoto zeigt, wie groß das Tier war. © Anglian Water/PA Media/dpa

Ein Forscherteam rund um die Stuttgarterin Erin Maxwell hat in Chile das Fossil eines trächtigen Ichthyosaurier ausgegraben. Zu Lebzeiten war das Tier rund vier Meter lang.

Stuttgart - Erin Maxwell, Kuratorin am Naturkundemuseum in Stuttgart, war im März 2022 Teil einer ganz besonderen Expedition in Chile: Erstmals hat sie dort gemeinsam mit einem Team aus anderen Forschern das Fossil eines trächtiges Fischsaurierweibchens ausgegraben. Das Tier namens Ichthyosaurier stammt aus der frühen Kreidezeit von vor 129 bis 139 Millionen Jahren und wurde an dem Fundort in Chile bereits 2009 entdeckt. Ausgraben konnten die Forscher es erst jetzt. Der Grund: Das Fossil war in hartem Gestein auf einem Gletscher eingeschlossen.

Wie ein Expeditionsteilnehmer gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) berichtet, habe das Team rund einen Monat unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet. Rund zehn Stunden seien sie zu Fuß oder Pferde unterwegs gewesen, um die Ausgrabungsstätte am Gletscher Tyndall im Nationalpark Torres del Paine zu erreichen. Während der Arbeiten hätten eisige Temperaturen und Windgeschwindigkeiten von 90 Kilometern pro Stunde geherrscht. Am Ende sei das rund vier Meter lange Fossil per Hubschrauber ausgeflogen worden.

Ausgegrabener Fischsaurier erhält den Namen Fiona - das steckt dahinter

Auch Stuttgarterin Erin Maxwell berichtet gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass die Bergung des Fossils Schwerstarbeit gewesen sei. So habe sich die Farbe des Skeletts kaum von dem umgebenden Gestein unterschieden. Mithilfe einer Chemikalie habe man das Skelett grünlich verfärbt, sodass man die Knochen besser erkennen und freilegen konnte. Die Farbe wurde letztendlich zum Namensgeber für das Fossil: Das Fischsaurierweibchen heißt nun „Fiona“ - genau wie die Freundin des grünhäutigen Helden Shrek im gleichnamigen Fantasy-Animationsfilm.

„Die Ichthyosaurier waren perfekt an das Leben im Wasser angepasst“, erklärt Maxwell. So hatten sie eine große Speckschicht, dank der sie ihre Körpertemperatur kontrollieren konnten. Die Fischsaurier schwammen schnell, „es gab keine größeren Raubtiere als sie“, sagt die Forscherin. Auch im heutigen Baden-Württemberg tummelten sich eins Fischsaurier im sauerstoffarmen Urmeer, das nur zwischen 50 und 100 Meter tief war. Am Rande der Schwäbischen Alb, etwa 50 Kilometer von Stuttgart entfernt, liegt sogar einer der bedeutendsten Fundorte für Fischsaurier weltweit: Holzmaden. Dass die geborene Kanadierin Erin Maxwell einst nach Stuttgart gezogen ist, ist also kein Zufall.

Stuttgarter Forscherin: Fischsaurier wurden bis zu 20 Meter lang

Laut Maxwell, die 2010 mit einem Forschungsstipendium nach Stuttgart kam, gab es in der Urzeit eine Vielzahl an unterschiedlichen Fischsauriern. Während die kleinsten von ihnen gerade einmal einen halben Meter lang gewesen seien, hätten es die größeren Exemplare auf eine Länge von bis zu 20 Metern gebracht. In den Mägen von Fischsauriern fanden Wissenschaftler immer wieder Tintenfische, Schuppen und Knochenreste von Fischen - weshalb sie als erfolgreiche Jäger gelten.

Das Stuttgarter Naturkundemuseum hat lange Tradition in der Forschung zu fossilen aquatischen Wirbeltieren und verfügt über eine der bedeutendsten Sammlungen zu Ichthyosauriern weltweit. Erst kürzlich zog ein seltener Fischsaurier im Naturkundemuseum Stuttgart ein. Fiona wird allerdings nicht in Stuttgart ausgestellt. Stattdessen wurde sie mit dem Hubschrauber ins Naturhistorische Museum von Rio Secco (Italien) geflogen. Dort wird sie für eine Ausstellung vorbereitet. „Das Museum wird uns Informationen über Fionas Art, über die Embryonalentwicklung und über eine Krankheit liefern, von der sie während ihres Lebens betroffen war“, sagt ein Expeditionsteilnehmer gegenüber der dpa.

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