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„Schandfleck“: Radler nominieren Flughafentunnel Stuttgart für Negativpreis

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Von: Nadja Pohr

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Verkehrschilder vor dem Flughafentunnel Stuttgart
Der Flughafentunnel in Stuttgart ist für Radfahrer zu eng und deshalb zu gefährlich. Trotz vieler Beschwerden hat sich bisher jedoch noch nichts getan. © IMAGO/Horst Rudel

Die Initiative Cycleride hat den Flughafentunnel in Stuttgart für einen Negativpreis nominiert. Lösungsversuche stoßen in der Politik auf taube Ohren.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt Stuttgart gibt es einige Radstrecken, die Fahrradfahrer sowie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) als „Horrorstrecken“ betiteln und für die sie bereits Vorschläge zur Verbesserung gesammelt haben. Die Radler haben jedoch das Gefühl, dass auf ihre Beschwerden keine Reaktionen folgen. Immer wieder dokumentieren sie in den sozialen Medien „unterirdische Leistungen“ der Stadt beim Thema Radwege.

Auch über den Flughafentunnel zwischen Bernhausen und Plieningen beschwerten sich die Radfahrer der Region Stuttgart in den vergangenen Jahren immer wieder. Für sie ist der Tunnel viel zu eng und daher zu gefährlich - doch die Kritik stößt in der Politik in Stuttgart auf taube Ohren. Die Initiative Cycleride hat die Strecke nun deshalb für ihren Negativpreis „Pannenflicken“ nominiert.

Radfahrer im Flughafentunnel Stuttgart ausgesperrt - „Regelrechter Schandfleck“

Die bundesweite Initiative Cycleride verleiht seit 2006 den Preis für „unzureichende, unzumutbare, unnötige, unbenutzbare und gefährdende Radverkehrsanlagen“. Der Flughafentunnel Stuttgart sei in dieser Kategorie laut dem Bündnis ein „regelrechter Schandfleck“. Die Situation auf der Fahrbahn war lange Zeit angespannt, beschreibt die Initiative. „Eine Beschwerde vor einigen Jahren führte jedoch nicht etwa zu einer Verbesserung oder gar einem zweiten Tunnel, sondern zu einer Sperrung für Radfahrer.“

Seither dürfen diese nur noch in Schrittgeschwindigkeit auf dem schmalen Gehweg durch den Tunnel fahren. Dies sei „technisch sehr herausfordernd“, erklärt Andreas Hentze, Mitglied bei Cycleride, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Der Radfahrer ist dort quasi ausgesperrt“, sagt er. Das Rad durch den Tunnel zu schieben, sei kaum möglich, da man bei Gegenverkehr nicht aneinander vorbeikommt - mit E-Bike oder Kinderanhänger erst recht nicht. Auch Wenden sowie rückwärts schieben seien ebenfalls keine Optionen. Der Flughafentunnel scheint ein würdiger Kandidat für den Preis der Initiative zu sein.

Verkehrsministerium zeigt keine Reaktion bei Lösungssuche

Statt durch den gefährdenden Flughafentunnel zu fahren, nehmen die Radler momentan lieber einen Umweg von mindestens fünf Kilometern auf sich. In der Debatte um den Flughafentunnel bekommen sie immerhin vom Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub Unterstützung, der die Situation ebenfalls als „völlig unbefriedigend“ einstuft.

Im vergangenen Jahr hat sich der OB ans baden-württembergische Verkehrsministerium sowie ans Regierungspräsidium gewandt und Vorschläge gemacht, wie die Situation verbessert werden könnte. „Wir brauchen das Fahrrad als Verkehrsmittel, wenn wir eine Verkehrswende und Klimaneutralität erreichen wollen“, betonte Traub bereits in der Vergangenheit. Das Verkehrsministerium zeigte bisher jedoch noch keine Reaktion auf die Anfrage.

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