Einwohnerentwicklung der Landeshauptstadt

Bloß weg! 149.000 Menschen wandern aus Stuttgart aus

reisende mit Gepäck am Hauptbahnhof Stuttgart
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149.025 Menschen kehrten Stuttgart von 2019 bis 2019 den Rücken. (Symbolbild)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Stuttgart bietet eine hohe Lebensqualität, weshalb die Einwohnerzahl der Stadt seit Jahren steigt. 2019 war der Einwohnerzuwachs jedoch so niedrig wie lange nicht mehr. Verliert die Stadt ihre Attraktivität? 

  • Der Wirtschaftsstandort Stuttgart verspricht Wohlstand und Lebensqualität. Seit Jahren steigt die Bevölkerungszahl.
  • 2019 gab erstmals seit zehn Jahren wieder Wanderungsverluste. In den vorherigen drei Jahren verließen rund 149.000 Einwohner die Landeshauptstadt.
  • Eine hohe Geburtenrate sorgt dafür, dass Stuttgart im Jahr 2019 dennoch um 234 Einwohner reicher geworden ist.

Stuttgart - In keiner anderen Landeshauptstadt der 16 Bundesländer verdienen Arbeitnehmer so viel wie in Stuttgart - das zeigte jüngst eine Auswertung von Zahlen des statistischen Bundesamts. Im Gehaltsranking der Landeshauptstädte positionierte sich Stuttgart mit einem jährlichen Bruttogehalt von im Schnitt 44.901 Euro auf Platz eins.

Zu verdanken hat die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ihren Reichtum vor allem den vielen ansässigen Weltunternehmen wie der Daimler AG, Bosch oder der Porsche AG. Der Standort Stuttgart boomt und gehört zu den europaweit führenden Wirtschaftsregionen. Das sorgt zumindest mit Hinblick auf den Querschnitt der Gesellschaft für viele gut bezahlte Arbeitsplätze und Wohlstand. Wohnen in Stuttgart ist attraktiv - auch, wenn das Image der Stadt in den vergangen Monaten durch die Krawall-Nacht sowie die Corona-Demonstrationen einen Schaden erlitten hat.

149.000 Menschen zogen von 2017 bis 2019 aus der Landeshauptstadt Stuttgart weg

Reichtum und Wohlstand sowie damit verbundene hohe Lebensqualität locken seit Jahren immer mehr Menschen in die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Ende 2019 hatte Stuttgart 614.599 Einwohner. Das hat unter anderem zur Folge, dass die Preise für Immobilien und Mieten in der Vergangenheit stark gestiegen sind. Wie Daten des Statistischen Amts Stuttgart zeigen, scheint die Anziehungskraft der Kesselstadt jedoch immer mehr nachzulassen. Während die Zahlen der Zuzüge von 41.772 Personen im Jahr 2009 bis 2015 auf 59.709 Personen angestiegen sind, scheint sich seit 2017 eine Trendwende abzuzeichnen.

2019 verzeichnete die Landeshauptstadt nur noch 48.912 neue Einwohner - das sind mehr als 10.000 Menschen weniger als noch drei Jahre zuvor. Die Zahl der Menschen, die aus Stuttgart wegzogen, blieb im selben Zeitraum zwar auf einem jährlich ähnlichen Niveau von im Schnitt um die 50.100 Personen, im vergangenen Jahr überstieg die Zahl jedoch erstmals seit einer Dekade jene der Zugezogenen. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 verließen insgesamt 149.025 Menschen die schwäbische Metropole - davon wanderten 44.000 ins Ausland aus.

Einwohnerentwicklung in Stuttgart: Zu- und Fortzüge 2015 bis 2019:

JahrZuzügeFortzügeDifferenz
201559.70950.959+ 8.750
201656.99851.564+ 5.434
201751.54650.318+ 1.228
201850.33348.696+ 1.637
201948.91250.011- 1.099

Quelle: Zahlen des Statistischen Amts Stuttgart

Ein zumindest knappes Plus verzeichnete Stuttgart in puncto Einwohnerzuwachs 2019 dennoch: 234 Personen wohnten in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg mehr als im Vorjahr. Das entspricht jedoch gerade mal einem Wachstum von 0,04 Prozent. Zum Vergleich: In der ersten Hälfte des Jahrzehnts stiegen die Einwohnerzahlen noch um jährlich mehr als ein Prozent.

Grund dafür war vor allem die starke Flüchtlingszuwanderung, die nicht nur Stuttgart, sondern dem ganzen Südwesten und Deutschland einen deutlichen Bervölkerungszuwachs bescherte. Höhepunkt waren die Jahre 2015 und 2016. Seitdem sinken die Zahlen wieder. Auffällig ist jedoch, dass sich die Wachstumsrate in Stuttgart auch im Vergleich zu Baden-Württemberg sowie zu ganz Deutschland geändert hat.

Zuvor lag diese jeweils über dem Schnitt - im Bundesvergleich sogar weit darüber. Seit 2018 wächst die schwäbische Metropole jedoch weniger stark als die durchschnittliche Bevölkerung in Baden-Württemberg. Vergangenes Jahr lag der Wert von Stuttgart sogar geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt - erstmals seit dem Jahr 1999.

Differenz Zu- und Fortzüge in Stuttgart 2015 bis 2020 (Januar bis August):

Jahr201520162017201820192020
Differenz+ 2.992+ 3.304- 546- 1.524- 2.223- 5.337

Quelle: Zahlen des Statistischen Amts Stuttgart

Das Statistische Amt Stuttgart weist in einem Bericht zu den Zahlen darauf hin, dass noch unklar ist, ob es sich bei dem aktuell niedrigeren Bevölkerungswachsum in der Landeshauptstadt um eine „vorübergehende Phase [...] oder eine Umkehrung des Trends zur räumlichen Konzentration auf städtische Zentren“ handelt. Dies würden erst die nächsten Jahre zeigen. In den Monaten Januar bis August des aktuellen Jahres 2020 gibt es im Vergleich zum Vorjahr bislang einen weiteren starken Anstieg des negativen Wachstums. Auf gerade mal 24.509 Zuzüge kamen 29.846 Fortzüge.

Geburten und Sterbefälle in Stuttgart 2015 bis 2019:

JahrGeburtenSterbefälleDifferenz
20156.3065.650+ 656
20176.7735.289+ 1.484
20186.7255.507+ 1.218
20196.5345.471+ 1.063
20206.6135.280+ 1.333

Quelle: Zahlen des Statistischen Amts Stuttgart

Übrigens: Dass die Einwohnerzahl 2019 trotz höheren Fortzugs bei niedrigerem Zuzug gestiegen ist, liegt daran, dass es mehr Geburten als Sterbefälle in Stuttgart gab. 1.333 Kinder wurden im vergangenen Jahr mehr geboren, als Personen im selben Zeitraum verstarben. Allgemein sind die Geburtenzahlen in der Landeshauptstadt seit Jahren hoch. Das Statistische Amt Stuttgart begründet dies damit, dass „die Kinder der Babyboomer der 1960er-Jahre nun selbst in einem Alter“ sind, „in dem sie Kinder bekommen“. Viele Frauen dieser Generation seien in den vergangenen Jahren nach Stuttgart gezogen. Ein weiterer Faktor sei zudem „die Zuwanderung vieler Frauen aus dem Ausland“.

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