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Schlimme E-Auto-Situation in Stuttgart: Ladesäulen sind schon jetzt veraltet

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Von: Jason Blaschke

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Ein Elektroauto wird an einer Schnellladesäule geladen
In Stuttgart gibt es 20 neue Schnellladesäulen für E-Autos, doch diese entsprechen nicht den modernen Standards (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

Die 20 neuen Schnellladesäulen für E-Autos in Stuttgart sind an sich eine gute Idee – bloß nützen sie E-Auto-Fahrern wenig, wenn die nötige Leistung fehlt.

Stuttgart - Neben Corona ist die E-Mobilität in Baden-Württemberg aktuell eines der zentralen Themen – eigentlich nicht verwunderlich, denn immerhin ist der Südwesten einer der Spitzenreiter in Bezug auf die Zulassung neuer E-Autos. Im Jahr 2020 habe es einen Zuwachs von 222 Prozent auf rund 33.000 Pkw gegeben, teilte das Statistische Landesamt Mitte 2021 mit. Das größte Plus erzielten 2020 aber die Plug-in-Hybride in Baden-Württemberg* mit 37.000 Neuzulassungen.

Keine Frage, der E-Auto-Boom ist längst auch in Baden-Württemberg ausgebrochen. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass noch mehr E-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein werden. Neue, überraschende Studien zur E-Mobilität (BW24* berichtete) oder auch die steigenden Spritpreise sind Faktoren, welche die Entwicklung begünstigen. Fakt ist aber auch, dass sich die Politik mit fragwürdigen Aktionen ins eigene Fleisch schneidet und potenzielle E-Auto-Fahrer abschreckt.

Schlimme E-Auto-Situation in Stuttgart: 20 neue Ladestationen eint ein Problem

Erst vor wenigen Wochen hatte BW24 über einen chaotischen Schilder-Irrsinn für E-Auto-Fahrer in Stuttgart* berichtet, der das E-Auto-Image in der Landeshauptstadt sicher nicht aufbessert. Der Liste von Aktionen, welche nicht so richtig nachvollziehbar sind, kann jetzt noch ein neuer Punkt zugefügt werden: veraltete Ladesäulen. Wie die Stuttgarter Nachrichten schreiben, sollen bald 20 neue Standorte für Schnellladestationen in der Stadt entstehen – allein drei davon sollen in Zuffenhausen gebaut werden.

Im Grunde keine schlechte Idee. Der Haken ist bloß, dass diese neuen Schnellladesäulen die technischen Möglichkeiten der meisten neuen E-Autos nicht voll ausschöpfen können. Zum Hintergrund: Schnellladesäulen können im Unterschied zu normalen Ladesäulen 50 Kilowatt pro Stunde liefern, was die Ladezeit verkürzt. Das soll an allen 20 neuen Ladesäulen in Stuttgart* auch möglich sein – vorausgesetzt, an der Station lädt ein E-Auto. Konzipiert seien die Stationen aber für zwei Fahrzeuge, heißt es von der Stadt.

Neue Ladestationen in Stuttgart haben einen großen Makel

Jede der 20 Schnellladestationen muss Berichten der Stuttgarter Nachrichten zufolge über alle drei gängigen Anschlüsse (CCS/Typ 2/Chademo) verfügen. Zudem muss es möglich sein, an einer Station zwei E-Autos gleichzeitig zu laden. Und genau das ist der Clou an der Sache: Bei gleichzeitiger Ladung werden nicht allen zwei Fahrzeugen 50 kW zur Verfügung stehen – sondern lediglich die 25 kW, die auch normale Ladestationen derzeit garantieren.

Sonst, so ein Stadtsprecher auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten, wäre es nötig, an allen Standorten „als mindestens verfügbare Anschlussleistung 100 kW zu garantieren, was nicht der Fall ist“. Wenn also zwei E-Autos eine der neuen Ladestellen von Stuttgart nutzen werden, müssen die Fahrer länger warten, ehe ihr Auto vollständig geladen ist. Die Schnellladesäulen werden dann also zur normalen Ladesäule – mit Blick auf die Möglichkeiten, die neue E-Autos bieten, tritt die Stadt hier ins Fettnäpfchen.

E-Auto-Ladesäulen in Stuttgart sind nicht für alle geeignet

Denn 100 kW pro Säule ist aktuell die Ladeleistung, auf die Autohersteller wie Mercedes-Benz* oder auch Porsche* ihre E-Autos auslegen, um die Wartezeit an der Ladestation zu verkürzen – gerade für Vielfahrer ein wichtiger Punkt. Auch deshalb zielen die ganz neuen Oberklassefahrzeuge zum Teil schon auf 200 kW Ladeleistung ab – da erscheinen die 25 kW Ladeleistung, die die 20 neuen Säulen in Stuttgart* aufbringen sollen, wenn sie von zwei Fahrzeugen genutzt werden, geradezu kümmerlich.

Wie wichtig allerdings Schnellladesäulen mit guter Ladeleistung von 50 kW oder mehr sind, zeigen die folgenden Zahlen: Ein E-Auto benötigt für 100 Kilometer Fahrtstrecke etwa 20 kW Strom – die lassen sich an einer Schnellladesäule mit 100 kW Leistung schon in etwa zwölf Minuten laden. Lädt das Fahrzeug allerdings an einer 50-kW-Säule, sind es schon circa 24 Minuten Ladezeit, mit welcher der Fahrer rechnen muss. Leistet eine Ladesäule bloß 25 kW, dann kann man sich die Wartezeit ausrechnen.

Schlimme E-Auto-Situation in Stuttgart: Bald sollen neue Projekte in Baden-Württemberg kommen

Das Stuttgarter Ladestationen-Projekt ist – zumindest Stand heute – keine große Leistung. Schon bald sollen jedoch noch mehr Projekte folgen, welche die Ladeinfrastruktur verbessern wollen. So sollen in ganz Baden-Württemberg spezielle Parkhäuser für E-Autos* gebaut werden, die mit Ladestationen ausgestattet sein sollen.

Wer sich überlegt, auf ein neues E-Auto umzusteigen, sollte die speziellen Prämien für E-Auto-Fahrer* kennen, die Berechtige jedes Jahr beziehen können. Aber Achtung: Die Bundesregierung will die E-Auto-Förderung jetzt anpassen, um den zunehmenden Missbrauch der E-Auto-Prämie in Deutschland* zu unterbinden. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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