Folgen der Corona-Pandemie

Ausgerechnet das wirtschaftsstarke Baden-Württemberg ist besonders stark von Kurzarbeit betroffen

  • Anna-Lena Schüchtle
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat massive Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitnehmer. Die Zahlen der von Kurzarbeit Betroffenen gehen zudem nicht so stark zurück wie in anderen Bundesländern. Der Grund dafür hat mit Daimler, Bosch und anderen Industrieunternehmen zu tun.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg wirkt sich stark auf die Wirtschaft im südwestlichsten Bundesland aus.
  • Viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden - auch Daimler, Bosch und Co. waren betroffen.
  • Im Bundesvergleich sinken die Zahlen der von Kurzarbeit Betroffenen in Baden-Württemberg langsamer als in anderen Bundesländern. Das hängt mit der Industrie im Ländle zusammen.

Stuttgart - Um das Coronavirus in Baden-Württemberg in den Griff zu bekommen, sah sich die Landesregierung in Stuttgart dazu gezwungen, im Frühjahr einen landesweiten Lockdown zu verhängen, der massive Folgen auf den Alltag der Bevölkerung hatte. Dies führte zu vielen Verboten und Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Ladenschließungen, Kontaktverboten oder die Einführung einer Maskenpflicht.

Auch auf die Wirtschaft im gesamten Südwesten hatte die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg verheerende Auswirkungen. Selbst Konzerne wie die Daimler AG und die Porsche AG mussten zwischenzeitlich die Produktion einstellen. Bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart-Untertürkheim führte das in den ersten beiden Quartalen von 2020 zu Milliardenverlusten. Viele Selbstständige und kleine Betriebe wie Restaurants oder lokale Händler fürchten bis jetzt um ihre Existenz - dabei traten bereits am 1. Juli weitreichende Corona-Lockerungen in Kraft.

Baden-Württemberg: Zahl der Kurzarbeiter sinkt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt langsamer

Weil aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland ein großer Teil der Betriebe und der Industrie stark eingeschränkt gewesen war, mussten viele von ihnen Kurzarbeit für ihre Angestellten beantragen. Nach Schätzungen und Berechnungen des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. - waren im Juli mit bundesweit 5,6 Millionen Menschen und damit 17 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten immer noch weit mehr Arbeitnehmer in Kurzarbeit, als es beispielsweise während der gesamten Finanzkrise 2009 je der Fall war.

Ein sichtbarer Trend macht in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg jedoch Hoffnung: Die Zahl sinkt kontinuierlich - im Juni gab es noch 6,7 Millionen Kurzarbeiter, im Mai waren es sogar 7,3 Millionen. Allerdings zeigt sich die positive Entwicklung nicht in jeder Branche beziehungsweise in jedem Bundesland. „Gerade in den Ländern mit bedeutender Automobil- und Zuliefererindustrie wird besonders viel Kurzarbeit gefahren“, sagt Sebastian Link vom ifo Institut in einer Pressemitteilung.

Das betrifft vor allem Bayern, wo es mit 1,2 Millionen Menschen (21 Prozent) im Bundesvergleich die meisten Kurzarbeiter im Juli gab. Auf Platz 2 liegt mit 900.000 Beschäftigten in Kurzarbeit (19 Prozent) jedoch bereits Baden-Württemberg. Mit beispielsweise Daimler, Porsche und Bosch sitzen und produzieren allein am Wirtschaftsstandort Stuttgart global agierende Industrieunternehmen mit vielen Mitarbeitern, die stark von den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen sind und zudem mit vielen regionalen Zulieferern zusammenarbeiten.

Kurzarbeit im Zuge der Corona-Krise hat vor allem Regionen mit einem hohen Anteil der Autobranche und anderen Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie getroffen.

Während beispielsweise im Dienstleistungssektor und im Handel die Kurzarbeiterzahlen bundesweit stark sinken, gehen sie in der Industrie nur leicht zurück oder steigen sogar weiter an. „Der Rückgang hat sich zwar insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagt Sebastian Link vom ifo Institut. Das ist beispielsweise in der Metallindustrie der Fall, die besonders stark von den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland betroffen ist. Im Juli gab es in dieser mit 542.000 Beschäftigten mehr Kurzarbeiter als noch im Juni mit 509.000.

Ähnliches lässt sich im Maschinenbau beobachten, wo die Zahl der von Kurzarbeit Betroffenen von 354.000 auf 578.000 im Juni angestieg. Rund drei Prozent der Stellen werden laut Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) sogar gestrichen - ein Großteil davon in Baden-Württemberg.

Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg: Industrie bremst Rückgang der Kurzarbeiterzahlen

Auch die Daimler AG wurde schwer von den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg getroffen. Das führte ebenfalls zu Stellenabbau und Kurzarbeit. Daimler-Manager verzichtete aus Solidarität daher teilweise auf ihr Gehalt. Der Daimler-Betriebsrat wendete sich im Juli mit einem dringenden Appell an den Vorstand des Automobilherstellers. Er fordert einen genaueren Fahrplan zur Überwindung der Krise. 

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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