Harter Sparkurs und Kündigungen

Bei Daimler brodelt es: folgenschweres Ultimatum für Mitarbeiter

  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Es brodelt gewaltig bei der Daimler AG. Der Konzern muss Stellen abbauen. Dagegen wehrt sich jetzt der Betriebsrat - und der Vorstand reagiert mit einer Drohung.

Stuttgart - Wirtschaftlich stellt die Daimler AG momentan die Weichen für die Zukunft. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart setzt alles daran, die Corona-Krise zu bewältigen und richtet die Strategie voll auf E-Mobilität aus. Doch was sich für das Unternehmen als der richtige Weg herausstellen mag, hat einen hohen Preis.

Um Kosten zu sparen, wird die Daimler AG Mitarbeiter entlassen. Allein in Stuttgart baut Daimler 4.000 Stellen ab. Auch der Fokus auf den chinesischen Markt sorgte intern für massiven Ärger. Die Mitarbeiter der Daimler-AG sind „fassungslos“, weil der Konzern neue Motoren in China bauen will.

Inzwischen setzen sich die Mitarbeiter immer lauter zur wehr. Der Betriebsrat betonte, die Stimmung bei Daimler sei am Boden. Mit dem Stellenabbau will man sich nicht einfach zufriedengeben. Die Mitarbeiter reagierten mit einem letzten Verzweiflungsakt und protestieren die ganze Woche. Der Vorstand in Stuttgart zeigt sich davon unbeeindruckt - und holt zum Gegenschlag aus.

Daimler AG in Stuttgart: Betriebsrat und Vorstände streiten sich um Elektro-Campus

Zuletzt hatte der Betriebsratschef das Vorgehen von Daimler als „bitter und enttäuschend“ bezeichnet. Nun erhält der Streit zwischen Vorstand und Mitarbeitern am Daimler-Standort Stuttgart ein weiteres Kapitel. Denn in Stuttgart-Untertürkheim soll eigentlich ein Elektro-Kompetenzzentrum entstehen. Vereinbarungen dafür gab es bereits, doch der Vorstand will diese abändern.

Daimler: Um die Zukunft des Stammwerks in Untertürkheim ist ein heftiger Streit entbrannt.

„Die Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite beharren darauf, dass alle bestehenden Vereinbarungen unverändert umgesetzt werden“, heißt es in einer internen Information an die Mitarbeiter, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Zwar seien die aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend verändert. „Festhalten am Status quo ist daher keine Option“, schreiben die Daimler-Vorstände Markus Schäfer und Jörg Burzer.

Der Status quo würde heißen, dass für den „Campus Mercedes-Benz Drive Systems“ Teile der Produktion in Stuttgart verlagert werden. Der Betriebsrat fordert für die wegfallende Arbeit eine Kompensation. Die Vorstände werfen dem Betriebsrat deshalb eine Blockadehaltung vor - und drohen kurzerhand mit der Verlegung des Elektro-Kompetenzzentrums an einen anderen Standort.

Daimler-Standort Stuttgart: Elektro-Kompetenzzentrum oder Kurbelwellenfertigung

Im Zentrum des Streits bei der Daimler AG liegt wohl die Fertigung von Kurbelwellen. „Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untertürkheim, müssen wir für den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien prüfen“, heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter. „Denn eine Bündelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgründen in Untertürkheim nicht mehr möglich.“

Eine Sprecherin der Daimler AG bestätigte gegenüber der dpa, dass derzeit verschiedene Alternativen geprüft würden. Für das geplante Elektro-Kompetenzzentrum müssten dort entsprechende Voraussetzungen zum Beispiel bei den Flächen geschaffen werden. Dazu gehöre auch, dass nicht am angestammten Portfolio festgehalten werden könne. Man strebe aber weiterhin eine konstruktive Lösung zusammen mit den Arbeitnehmervertretern an.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Mercedes-Benz Ag

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