Nachtleben der Landeshauptstadt

Stuttgarter Kult-Club muss wegen Corona schließen - Chefin wütend: „Wir Ehrlichen sind die Dummen“

Fotomontage: Im Hintergrund tanzen Menschen im Kings Club, im Vordergrund ist Gastronomin Laura Halding-Hoppenheit zu sehen.
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Der Kings Club in Stuttgart muss wegen des Coronavirus seine Pforten vorerst schleißen.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In Stuttgart muss wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg der Kings Club schließen. Dem Kult-Lokal fehlen die Gäste - während anderswo illegal gefeiert wird.

Stuttgart - In den vergangenen Jahren mussten immer wieder traditionsreiche Clubs in Stuttgart ihr Aus verkünden. Anfang des Jahres erklärten etwa die Betreiber des Keller Klubs das Ende der beliebten Location am Rotebühlplatz. Vom sogenannten „Clubsterben“ ist immer wieder die Rede. Dabei ist die Zahl der in der Landeshauptstadt angesiedelten Tanzbars laut Gewerbe und Gaststättenbehörde so hoch wie nie - zumindest war das Anfang 2020 noch so.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hinterlässt jedoch vor allem im Nachtleben von Stuttgart seine Spuren. Um eine weitere Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern, durften Bars und Clubs im Frühjahr wochenlang nicht mehr öffnen. Seit den Lockerungen vom 1. Juli ist war vieles wieder erlaubt - Tanzen gehört jedoch nicht dazu, was viele Betreiber in große Existenznöte stürzt. Die Folge: Jedes Wochenende werden in der Landeshauptstadt illegale Partys gefeiert.

Stuttgart: Kult-Lokal Kings Club muss wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg schließen

Besonders bei denjenigen, die sich an die Auflagen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg halten, sorgen die unerlaubten Tanzverstaltungen jedoch für Unverständnis. „Wir Ehrlichen sind die Dummen“, wird etwa Laura Halding-Hoppenheit von der Stuttgarter Zeitung (StZ) zitiert. Die Chefin des Kings Club muss ihre schwul-lesbische Kult-Location nach 45 Jahren nun schließen.

Der Grund: Die Gäste bleiben wegen des Tanzverbots aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg aus. „Solange wir nicht tanzen dürfen, hat es keinen Sinn, abends aufzumachen“, erklärt Laura Halding-Hoppenheit, die aufgrund von Sanierungsarbeiten im Juli ohnehin eine Ersatz-Location für den Kings Club anmieten musste. Das Lokal öffnet seine Pforten von Donnerstag bis Samstag - zuletzt war das nach Angaben der Chefin jedoch ein Minusgeschäft. „Die Kosten explodieren und die illegalen Partys auch“, so die Gastronomin.

Die vorläufige Schließung muss jedoch nicht das endgültige Aus des Kings Club bedeuten. Abhängig ist eine Wiedereröffnung jedoch davon, wie sich die Lage rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg entwickelt - und wie schnell ein Impfstoff gefunden wird. Anfang des Jahres verbreitete sich Covid-19 unter anderem nach diversen Aprés-Ski-Veranstaltungen - etwa in Ischgl.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kult-Club in Stuttgart muss wegen Tanzverbot schließen

Übertragen wird das Coronavirus in Baden-Württemberg hauptsächlich durch Aerosole - also Kleinstpartikel in der Atemluft. Aus diesem Grund besteht gerade in kleinen Räumen, wo viele Menschen eng beieinander sind, ein erhöhtes Infektionsrisiko. Tanz-Clubs, wo zudem noch viel Alkohol fließt und dadurch die Hemmungen sinken, gelten daher als potenzielle Hotspots für eine Verbreitung von Covid-19.

Je länger sie jedoch schließen müssen, desto größer ist die Gefahr eines tatsächlichen Clubsterbens, wie man es in Stuttgart schon vor der Pandemie befürchtete. Um das Nachtleben in der Landeshauptstadt zu retten, wurde mittlerweile ein neuer Plan erarbeitet, der auch die illegalen Partys in der Innenstadt verhindern soll.

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