Vor „Querdenker“-Demonstration

Nach Angriff auf Daimler-Mitarbeiter: Täter zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Ein Angeklagter im Prozess wegen einer Attacke am Rande einer Corona-Demo steht in Handschellen im Gerichtssaal.
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Urteil im Prozess um einen Angriff am Rande einer Corona-Demo in Stuttgart: Beide Angeklagten bekommen lange Haftstrafen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Vergangenes Jahr wurden drei Daimler-Mitarbeiter vor einer „Querdenker“-Demo zusammengeschlagen und schwer verletzt. Die Täter wurden jetzt zu Haftstrafen verurteilt.

Stuttgart - Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg waren immer schon umstritten. Inzwischen sind sie zwar gelockert, besonders zu Beginn der Pandemie fanden aber zahlreiche Demonstrationen dagegen statt. In Stuttgart wurden diese meist von der sogenannten „Querdenker“-Initiative organisiert.

Bei den Demonstrationen ging es nicht immer friedlich zu. Sowohl Teilnehmer, als auch Gegendemonstranten griffen wiederholt zu Gewalt. Erst dieses Jahr wurde ein Fernsehteam in Stuttgart attackiert. Im Mai 2020 wurden drei Männer brutal zusammengeschlagen, die auf dem Weg zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen waren - alle drei arbeiten bei der Daimler AG. Eines der Opfer in Stuttgart schwebte in Lebensgefahr. Laut Deutscher Presseagentur ist einer der Männer seitdem auf einem Auge fast blind, ein anderer erlitt einen Schädelbruch und lag zeitweise im Koma.

Als Täter des Angriffs am Rande der „Querdenker“-Demo in Stuttgart wurden zwei junge Männer aus der linken Szene ermittelt. Zum Prozessauftakt wurden für beide Haftstrafen gefordert. Jetzt hat das Landgericht Stuttgart sein Urteil verkündet.

Angriff vor „Querdenker“-Demo in Stuttgart: Täter müssen ins Gefängnis

Beide Angreifer müssen demnach für mehrere Jahre hinter Gitter. Der 21-jährige Täter bekam viereinhalb Jahre Haft, der 26-jährige sogar fünfeinhalb. Der Richter am Landgericht Stuttgart bezeichnete die Geschehnisse am Rande der Corona-Demo als einen „sehr traurigen Fall“. Die beiden Angeklagten schwiegen sich zu den Vorwürfen aus.

Besondere Brisanz erhielt die Gerichtsverhandlung, weil die drei Opfer des brutalen Angriffs Betriebsratsmitglieder der rechten Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ sind, einer „obskuren Kleingewerkschaft“, so der Richter. Die Verteidigung der Täter hatte eine unsachgemäße Spurensicherung kritisiert und deshalb Freispruch gefordert.

Urteil nach Angriff vor „Querdenker“-Demo: Strafe hätte noch höher ausfallen können

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage sogar eine noch höhere Strafe beantragt, weil sie bei dem Angriff von versuchtem Totschlag ausgegangen war. Das ließ sich allerdings nicht beweisen, weshalb das Landgericht die jungen Männer aus der linken Szene letztlich wegen gefährlicher Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und Landfriedensbruch in einem besonders schweren Fall verurteilte.

Bei der Verurteilung der beiden Männer halfen verschiedene Indizien. So wurde eine am Handschuh des 21-Jährigen sichergestellte DNA-Spur einem der Opfer zugeschrieben. Eine Übertragung von Spuren schloss das Gericht aus. Ein Haar des 26-jährigen Angeklagten wurde an einer Reizgaskartusche entdeckt, die am Tatort gefunden worden war. Der jüngere der beiden Angeklagten sei außerdem von der Polizei kurz nach der Tat in der Nähe angetroffen worden, berichtet die Deutsche Presseagentur.

Innenminister Thomas Strobl sagte anlässlich des Urteils: „Polizei und Justiz ermitteln Straftaten konsequent und ahnden diese hart – ganz gleich, mit welcher politischen Motivation sie begangen werden.“ Gewalt sei niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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