„Eine Farce für die gesamte Branche“

„Uns reicht es“: Stuttgarter Clubs rechnen mit neuer Corona-Verordnung ab

Menschen tanzen am 03.01.2012 in einer Disco in Stuttgart (Baden-Württemberg).
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Lockerungen im Nachtleben stehen zwar zur Diskussion, Stuttgart will jedoch noch die Ergebnisse der Modellprojekte abwarten.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die seit heutigen Montag geltende Corona-Verordnung ermöglicht weitere Lockerungen in der Gastronomie und der Kultur. Die Club-Branche fühlt sich jedoch noch immer komplett übergangen.

Stuttgart - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gehen immer weiter zurück. Inzwischen liegt ein Großteil der Stadt- und Landkreise im Südwesten unter einer Inzidenz von 10. Seit dem heutigen Montag, 28. Juni, gibt es neue Corona-Regeln für Kino, Gastronomie und Co. Zudem ermöglicht die neue Corona-Verordnung auch neue Lockerungen für den Besuch des Europaparks. Die Gastronomie- und Handelsbetriebe haben im Südwesten nun bereits seit mehreren Wochen geöffnet, bislang jedoch unter sehr strengen Regelungen, die nun schrittweise gelockert werden.

Obwohl in den vergangenen Wochen immer mehr Lockerungen in Baden-Württemberg in Kraft traten, waren manche Bereiche noch immer für die Besucher geschlossen. Bordelle im Südwesten dürfen etwa erst seit vergangener Woche öffnen, nachdem sie seit November 2020 durchgehend geschlossen waren. Ein Bereich, der für das Nachtleben im Ländle ganz besonders wichtig ist, hat jedoch auch mit der neuen Auflage der Corona-Verordnung offenbar keine Öffnungsperspektive: In einer Mitteilung auf Facebook wandten sich die Clubs der Landeshauptstadt Stuttgart an die Landesregierung.

Keine Lockerung für Clubs: Stuttgarter Kollektiv geht auf die Barrikaden

Mit der Öffnung der Gastronomie und damit auch der Bars und Kneipen in Baden-Württemberg kam zumindest wieder etwas Leben in die südwestdeutschen Nächte. Wer jedoch nicht nur gemeinsam ein Bier oder ein Glas Wein trinken, sondern auch tanzen möchte, muss Geduld haben. Doch die anhaltende Schließung der Clubs und Diskotheken ist nicht nur für das Tanzvolk eine Belastungsprobe, die Betreiber der Einrichtungen und die Mitarbeiter leiden besonders unter den fehlenden Öffnungsperspektiven. „Uns reicht es“, schreibt das Club Kollektiv Stuttgart auf Facebook, einem Interessenverband der Kulturveranstalter aus der Landeshauptstadt. „Die ab Montag in Kraft tretende Landesverordnung bietet weiterhin keine Öffnungsperspektive für Clubs und Diskotheken.“

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg bewegen sich aktuell zwar auf einem sehr niedrigen Niveau. Dennoch gibt es in einigen Bereichen noch deutliche Einschränkungen aufgrund des Infektionsschutzes. Die Stuttgarter Clubbetreiber ärgern sich vor allem darüber, dass in anderen Bereichen die Lockerungen offenbar sehr schnell umgesetzt werden. „Nur das Nachtleben soll weiterhin brav die Füße stillhalten“, heißt es auf Facebook.

Clubs in Stuttgart: Betreiber fordern Anpassung der Corona-Verordnung

Die Clubszene in Stuttgart leidet bereits seit vielen Monaten unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die Betreiber planten bereits vor einiger Zeit einen Rettungsversuch und wollten mit „Open-Air-Clubs“ das Nachtleben in Stuttgart retten. Zu diesem Zeitpunkt sah die Corona-Lage allerdings auch noch deutlich angespannter aus. Während andere Bereiche immer weiter lockern dürfen, steht die Clubszene nach wie vor still. „Diese Ungleichbehandlung ist nicht mehr zu rechtfertigen“, schreibt das Club Kollektiv Stuttgart. Deshalb fordern sie eine Anpassung der Corona-Verordnung. Wir fordern „eine schnelle Überarbeitung dieses Bereichs der Landesverordnung unter der Einbeziehung der Expertise der Nachtkultur“.

Im Rahmen der aktuellen Lockerungen steht jedoch auch eine Öffnung der Clubs und Diskotheken im Raum und ist in der Verordnung zumindest vorgesehen. Aktuell ist die Stadt Stuttgart in diesem Schritt jedoch noch vorsichtig und will zunächst die Ergebnisse der laufenden Modellprojekte abwarten. Die Clubbetreiber in der Landeshauptstadt sind von diesem zögerlichen Vorgehen allerdings nicht begeistert. „Die Richtlinie von einer Person auf zehn Quadratmeter unter dem Vorbehalt der Ergebnisse von nicht genauer definierten Modellversuchen ist eine Farce für die gesamte Branche“, schreiben sie. „Wir haben volles Verständnis für den 3G-Nachweis, eine Kapazitätsbeschränkung muss aber prozentual und nicht per Quadratmeter erfolgen.“

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