Ende März ist Schluss

Aus für Stuttgarter Traditionsbetrieb nach mehr als 20 Jahren - „Unser Beruf ist nahezu aussterbend“

Die Eingangstür des Café Chamäleon in der Eberhardstraße in Stuttgart
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Das Café Chamäleon der Bäckerei Hafendörfer ist bereits ausgeräumt und geschlossen.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Nach mehr als 20 Jahren in der Stuttgarter Innenstadt muss die Bäckerei Hafendörfer mit dem Café Chamäleon in der Eberhardstraße schließen. Bis Ende März werden noch Brezeln und Brote verkauft.

Stuttgart - Die Nachwirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg machen sich weiterhin bemerkbar. Durch den langen Ausfall von Einnahmen sehen sich viele Betriebe und Unternehmen gezwungen, zu schließen oder umzuziehen. Dieses Schicksal ereilt nun auch eine Bäckerei, die 30 Jahre lang ein Teil der Innenstadt von Stuttgart war.

Die Bäckerei Hafendörfer macht Schluss in der Eberhardstraße. Brezeln und Brote werden zwar noch verkauft, das Café Chamäleon ist allerdings schon leer geräumt. Ende März läuft der Mietvertrag aus und der Familienbetrieb nutzt dies, um sich gezwungenermaßen zu verkleinern. „Wir müssen auf die momentanen Gegebenheiten reagieren und machen uns schlank und schlagkräftig für die Zukunft“, sagt Geschäftsführer Falk Hafendörfer.

Stuttgart: Café Chamäleon schließt nach mehr als 20 Jahren in der Innenstadt

30 Jahre lang war die Bäckerei in der Landeshauptstadt vertreten. 1999 wurde das Café Chamäleon eröffnet, in dem es nicht nur belegte Brötchen, sondern auch einen Mittagstisch gibt. Doch durch die Pandemie ist es in der Innenstadt ruhiger geworden, wie Falk Hafendörfer den Stuttgarter Nachrichten erzählt. Viele Menschen arbeiten weiterhin im Homeoffice, weshalb ein großer Teil des Umsatzes weggebrochen sei. „Das Wetter ist zwar schön, die Laune steigt und die Menschen gehen mehr raus, aber die Pandemie ist noch nicht vorbei“, so der Bäcker.

An der Eingangstür hängt ein Zettel, auf dem sich das Team bei seinen Kunden bedankt.

Hinzu kommt für den Traditionsbetrieb aus Baden-Württemberg der Fachkräftemangel und die steigenden Kosten. „Unser Beruf ist nahezu aussterbend“, erzählt der Geschäftsführer. Die Lage in der Innenstadt erschwere die Bedingungen für das Personal, denn die Mieten seien für Mitarbeiter nicht bezahlbar und die Erreichbarkeit nicht einfach, wie er berichtet. Auch der Ukraine-Krieg belastet das Unternehmen. „Vieles prasselt von außen kurzfristig auf uns ein und wir müssen es dann irgendwie steuern“, berichtet Falk Hafendörfer.

Bäckerei Hafendörfer in Stuttgart: Umzug in passendere Betriebsgröße, um Überlebensfähigkeit zu sichern

Nach all den Jahren bedankt sich das Team der Bäckerei über einen Aushang an der Eingangstür bei den Kunden: „Wir möchten Danke sagen für Ihre Treue, das entgegengebrachte Vertrauen, das Lob, die Kritik und auch die Anerkennung.“ Ziel sei es nun, eine vernünftige Betriebsgröße zu finden, um die Überlebensfähigkeit zu sichern.

Die Brüder Falk und Dieter Hafendörfer haben den Familienbetrieb im Jahr 2003 übernommen. Während ein Unternehmen üblicherweise im Laufe der Jahre wachse, müsse ihre Bäckerei erst einmal schrumpfen, um neue Projekte in Zukunft anpacken zu können. Neben der Filiale in der Eberhardstraße betreiben die Brüder ein Backwarenpavillon auf der Königstraße, eine zweite Verkaufsstelle am Stöckach und das Stammhaus in der Heusteigstraße.

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