Protest gegen Agrarpolitik

Heftiger Protest: Hunderte Bauern ziehen mit Traktoren vor den Stuttgarter Landtag

Teilnehmer einer Demonstration von Bauern stehen in der Innenstadt vor Traktoren.
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Beim Bauernprotest vor dem Stuttgarter Landtag sorgten hunderte Traktoren und zahlreiche Bauern für Verkehrsbehinderungen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Bauernprotest in Stuttgart: Hunderte Bauern machen ihrem Ärger über die Agrarpolitik Luft - mit ihren Traktoren sorgen sie am Freitag für Staus in der Stadt.

Stuttgart - Für gewöhnlich sind auf den Straßen Stuttgarts viele Autos unterwegs: Zwischen den vielen Kleinwagen drängt sich auch mal der ein oder andere SUV, Roller schlängeln sich zwischen den Autos hindurch. Doch am heutigen Freitag wurden die Straßen Stuttgarts von ganz anderen Fahrzeugen blockiert: Hunderte Traktoren sorgten für Staus in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Grund dafür ist ein Bauernprotest, der an diesem Freitag dem Landtag in Stuttgart stattfand. Landwirte aus ganz Baden-Württemberg versammelten sich vor dem gläsernen Gebäude in Stuttgart, um ihrem Ärger Luft zu machen: Sie fordern dieselben Produktionsstandards für importierte Produkte wie für heimische Lebensmittel. „Wenn wir in Deutschland höchste Standards einhalten müssen in der Produktion, beim Insektenschutz oder der Düngung, dann muss das auch für Importe vorausgesetzt werden“, zitiert der SWR Thomas Frenk, Landessprecher des Verbands „Freie Bauern“.

In der Automobilbranche sowie bei Elektrogeräten sei dies bereits der Fall, jedoch nicht bei Lebensmitteln. „In unserer Branche reglementiert man vor Ort und kauft billig im Ausland ein“, so Frenk. Er und das Bündnis fordern zudem eine verpflichtende Angabe der Herkunft des Produktes auf der Verpackung.

Bauernprotest in Stuttgart: Landwirte fordern Details zum Gesellschaftsvertrag von Winfried Kretschmann

Rückendeckung erhalten Bauern laut SWR von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU): Er unterstütze die Forderungen nach gleichen Standards. Klar sei für Hauk: „Wer in Europa seine Produkte verkaufen will, der muss auch nach unseren Standards produzieren.“ Beides müsse auf Bundes- und europäischer Ebene geregelt werden: „Im Land kämpfen wir dafür, dass hier endlich klare Vorgaben gemacht werden. Umsetzten müssen dies aber Berlin und Brüssel“, sagt Hauk laut der Deutschen Presseagentur.

Die Bauernproteste würden jedoch nicht vom Landesbauernverband unterstützt, sagte eine Sprecherin, obwohl dieser ähnliche Ziele verfolge. Man fordere Transparenz durch eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung. Die hohen Standards bei Produktqualität, Tierwohl und Verbrauchersicherheit führten zu hohen, jedoch notwendigen Kosten. Importe unterliefen diesen Standards, so die Verbandssprecherin. „Um Transparenz herzustellen und bewusste Verbraucherentscheidungen zu ermöglichen, brauchen wir eine verpflichtende oder flächendeckend umgesetzte Haltungsform- und Herkunftskennzeichnung für Rohstoffe und für verarbeitete Produkte“, fordert die Vertreterin des Landesbauernverbandes.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) brachte nach SWR-Informationen vor rund einem Jahr ein Abkommen ins Gespräch. Das Bündnis „Freie Bauern“ fordern nun Details zum sogenannten Gesellschaftsvertrag, mit welchem den bäuerlichen Familienbetrieben aus der Not geholfen werden soll. Der Vertrag soll zwischen Landwirten, dem Handel und den Verbrauchern abgeschlossen werden.

Bauernproteste fanden bereits im vergangenen Jahr statt: Aldi und Lidl im Mittelpunkt

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat nicht nur für die Wirtschaft fatale Folgen, auch die Landwirtschaft hat mit dem Virus zu kämpfen. So war der Bauernprotest vor dem Stuttgarter Landtag nicht der erste Protest der Landwirte: Bereits im vergangenen Jahr protestierten Landwirte gegen Billigpreise und blockierten die Zentrale und das Lager des Discounters Lidl. Aus einem spontanen Protest von Hunderten Landwirten vor dem zentralen Lidl-Lager in Cloppenburg (Niedersachsen) entwickelte sich im Dezember eine Protest-Welle, die sich auch auf die Firmenzentrale in Neckarsulm ausbreitete.

Ebenfalls im Dezember 2020 blockierten Milchbauern mit Traktoren das Lager des Discounters Aldi in Aichtal. Grund war der Milchpreis, der damals bei knapp 30 Cent pro Litern stand. Für Milchbauern ist das zu wenig zum Überleben, sie sehen ihre Existenz gefährdet. Deshalb fordern sie mindestens zehn Cent mehr pro Liter.

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