Viel Geld für zehn Stufen

Stuttgart will Freitreppe am Wilhelmspalais für 1,9 Millionen Euro bauen - Steuerzahlerbund erzürnt

Der Wilhelmpalais in Stuttgart an der Bundesstraße 14.
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Wilhelmspalais in Stuttgart: Noch ist das Bauwerk durch eine Mauer mit Hecke von der B14 getrennt. Ende 2023 soll dort eine Freitreppe stehen.
  • Valentin Betz
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Stuttgart ist teuer, aber auch reich. Mit Steuergeldern scheint die Landeshauptstadt laut Steuerzahlerbund eher sträflich umzugehen - wie ein Projekt am Wilhelmspalais zeigt.

Stuttgart - Baustellen sind die Einwohner von Stuttgart gewohnt. Seit Jahren beeinflusst Stuttgart 21 das Stadtbild der Landeshauptstadt. Das Megaprojekt ist aber allem Anschein nicht das einzige, bei dem ordentlich Geld verbrannt wird. Gerade erst hat der Bund der Steuerzahler sein aktuelles Schwarzbuch veröffentlicht. Darin beklagt der Bund die Verschwendung von Steuergeldern.

In Baden-Württemberg haben es gleich mehrere Städte ins Schwarzbuch geschafft, Stuttgart ist selbstverständlich mit von der Partie - unter anderem aufgrund eines Mobilitätsthemas. Stuttgart baute für 700.000 Euro Fahrradgaragen, die kaum genutzt werden. Ein anderes Beispiel für eher fragwürdig eingesetzte Mittel ist immerhin schön anzusehen. Für 75.000 Euro ließ Stuttgart Treppen von Künstlern bemalen. Dadurch sollte ein Bewegungsanreiz geschaffen werden.

Das sind allerdings nicht die einzigen Treppen, die in Stuttgart für Kopfschütteln sorgen. Wie die Bild berichtet, plant die Stadt am Wilhelmspalais eine Freitreppe mit ordentlichen Ausmaßen. Kosten: 1,9 Millionen Euro.

Freitreppe am Wilhelmspalais: Stadt lässt sich Projekt an B14 Millionen kosten

Die Freitreppe am Wilhelmspalais in Stuttgart soll Bewohnern die Möglichkeit zum Sitzen und Verweilen geben. Hintergrund für die Idee ist die sogenannte Kulturmeile, die zur Beruhigung des Verkehrs vor Ort beitragen und Lärm sowie Abgase verringern sollte. Das Problem: Der angesprochene Verkehr fährt am Wilhelmspalais nicht durch eine kleine Nebenstraße, sondern brettert über die stark befahrene B14. Von täglich rund 100.000 Autos schreibt die Bild und bezeichnet das Vorhaben als teuersten „Treppenwitz der Stadt“.

Denn große Hoffnung auf eine verkehrsberuhigte B14 gibt es aktuell nicht, die Pläne zur Freitreppe am Wilhelmspalais sind schon sieben Jahre alt. Der Verkehr hat nach wie vor nicht nachgelassen, aber die Treppe soll bis Ende 2023 fertiggestellt sein - für eben 1,9 Millionen Euro.

Wilhelmspalais bekommt Freitreppe - Steuerzahlerbund kann es nicht fassen

Wenig verwunderlich ist auch der Bund der Steuerzahler kein Fan des Bauprojekts am Wilhelmspalais. „Was verspricht sich die Stadt von einer Freitreppe, die unmittelbar an einer mehrspurigen Bundesstraße errichtet wird?“, fragt sich der Landesvorsitzende Zenon Bilaniuk gegenüber der Bild. Stattdessen beweise die Freitreppe: „In Stuttgart wird immer noch locker mit Steuergeld umgegangen.“

Ginge es nach dem Steuerzahlerbund, wären die 1,9 Millionen Euro beispielsweise besser in die Kinderbetreuung in der Landeshauptstadt investiert. Schon 2017 ärgerte sich der verstorbene Stadtrat Jürgen Zeeb über die Freitreppe für den Wilhelmspalais: „Wir sind drauf und dran, ein monumentales Bauwerk zu schaffen, das an eine Stadtautobahn andockt“, sagte er damals.

An den Plänen der Stadt wird sich trotz Kritik wohl nicht mehr viel ändern, das Geld für die zehnstufige Freitreppe sei bereits im städtischen Haushalt vermerkt. „Die Planungen sind abgeschlossen. Der Gemeinderat wird im Januar den Baubeschluss fassen“, erklärte Stadtsprecher Niklas Junkermann der Bild. Bei den Verantwortlichen zeigt man sich ohnehin optimistischer, was die Vision für die B14 betrifft: „Die Freitreppe nimmt den Gedanken auf, dass sich die Situation an der Bundesstraße deutlich verbessern wird“, so Junkermann weiter.

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