„Autos waren mir suspekt“

Beste Auszubildende: 24-jährige BMW-Mechatronikerin lässt männliche Kollegen hinter sich

Die angehende Kfz-Mechatronikerin Lisa Batke arbeitet im Innenraum des Golf GTI
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Handwerkskammer Region Stuttgart: Die beste Prüfung bei den Kfz-Mechatronikern kommt von einer Frau (Symbolbild).
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    vonValentin Betz
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Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist nach wie vor eine Männerdomäne - leider. Denn die beste Abschlussprüfung hat dieses Jahr eine Frau abgelegt.

Stuttgart/Fellbach - In Deutschland gibt es auch heute noch Ausbildungsberufe, die hauptsächlich von Männern erlernt werden. In der Region rund um die Landeshauptstadt wird das besonders deutlich: Jobs in Stuttgart gibt es hauptsächlich in den großen Bereichen Autoindustrie und Maschinenbau.

Eine besondere Männerdomäne ist die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, waren in diesem Jahr von 604 Prüflingen aus der Region Stuttgart 588 Männer - und nur 16 Frauen. Doch das beste Prüfungsergebnis kommt laut der Handwerkskammer Region Stuttgart nicht von einem Mann, sondern von einer Frau.

Trotz Abitur: 24-Jährige aus Fellbach entscheidet sich für Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin

Die 24-Jährige aus Fellbach im Rems-Murr-Kreis ließ bei den Prüfungen der Handwerkskammer Region Stuttgart dieses Jahr die komplette Konkurrenz hinter sich. Dabei hat sich die junge Frau bewusst für das Handwerk und einen Ausbildungsberuf entschieden. Mit ihrem Abitur hätte sie auch studieren können, beispielsweise an der Universität Stuttgart.

Denn unter den Studiengängen der Uni Stuttgart finden sich durchaus auch Fächer, die Ähnlichkeiten mit einer Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin aufweisen. Interessierte können beispielsweise Elektrotechnik oder Maschinenbau studieren. Dass sich die 24-Jährige trotzdem für eine Ausbildung entschieden hat, freut auch Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart: „Das Handwerk bietet Chancen und Karrieren, man muss sie erkennen und ergreifen – unabhängig von Schulabschluss, Nationalität oder Geschlecht. Die Motivation ist entscheidend.“

24-Jährige ist beste Kfz-Mechatronikerin - dabei kann sie mit Autos nur wenig anfangen

Das sieht auch die 24-Jährige aus Fellbach so. Die eigene Motivation in Form eines besonderen Interesses für den Beruf nennt die Kammersiegerin laut Stuttgarter Zeitung als wichtigsten Grund für ihr herausragendes Abschneiden. Ohne Fleiß gibt es aber auch von der Handwerkskammer Region Stuttgart keinen Preis. „Ich habe mich schon hingesetzt und gelernt“, sagte sie der StZ.

Dabei wollte die junge Frau zwar unbedingt einen handwerklichen Beruf ergreifen, mit Autos hatte sie davor aber eher wenig zu tun. „Am Anfang waren mir Autos etwas suspekt“, erklärte sie gegenüber de StZ. „Ich habe mit null Wissen angefangen.“ Die Leidenschaft der besten Kfz-Mechatronikerin ihres Jahrgangs gilt vielmehr dem Motorrad. Zum Glück ist sie da als Auszubildende bei der BMW-Niederlassung in Stuttgart richtig aufgehoben. Im Unterschied zu Daimler baut BMW neben Pkw nämlich auch Motorräder.

Sieger der Handwerkskammer Region Stuttgart: Fast die Hälfte der Jahrgangsbesten sind Frauen

Unter den besten Auszubildenden des zurückliegenden Prüfungsjahrgangs ist die 24-Jährige Kfz-Mechatronikerin bei weitem nicht die einzige Frau. Wie die Handwerkskammer berichtet, sind unter den 59 Ausgezeichneten insgesamt 24 Frauen. Von den Siegerinnen und Siegern können 30 die allgemeine Hochschulreife vorweisen. Geht es nach Thomas Hoefling, darf sich dieser Wert gerne weiter steigern.

„Um die Zukunft zu gestalten, müssen wir dafür sorgen, dass die berufliche Bildung in gleichem Maße gefördert wird wie die Hochschulen. Denn unsere Wirtschaft und das Handwerk brauchen exzellent ausgebildete berufliche Fachkräfte. Das setzt zwingend voraus, dass handwerkliche und technische Berufe ebenso wie das Unternehmertum in jeder Schulart ihren Platz haben“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Es sei wichtig, dass in der gymnasialen Oberstufe die Berufsorientierung nicht nur ein Hochschulstudium im Blick habe, sondern immer auch die Möglichkeiten und Karrierechancen der beruflichen Aus- und Weiterbildung als adäquate Alternative zum Hochschulstudium vorstelle, so Thomas Hoefling.

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