Erwin-Schoettle-Platz

Aktivisten benennen nach deutschem Widerstandskämpfer benannten Platz um - und ernten Kritik

Das Straßenschild am Erwin-Schoettle-Platz in Stuttgart wurde mit „George-Floyd-Platz“ überklebt.
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Umstrittene Aktion: Das Straßenschild am Erwin-Schoettle-Platz in Stuttgart wurde überklebt.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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In Stuttgart haben Aktivisten auf dem stark frequentierten Erwin-Schoettle-Platz ein Schild mit dem Namen George Floyds angebracht. Einige halten die Aktion für verfehlt.

Stuttgart - Am Todestag von George Floyd haben Stuttgarter Aktivisten den Erwin-Schoettle-Platz umbenannt. Die Gruppe „0711 united“ brachte am 25. Mai auf einem der Straßenschilder des stark frequentierten Platzes in der Landeshauptstadt Stuttgart den Namen des durch Polizeigewalt verstorbenen Amerikaners an.

George Floyd war vor einem Jahr bei einem Polizeieinsatz im US-amerikanischen Minneapolis ums Leben gekommen. Ein weißer Polizist hatte mehr als neun Minuten lang mit vollem Körpergewicht auf seinem Hals gekniet.

„Uns ging es mit der Aktion darum, den Todestag von George Floyd im öffentlichen Raum sichtbar zu machen“, sagt ein Mitglied der Gruppe der Stuttgarter Zeitung. Rassismus und Polizeigewalt seien nach wie vor wichtige Themen. Ein Foto, das die Gruppe auf ihrem eigenen Instagram-Account veröffentlichte, erhielt - Stand 27. Mai - etwas mehr als 19.000 Gefällt mir-Angaben. „Auch ein Jahr später müssen wir weiter erinnern, weiter aufklären, weiter kämpfen“, schreiben die Autoren dazu.

Stuttgarter Aktivisten hatten bereits im vergangenen Jahr einen Platz umbenannt

Der Tod des Amerikaners beschäftigte die Landeshauptstadt bereits im vergangenen Jahr. Im Juni 2020 hatten Unbekannte über Nacht den Bismarckplatz in Stuttgart nach ihm umbenannt. In Folge der Black Lives Matter-Proteste entstand am Parkhaus Züblin im Stadtzentrum von Stuttgart außerdem ein Graffiti-Porträt von George Floyd.

Die Gruppe „0711 united“ sieht die zahlreichen Rückmeldungen auf Instagram als positive Bestätigung der Aktion. „Heslach ist ein Stadtteil mit einer langen antifaschistischen Geschichte, das wird schon gut angekommen sein“, sagt ein Gruppenmitglied der Stuttgarter Zeitung.

In den Kommentaren gab es aber auch kritische Töne. Einige Nutzer wiesen darauf hin, dass die Wahl auf den Erwin-Schoettle-Platz unglücklich sei. Schoettle war Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Von daher, so die Nutzer, wäre es angebrachter gewesen, einen anderen Namen in Stuttgart zu ersetzen.

Stuttgarter Aktivisten hatten auch an die Opfer von Hanau erinnert

„Wir haben den Platz nicht ausgesucht, weil wir etwas gegen Schoettle tun wollen“, heißt es vonseiten der Gruppe, die sich selbst auf den antifaschistischen Widerstand in Deutschland beziehe. Der Platz habe sich angeboten, da dort viel los sei. Es seien auch nicht alle Schilder überklebt worden, sondern nur eines.

Andere Instagram-Nutzer kritisieren darüber hinaus, dass es passender gewesen wäre, wenn die Namen der Opfer rassistischer Gewalt aus Deutschland verwendet würden. „Wie zum Beispiel Hamza-Kurtovic-Platz oder Said-Nesar-Hashemi-Platz“, schreibt ein Nutzer.

Beide Männer waren in Hanau 2020 neben neun weiteren Personen, überwiegend mit Migrationshintergrund, von einem Rechtsextremen ermordet worden. „Wir haben bereits im Februar eine Platzumbenennung in Gedenken an die Opfer aus Hanau gemacht“, antwortet die Gruppe. Die Plakate seien aber entfernt worden. Wie lange der Erwin-Schoettle-Platz der George-Floyd-Platz bleibt, ist unklar. „Die Stadt Stuttgart wird es wahrscheinlich wegmachen“, heißt es.

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