Ronald Pofalla

Stuttgart 21: Vorstand kündigt Abschied an - „Kompensiert in keiner Weise den Schaden, den er angerichtet hat“

Drohnenaufnahme vom Bahnprojekt Stuttgart 21
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Über den Fortschritt vom Bahnprojekt Stuttgart 21 informierte bislang Ronald Pofalla. Er kündigte nun seinen Abschied an.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Ronald Pofalla, der regelmäßig über den Fortschritt von Stuttgart 21 informierte, wird die Deutsche Bahn verlassen. Für Kritiker ist das keine Überraschung.

Stuttgart - Das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21*“ ist mit 8,2 Milliarden Euro bereits doppelt so teuer als geplant (BW24* berichtete). Kritiker gehen bereits davon aus, dass dies jedoch längst nicht reichen wird und die Deutsche Bahn bereits mit 10 Milliarden Euro* rechnet. Der 2010 begonnene Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs geht trotz der vielen Gelder allerdings eher schleppend voran.

Über den Fortschritt der Baumaßnahmen am Stuttgarter Hauptbahnhof* hatte bislang Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, informiert. Pofalla kündigte nun nach sieben Jahren seinen Abschied aus dem Unternehmen und somit auch aus dem Bahnprojekt an. Die Gegner von Stuttgart 21 haben anlässlich seines Abgangs kein gutes Wort für ihn übrig.

Für Gegner von Stuttgart 21 kommt Rücktritt des Vorstands nicht unerwartet

Ronald Pofalla verlasse die Deutsche Bahn nach eigenen Worten, um zu seinem „nächsten Lebensabschnitt aufzubrechen“. Um was es sich dabei handelt, verrät der Infrastrukturvorstand nicht. Für Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, war dies jedoch absehbar, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Es würde ins Bild passen, dass Pofalla aufgrund des „nicht zuletzt wegen Stuttgart 21 vermutlich verheerenden Jahreswirtschaftsberichts der DB zurücktritt“, so Poguntke.

Der Vertrag von Ronald Pofalla läuft eigentlich noch bis 2025. Eine Abfindung und eine Auszahlung für die verbliebene Amtszeit erhält er nicht. Diese Tatsache ist für den Sprecher des Aktionsbündnisses allerdings keine Wiedergutmachung für die Probleme von Stuttgart 21*. Es „kompensiert in keiner Weise den Schaden, den er im Zusammenhang mit Stuttgart 21 angerichtet hat“, meint er.

Kritiker von Stuttgart 21 erstatteten Anzeige gegen Ronald Pofalla

Im Jahr 2013 zeigte das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 Ronald Pofalla wegen Nötigung dreier Staatssekretäre im DB-Aufsichtsrat an. Die Kritiker warfen ihm vor, dass er diese dazu gedrängt habe, das Projekt gegen die Unternehmensinteressen fortzusetzen. Die Klage wurde jedoch fallen gelassen, da sich ein Vorsatz nicht nachwiesen ließ.

Die Gegner des Bahnprojekts werfen dem Vorstand vor, dass er während seiner Amtszeit als Kanzleramtsminister von 2009 bis 2013 unter Angela Merkel (CDU) stark für Stuttgart 21 geworben hatte, obwohl das Projekt damals bereits mit Kosten von 6,3 Milliarden Euro berechnet wurde. Schon zu dieser Zeit wäre das umstrittene Vorhaben in der Landeshauptstadt Stuttgart* für die Bahn unwirtschaftlich gewesen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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