BUND spricht von „Desaster“

Eine Milliarde teurer Bahn-Ausbau würde Fertigstellung von Stuttgart 21 um weiteres Jahr verzögern

Gäubahn
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Während der Bauphase des Pfaffensteigtunnels kommt es auf der Gäubahnstrecke zu erheblichen Einschränkungen.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Nach einem Treffen des Lenkungskreises zu Stuttgart 21 scheint der Ausbau der Gäubahn beschlossen. Doch er bringt Risiken, enorme Kosten und weitere Verzögerungen mit sich.

Stuttgart - Am Montag (2. Mai 2022) kamen die wichtigsten Partner des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21 zusammen, um über das weitere Vorgehen bei der Gäubahn und am Flughafen Stuttgart zu entscheiden. Die Atmosphäre bei dem Treffen des Lenkungsausschusses wird dabei wahrscheinlich weniger freundlich gewesen sein. Die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bahn und dem Land, sowie der Stadt und Region Stuttgart ist angespannt - immerhin geht es um viel Geld und Zeitdruck.

Stuttgart 21 fordert Zusage vom Bund für eine Milliarde teuren Gäubahn-Ausbau bis Juli

Eine große Herausforderung für die Partner von Stuttgart 21 stellt momentan noch der Anschluss des Flughafens an den Schienenfernverkehr aus der Schweiz dar. Die Lösung für das Problem ist der Bau des Pfaffensteigtunnels. Doch dieses Projekt ist mit einem hohen Risiko für die Bahn verbunden und wird weitere Jahre in Anspruch nehmen.

Nach einer fünfstündigen Debatte hatte sich der Lenkungskreis zu Stuttgart 21 darauf geeinigt, dass der Bau des Pfaffensteigtunnels beginnen solle - auch wenn vom Bundesverkehrsministerium dafür bisher die Zusage fehle. Die Partner setzen dem Bund die Pistole auf die Brust und fordern die Zustimmung für das Projekt bis Juli 2022.

Der Beginn des Baus des knapp eine Milliarde Euro teuren Paffensteigtunnels soll die Bahn aus Projektmitteln bezahlen. Durch die fehlende Finanzierungszusage durch den Bund ist dieses Vorgehen allerdings riskant. Dennoch sollen bereits jetzt kurze Stücke an die von der ICE-Strecke Stuttgart–Ulm zum Flughafenbahnhof abzweigenden Tunnel, die schon gebaut werden, integriert werden.

Fernbahnhof könnte wohl erst 2027 komplett in Betrieb genommen werden

Der elf Kilometer lange Tunnel könnte die Gäubahn unterirdisch unter den Fildern hindurchführen und am Flughafen in die geplante Fernbahnstation enden. Von dort aus können die Reisenden in der Zukunft weiter zum neuen Stuttgarter Tiefbahnhof Stuttgart 21 fahren.

Die Folge ist allerdings, dass dadurch der Fernbahnhof wohl erst 2027 komplett in Betrieb genommen werden könnte - jedoch müsste man für den späteren Tunnelbau keine Einschränkungen befürchten. Außerdem würde die Gäubahn während der andauernden Bauphase von sieben bis zehn Jahren schon in Stuttgart-Vaihingen enden - wer in die Innenstadt, zum Flughafen oder zum Hauptbahnhof kommen möchte, müsste also umsteigen.

Tunnelbau bei Stuttgart 21 sei „ein Desaster für den Schienenverkehr“

Die weiter in die Ferne rückende Fertigstellung von Stuttgart 21 durch den aufwendigen Bau des Pfaffensteigtunnels wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stark kritisiert. Der BUND spricht von einem „Desaster für den Schienenverkehr, auch für die Landesteile bis zum Bodensee“. Hinzu kommen die erneut gestiegenen Kosten für Stuttgart 21 auf mittlerweile rund 9,15 Milliarden Euro.

Auch das durch den BUND in Auftrag gegebene Gutachten des Passauer Jura-Professor Urs Kramer könnte im Lenkungskreis des Bahnprojekts in Baden-Württemberg für Ärger sorgen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete. Kramer kommt unter anderem zu dem Schluss, dass die Deutsche Bahn keine Genehmigung dafür hat, die Gäubahn über Jahre vom Stuttgarter Hauptbahnhof abzuhängen. Dafür müsste sie beim Eisenbahn-Bundesamt eine Stilllegung der Strecke und die Änderung der Planfeststellung für Stuttgart 21 beantragen.

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