Gutachten bestätigt

Stuttgart 21 verschlingt weitere Milliarden - Verzögerung der Fertigstellung nicht abwegig

Die Baustelle Stuttgart 21
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Ein Gutachten bestätigt, dass für den Bau von Stuttgart 21 weitere Milliarden gebraucht werden.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn wird sich Ende März mit einer Kostenerhöhung für Stuttgart 21 auseinandersetzen. Weitere Milliarden werden gebraucht.

Stuttgart - Am 30. März wird sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn mal wieder mit dem Großprojekt Stuttgart 21 auseinandersetzen. Beim Umbau des Hauptbahnhofs in Stuttgart, der 2010 begonnen hatte und mittlerweile doppelt so teuer ist als zu Beginn geplant, werden bis 2025 noch einmal mehr Kosten aufkommen.

Bereits Ende 2020 äußerte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn erste Zweifel, dass das Geld für den Bau nicht ausreichen könne und gab ein Gutachten bei den Wirtschaftsprüfern Pricewaterhouse Coopers (PwC) in Auftrag. Nach Abwägung von Chancen und Risiken rechnen diese nun mit Baukosten in Höhe von 9,15 Milliarden Euro.

Stuttgart 21: Rund 10 Milliarden Euro werden für Fertigstellung benötigt

Projektgegner von Stuttgart 21 hatten diesen Betrag, den die Wirtschaftsprüfer für realistisch halten, bereits seit längerem erwartet. Die Kritiker vermuten sogar, dass Stuttgart 21 mehr als 10 Milliarden Euro kosten werde und könnten damit recht behalten. Denn bei den genannten 9,15 Milliarden Euro hat PwC keinen Risikopuffer mit einberechnet. Bisher musste die Bahn bei dem Projekt am Hauptbahnhof Stuttgart allerdings immer auf einen solchen Puffer zurückgreifen.

Mit einem solchen würde Stuttgart 21 auf 9,65 Milliarden Euro kommen - vorausgesetzt, das Projekt würde wie geplant 2025 fertiggestellt werden. Das wäre das „Best-Case-Szenario“, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Bei einem Abschluss Ende 2026 würde wohl die Grenze von zehn Milliarden Euro überschritten werden. Hinzu könnten als Folge des Ukraine-Kriegs Preissteigerungen auf dem Rohstoff- und Baustoffmarkt kommen. Diese Aspekte seien von PwC jedoch nicht berücksichtigt worden.

Verzögerung der Fertigstellung von Stuttgart 21 ist nicht abwegig

Zuletzt stieß man bei den Bauarbeiten von Stuttgart 21 an die „Grenzen des Baubaren“. Mit der 20. von insgesamt 28 Kelchstützen wurde ein sogenannter „Sonderkelch“ in Angriff genommen, der später einmal den Nordeingang am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz sein und eine Glaskuppel tragen wird. Die Arbeiten an den Kelchstützen seien ohnehin zeitkritisch und aufwendig - eine weitere Verzögerung des gesamten Bauprojekts deshalb nicht abwegig.

Weitere wichtige Bauschritte wären laut dem Gutachten von der Bahn ebenfalls noch nicht in Auftrag gegeben, wie beispielsweise der Abstellbahnhof in Untertürkheim. Hier wurde zunächst der Planfeststellungsbeschluss beendet. Damit begann gleichzeitig eine Frist von vier Wochen, um Klage gegen das Vorhaben einzureichen. Die Klagen könnten den Bau des Abstellbahnhofs wesentlich verzögern.

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