Bahnprojekt Stuttgart-Ulm

Verstecktes Loch: Absurde Theorie zu Stuttgart 21 verbreitet sich - „Etwas spielte sich unter der Oberfläche ab“

Bauarbeiter von Stuttgart 21 laufen im Tunnel zu einem Nachläufer der Tunnelbohrmaschine, die im Fildertunnel nach Vollendung der Bohrungen abgebaut wird.
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An der Oberfläche Nahe des Hauptbahnhofs Stuttgart 21 soll ein großes Baustellen-Loch entstanden und bald darauf wieder zugeschüttet worden sein (Symbolbild).
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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In der Nähe des Hauptbahnhofs in Stuttgart soll es ein riesiges Baustellen-Loch gegeben haben. Dessen Entstehung und Schließung ruft jetzt wilde Verschwörungstheorien auf den Plan.

  • Ein mysteriöses Baustellen-Loch in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs sorgt für allerhand Verschwörungstheorien.
  • Die Baustelle soll unter anderem mit den Ausschreitungen in Stuttgart in Verbindung stehen.
  • Typisch für solche Theorien: Es gibt weder Belege für ein Loch, noch für den Zusammenhang zu den Ausschreitungen.

Stuttgart - Das Mega-Projekt Stuttgart 21 erlebt regelmäßig Höhen und Tiefen. Zuletzt konnte Olaf Drescher, neuer Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH, auf der neuen Filstalbrücke wieder von Erfolgen berichten: Die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist zu 90 Prozent fertig. Die Auswirkungen der Stuttgart 21-Neubaustrecke werden früher spürbar sein, als erwartet. Künftig werden in der Stunde drei ICEs die Strecke zurücklegen und 15 Minuten Fahrtzeit einsparen.

Immer wieder gibt es aber auch Proteste gegen Stuttgart 21. Viele sind mit dem Bahnprojekt grundsätzlich nicht einverstanden, einige kritisieren nur bestimmte Vorgehensweisen. Selbst der Erfinder von Stuttgart 21 machte unlängst ein fatales Geständnis. Mitunter schlägt die Kritik an Stuttgart 21 aber auch ins Absurde um. Das Bahnprojekt bietet auch Verschwörungstheoretikern einen geeigneten Nährboden.

Baustellen-Loch von Stuttgart 21: Wenig Fakten und viel Raum für Spekulation bereiten Verschwörungstheorien den Boden

Jüngstes Beispiel ist ein Beitrag des Portals Metropolnews. In dem Artikel „Tunnelbau in Stuttgart 21? Und plötzlich ist die Baustelle weg“ geht es um eine angebliche Stuttgart 21-Baustelle. Der dubiose Beitrag ist eines der ersten Ergebnisse, das man bei Google-News zu Stuttgart 21 findet. Zudem wurde er vielen Verschwörungsseiten in den sozialen Netzwerken geteilt.

Die Baustelle - ein Loch mit sieben bis acht Metern Durchmesser - befände sich „im Bereich des Bahnhofs“, Metropolnews habe Hinweise darüber bekommen. In dem Artikel gibt es zwar Bilder der Baustelle, wo genau sich diese befinden soll, bleibt aber offen.

Geht es nach Metropolnews, „erscheint der gesamte Bahnhofsbau und die jahrelangen Verzögerungen“ wegen dieses Lochs bei Stuttgart 21 „in einem anderen Licht“. Laut Metropolnews hätten Anwohner von dumpfen Geräuschen und Explosionen aus dem Boden berichtet. Für Metropolnews ist diese Baustelle Anlass zu Fragen: „War der Bahnhof ein Cover für etwas, was sich tief unter der Oberfläche abspielte?“

Mysteriöse Stuttgart 21-Baustelle: Was hat das Loch mit den Ausschreitungen in Stuttgart und dem Coronavirus zu tun?

Typisch für Verschwörungstheorien liefert der Beitrag des Portals Metropolnews zu Stuttgart 21 nur wenig Antworten - stattdessen werden Fragen offen gelassen und Andeutungen gemacht. Für was der Bahnhof Stuttgart 21 ein Cover gewesen sein soll und was sich möglicherweise unter der Oberfläche abspielte, bleibt unbeantwortet.

Metropolnews zitiert zu der Baustelle im Rahmen von Stuttgart 21 verschiedene „Menschen“, ohne darauf einzugehen, wer sie sind. Diese hätten beobachtet, wie „Arbeiter aus dem Balkan“ das Loch Anfang Juni zuschütteten. Davor war das Loch natürlich mit einem Sichtschutz und Containern umstellt, sodass man nie genau sehen konnte, was dort vor sich gehe. Eine zitierte Person bringt das Baustellen-Loch dann auch noch mit dem Coronavirus in Verbindung: „Als das angebliche Virus hier ausbrach und wir hatten die Kontaktsperre samt Lockdown, erschienen plötzlich Baufahrzeuge.“

Da könne es auch kein Zufall sein, dass - laut den zitierten Personen - auch bei den Ausschreitungen in Stuttgart Menschen aus dem Balkan involviert gewesen seien. Fakt ist: Mindestens zwölf der Festgenommenen waren deutsche Staatsbürger. Nur einer hatte die kroatische, ein anderer die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft.

Verschwörungstheorie um Stuttgart 21: War das Loch vielleicht doch einfach nur eine Baustelle?

Für das Portal Metropolnews ist angesichts der Beobachtungen rund um die Baustelle in Kombination mit der jahrelangen Bauzeit von Stuttgart 21 klar, dass etwas vertuscht werden sollte. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Verzögerungen an der Oberfläche dazu dienten, um die Bauarbeiten im Untergrund zu decken und unangenehme Fragen zu verhindern“, heißt es in dem Artikel.

Was die Autoren bei ihrer Verschwörungstheorie außer Acht lassen: Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Hauptbahnhof zu einem Tiefbahnhof umgebaut. Es entstehen neue Tunnel, die Gleise werden in den Untergrund verlegt. Das Areal um den Bonatzbau ist ein einziges, gigantisches Loch und die Tunnel brauchen sowohl Notausgänge, als auch Abluftschächte - die natürlich bis an die Oberfläche reichen. Bei den Arbeiten kommen riesige Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz, die einen Höllenlärm veranstalten.

Sollte es das mysteriöse Loch also tatsächlich auf der Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21 gegeben haben, gibt es ausreichend Rechtfertigungen für dessen Existenz. Aber auch sonst verläuft in modernen Städten heute so einiges im Untergrund: Abwasserleitungen oder Stromkabel zum Beispiel, die ab und an auch erneuert werden müssen - Baustellen-Löcher inklusive.

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