1. bw24
  2. Stuttgart

Streit bei Stuttgart 21: Bahn-Chef ärgert sich über „teils inkorrekte“ Aussagen des Verkehrsministers

Erstellt:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Dach des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs mit Lichtaugen.
Der Landes-Bahn-Chef zeigte sich in einem Brief verwundert über die Aussagen von Verkehrsminister Winfried Hermann über Stuttgart 21. © Arnulf Hettrich/IMAGO

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann äußerte einige Zweifel über Stuttgart 21 und zog damit den Ärger des Landes-Bahn-Chefs auf sich.

Stuttgart - Als sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zuletzt zum Großprojekt Stuttgart 21* der Deutschen Bahn äußerte, hatte er wenig zu berichten, was den Menschen in der Landeshauptstadt Stuttgart Hoffnung machen könnte. Er hält die Fertigstellung des Bahnprojekts im Jahr 2025 für unrealistisch. Mehrere Aspekte würde dazu beitragen.

Hinzu kommt eine Klage der Deutschen Bahn. Baden-Württemberg soll für die Mehrkosten in Milliardenhöhe aufkommen, die durch Stuttgart 21 entstanden sind. Hermann verurteilte diese Forderung in einem Interview als „unvorstellbar und geradezu absurd“*. Auf dieses Interview reagiert nun auch der Landes-Bahn-Chef und kritisierte den Verkehrsminister für seine Aussagen scharf.

Stuttgart 21: Bahn-Chef von Baden-Württemberg ärgert sich über „teils inkorrekte“ Aussagen

In einem siebenseitigen Brief, den er an die Mitglieder des Lenkungskreises von Stuttgart 21 verschickte, äußerte sich Thomas Krenz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, verärgert über die Aussagen von Verkehrsminister Hermann. Krenz zeige „Verwunderung“ und spreche außerdem von „teils inkorrekten“ und in einen „sachlich unzutreffenden Zusammenhang gerückte“ Aussagen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Thomas Krenz bestätige zwar ebenfalls, dass Stuttgart 21 „anders fertig, als ehedem geplant“ werde, aber dies von Vorteil wäre. Damit wären Ergänzungen und ein höherer Nutzen verbunden sowie viele Verbesserungen für die Reisenden am Hauptbahnhof Stuttgart* inbegriffen. Darüber hinaus stellt der Landes-Bahn-Chef klar, dass bei Böblingen-Goldberg kein Engpass durch die Anbindung des neuen Gäubahntunnels an die bisherige Gäubahnstrecke entstehen werde. Herrmann merkte im Interview an, dass hier Ergänzungsstationen erforderlich seien, um einen Engpass zu vermeiden. Ebenso wenig, wie vom Verkehrsminister angenommen, würden Krenz zufolge Beschränkungen am Flughafen Stuttgart* entstehen.

Der Bahn-Chef versicherte auch, dass der Abstellbahnhof in Untertürkheim rechtzeitig gebaut werde. Hier wurde befürchtet, dass durch Klagen der Bau des Abstellbahnhofs von Stuttgart 21 verzögert werden (BW24* berichtete) könnte. Der Verkehrsminister sprach sogar davon, dass er dort gar nicht entstehen werde.

Auch CDU und FDP kritisieren Verkehrsminister Hermann

Für Verkehrsminister Winfried Hermann hagelt es für seine Aussagen auch Kritik aus den Reihen der Politik in Baden-Württemberg*. Hans Dieter Scheerer, der nahverkehrspolitische Sprecher der FDP im Landtag, zeigte kein Verständnis dafür, dass Hermann erneut die Ergänzungsstation thematisiere. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß schoss dagegen und kritisierte, dass Hermann nicht länger Fortschrittsprojekte blockieren solle.

Über einen wesentlichen Konfliktpunkt wird am 2. Mai entschieden. Dann soll festgelegt werden, ob die Baufirma, die für den Flughafen-Bahnhof tätig ist, die Anschlusstelle für den Gäubahntunnel gleich mitbauen soll. Eine Verschiebung würde einen Baustopp bedeuten, der „Konsequenzen für den Terminplan“ hätte. Verkehrsminister Hermann möchte darüber Informationen haben, bevor ein neues, milliardenteures Tunnelprojekt gestartet werde, bei dem nicht sichergestellt sei, dass der Tunnel vom Bund finanziert werde, dieser überhaupt einen Mehrwert habe und dessen Betrieb im Schienennetz funktioniere. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare