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Russischer Oligarch profitiert von Stuttgart 21 - „Mich wundert bei diesem Katastrophenprojekt gar nichts mehr“

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Von: Nadja Pohr

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Arbeiter auf der Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21
Durch die Baufirma Züblin soll ein russischer Oligarch von Stuttgart 21 profitieren. © Arnulf Hettrich/IMAGO

Die Skandale um Stuttgart 21 reißen nicht ab. Nun wurde bekannt, dass ein russischer Oligarch vom Bahnprojekt profitieren soll. Im Netz gibt es dafür Spott.

Stuttgart - Der Ukraine-Krieg macht sich auch in der Wirtschaft in Baden-Württemberg* bemerkbar. Nicht nur der Autoindustrie bereitet der Angriff auf die Ukraine große Sorgen (BW24* berichtete), auch bei Kaufland, Lidl und Co. werden Lebensmittel bereits knapp und teuer*. Nun scheint auch das Bahnprojekt Stuttgart 21* von den Auswirkungen betroffen zu sein.

Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Stuttgart 21 weitere Milliarden Euro verschlingen wird*. Ein Gutachten, das vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn in Auftrag gegeben wurde, bestätigte die Vermutungen vieler Kritiker: Nach erneuten Berechnungen liegen die Baukosten bei 9,15 Milliarden Euro. Die baden-württembergische Baufirma Züblin ist bei dem Bauprojekt am Hauptbahnhof Stuttgart* der größte Auftragnehmer. Für Aufsehen sorgt nun, dass von Züblin mittelbar ein russischer Oligarch profitiert.

Russischer Oligarch profitiert über Baufirma Züblin von Stuttgart 21

Die Unternehmensstrukturen geben Aufschluss über die Beteiligung des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Die Baufirma Züblin gehört zum österreichischen Baukonzern Strabag SE. Drittgrößter Aktionär von Strabag ist die russische Firma Rasperia Trading Limited - an dieser hat der Oligarch knapp 50 Prozent der Anteile, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Oleg Deripaska galt früher als Putin-nah und wurde daher vom Westen immer wieder mit Sanktionen belegt.

Für die Menschen in Stuttgart ist Stuttgart 21 ohnehin bereits zu einer Lachnummer geworden. „Wäre ja auch fast ein Wunder, wenn dieses Projekt so einen Skandal auslassen würde“, kommentiert ein Nutzer in den sozialen Medien die neuen Erkenntnisse. „Mich wundert bei diesem Katastrophenprojekt inzwischen gar nichts mehr“, meint ein anderer darauf nur. Ein weiterer User fordert, das Projekt aufgrund der Verbindung zu dem russischen Oligarchen sofort einzustellen. Dass durch diese Verbindung wieder neue Proteste gegen Stuttgart 21* aufkommen, befürchtet ein User: „Na dann haben die Gegner wieder Rückenwind.“

Strabag und Züblin treffen Maßnahmen gegen russischen Oligarchen

Der russische Oligarch Oleg Derpaska hatte sich zuletzt zwar klar distanziert und ein Ende der Kämpfe in der Ukraine gefordert, die Baufirmen Strabag und Züblin ergreifen dennoch Maßnahmen gegen ihn. Die Privatstiftung der Familien Haselsteiner, zweitgrößter Aktionär von Strabag, kündigte den Syndikatsvertrag mit der Rasperia Trading. Zuvor versuchte man, die russischen Anteile an sich zu ziehen - ohne Erfolg.

Die Deutsche Bahn will sich zu den Verknüpfungen nicht äußern. Man würde sich grundgesetzlich nicht zu Vertragsinhalten äußern. Das Strabag-Management hingegen kündigte an, alles rechtlich Mögliche zu tun, „um Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Unter anderem werde der russische Anteilseigner keine Dividende erhalten. Der russische Oligarch hat auf die Schritte bisher nicht reagiert. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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