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Stuttgart 21: Seit zehn Jahren protestieren die Gegner – und kassierten nun bitteren Spott von der Regierung

  • Julian Spies
    vonJulian Spies
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Zehn Jahre nach der ersten Demonstration gegen Stuttgart 21 versammeln sich die Gegner des Bahnprojekts noch immer. Nun müssen sich die Demonstranten Spott gefallen lassen.

  • Vor zehn Jahren begannen die Montagsdemonstrationen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21.
  • Bereits zum 500. Mal haben die Gegner von Stuttgart 21 jetzt zum Protest gegen den Tiefbahnhof aufgerufen.
  • Nun müssen sich die Teilnehmer der Protestaktionen Spott von der Landesregierung anhören

Stuttgart - Beim „runden Protest“ gegen Stuttgart 21 am Montag, der jetzt zehn Jahre nach der ersten sogenannten Montagsdemonstration angesagt war, kamen mehrere Hundert Demonstranten zusammen. Sie zeigten auch nach der langen Zeit der Proteste deutlich ihre Ablehnung gegen das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm.

Ort des Geschehens war einmal mehr der Platz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Reihe der Montagsdemos gehört zu den am längsten andauernden Bürgerprotesten wesentlichen Umfangs in Deutschland. Obwohl die Baumaßnahmen von Stuttgart 21 trotz Verzögerungen weit fortgeschritten sind und die Innenstadt seit Jahren von der Großbaustelle geprägt wird, geben die Gegner des Bahnprojekts noch nicht auf.

Stuttgart 21: Gegner des Bahnprojektes kassieren Spott von der Landesregierung

Andernorts stößt die andauernden Proteste gegen Stuttgart 21 nur noch auch wenig Verständnis. Von Seiten der Landesregierung klingen die Reaktionen auf die immer noch fortgeführten Protestaktionen mehr wie Hohn. So zum Beispiel die Äußerungen von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu dem Protest-Jubiläum.

Winfried Hermann sagte im Vorfeld der Stuttgart-21-Proteste: „Soviel Durchhaltevermögen! Respekt!“ Eine Aussage, für die man dem Verkehrsminister bereits eine bitterböse Ironie unterstellen könnte. Und dann schickte Winfried Hermann hinterher, dass er die Motivation der Demonstranten angesichts des fortgeschrittenen Baus des Bahnprojekts „nur begrenzt“ nachvollziehen könne.

Bei einem Wasserwerfer-Einsatz gegen Demonstranten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 wurde der Rentner Dietrich Wagner im September 2010 schwer verletzt.

Stuttgart 21: Gegner zahlten bei Protesten einen hohen Preis

Zu ersten kleinen Kundgebungen gegen Stuttgart 21 war es im Oktober 2009 gekommen. Wenige Monate später, im Sommer 2010 gingen schon Zehntausende Gegner von Stuttgart 21 auf die Straße. Unvergessen ist als dramatischer und trauriger Höhepunkt der „schwarze Donnerstag“. Mehr als 160 Menschen wurden nach offiziellen Angaben an diesem Demo-Tag verletzt.

Am Tag vor der 500. Montagsdemo hatte auch die Bahn - der erklärte Gegner der Stuttgart-21-Demonstranten - einen runden Jahrestag gefeiert. Denn: Vor zehn Jahren rollten die ersten Bagger für den damaligen Baustart des Projekts an.

Positive Nachrichten: Deutsche Bahn sorgt mit Drohnenvideo für Aufsehen

Wegen der zahlreichen Proteste bemüht sich die Deutsche Bahn, positive Nachrichten zum Fortschritt des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm in den Fokus zu rücken. Ende April veröffentlichten sie auf YouTube ein Video, in dem eine Drohne filmt, was der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb. Die beeindruckenden Aufnahmen, die mithilfe einer Renndrohne gelangen, zeigt den bisherigen Fortschritt des Tiefbahnhofs mitten in Stuttgart.

 

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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