„Eisenbahnknoten Stuttgart 2040“

Wird Stuttgart 21 nie fertig? OB Nopper warnt vor Plänen der Regierung

  • Julian Baumann
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Die neue Landesregierung von Baden-Württemberg beschloss einen „Zusatzbahnhof“ zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 - laut OB Frank Nopper wird die Stadt dabei übergangen.

Stuttgart - Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21, dass den Eisenbahnknoten der Landeshauptstadt Stuttgart mit elf neuen unterirdischen Strecken erweitern soll, befindet sich seit über zehn Jahren im Bau. Seit dem Start im Februar 2010 wurde die Vollendung des Projektes mehrfach verschoben. Laut dem aktuellen Stand soll Stuttgart 21 nun aber im Jahr 2025 endlich vollendet werden. Aus dem bisherigen Hauptbahnhof Stuttgart, einem sogenannten Kopfbahnhof, soll im Rahmen des Projektes ein Tiefenbahnhof werden. Das ist der neuen Landesregierung von Baden-Württemberg jedoch nicht genug. Die grün-schwarze Koalition will das umstrittene Projekt um einen „Zusatzbahnhof“ erweitern.

Mit der Entscheidung der Landesregierung in Bezug auf das Bahnprojekt Stuttgart 21 sind nicht alle einverstanden. Gegen den geplanten Zusatzbahnhof legte Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) bereits ein Veto ein. Die Erweiterung wurde im Koalitionsvertrag von Grüne und CDU aber dennoch beschlossen. Der OB befürchtet durch den Zusatzbahnhof nun eine weitere Verzögerung der Fertigstellung von Stuttgart 21. Die Stadt Stuttgart sei bei der Entscheidung völlig übergangen worden.

Stuttgart 21: Landesregierung beschließt Initiative „Eisenbahnknoten Stuttgart 2040“

Auf der Baustelle zwischen dem bisherigen Hauptbahnhof und dem Planetarium in Stuttgart wird seit Langem fleißig an der Fertigstellung des Bahnprojektes Stuttgart 21 gearbeitet. Seit dem Baustart beziehungsweise der ersten offiziellen Vorstellung des Projektes im Jahr 1994 sind die Kosten mehrfach deutlich gestiegen. Nun soll das Projekt im Jahr 2025 endlich fertiggestellt werden. In Bezug auf die lange Bauzeit entbrannte eine hitzige Diskussion über die Notwendigkeit von Stuttgart 21 bei der letztendlichen Vollendung. Die „Grenze der Leistungsfähigkeit“ sei schon bei der Fertigstellung erreicht, hieß es kürzlich. Deshalb einigte sich die Landesregierung auf einen Zusatzbahnhof als Ergänzung zu dem Projekt.

Im Rahmen der Initiative „Eisenbahnknoten Stuttgart 2040“ soll das Bahnprojekt Stuttgart 21 also um einen Zusatzbahnhof erweitert werden, berichtet das Schwäbische Tagblatt. „Dabei geht es darum, mit Blick auf die Klimaziele für eine leistungs- und zukunftsfähige Infrastruktur im Eisenbahnknoten Stuttgart zu sorgen“, erklärt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Neben dem Zusatzbahnhof sind im Rahmen der Initiative sogar noch weitere Ergänzungen zu Stuttgart 21 vorgesehen. Die Koalitionsparteien einigten sich beispielsweise auch auf den Bau eines Gäubahntunnels zwischen Böblingen und dem Flughafen Stuttgart. Damit soll die Fahrtzeit zwischen Stuttgart und Zürich soweit verkürzt werden, dass sie mit dem geplanten Deutschland-Takt kompatibel ist.

Erweiterung für Stuttgart 21: OB Nopper kritisiert Koalitionsvertrag

In dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung heißt es in Bezug auf Stuttgart 21, man setze auf eine „zeitnahe Umsetzung der Planungen und der Finanzierung durch den Bund“, wie das Schwäbische Tagblatt berichtet. Dazu strebe man eine Verständigung mit der Stadt Stuttgart und dem Verband Region Stuttgart, sagte Winfried Herrmann. Aus dem Stuttgarter Rathaus regt sich jedoch Widerstand gegen die Entscheidung. Oberbürgermeister Frank Nopper befürchtet, dass die Ergänzungen dazu führen könnten, dass die Stadt die Bebauung des heutigen Gleisfelds „erheblich verzögern“ könnte. Seit der Überlegung des Baus eines Zusatzbahnhofs gibt es Spannungen zwischen der Stadt und dem Land.

Durch die geplanten Erweiterungen des Bahnprojektes Stuttgart 21 könnte sich die Fertigstellung des umstrittenen Projektes demnach noch weiter verzögern. Frank Nopper kritisiert den Koalitionsvertrag als „Vertrag zulasten Dritter“, wie das Schwäbische Tagblatt berichtet. „Das Land scheint die Rechnung ohne den Wirt machen zu wollen“, sagt der Oberbürgermeister und verweist auf die Pflicht zur Einhaltung der bereits geschlossenen Verträge zwischen der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sina Schuldt/dpa

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