Große Wendlinger Kurve

Neue Entscheidung zu Stuttgart 21 zeigt, wie verzweifelt die Regierung ist

Die kleine Wendlinger Kurve verbindet bei Wendlingen am Neckar die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm mit der Bestandsstrecke Plochingen–Tübingen
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Streckenabschnitt von Stuttgart 21: Die große Wendlinger Kurve verläuft parallel zur kleinen Kurve (im Bild) - sie soll mehr kosten, als eigentlich geplant.

Die Kosten von Stuttgart 21 steigen einmal mehr. Ein Abschnitt der Neubaustrecke vom Tiefbahnhof nach Ulm wird deutlich teurer, als geplant.

  • Die große Wendlinger Kurve, ein Teilabschnitt von Stuttgart 21, wird teurer als ursprünglich geplant.
  • Grund dafür sind steigende Kosten in der Bauwirtschaft für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm und die planmäßige Inbetriebnahme der Neubaustrecke.
  • Die große Wendlinger Kurve verbindet die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm mit der Neckartalbahn.

Stuttgart/Ulm - Die Kosten für das Stuttgart 21 steigen weiter. Auch ein Abschnitt der Neubaustrecke vom neuen Tiefbahnhof nach Ulm wird laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) deutlich teurer, als ursprünglich geplant. Der zweigleisige Bau der sogenannten Großen Wendlinger Kurve koste demnach 23 Millionen Euro mehr, als es die Planung aus dem Jahr 2018 für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm noch vorsah. „Das Land wird diese Mehrkosten übernehmen“, teilte das Verkehrsministerium am Mittwoch in der Landeshauptstadt Stuttgart mit.

Diese Entscheidung zeigt, wie sehr die Verantwortlichen des Großprojekts unter Druck stehen. Sie müssen die ohnehin schon horrenden Kosten von Stuttgart 21 anheben, um die Fertigstellung nicht noch weiter zu verzögern. „Eine erhebliche Rolle spielt auch, dass sichergestellt werden muss, dass die Arbeiten an der Großen Wendlinger Kurve zu keinen Verzögerungen bei der Neubaustrecke führen“, so das Verkehrsministerium zur dpa. Die gestiegenen Kosten und unvorhergesehene Hindernisse hatten den Baufortschritt anderer Abschnitte des Bahnprojektes Stuttgart-Ulm wiederholt verzögert.

Kosten für Stuttgart 21: Auch Kosten für die Wendlinger Kurve zum Tiefbahnhof sind höher

Die zu Stuttgart 21 gehörige Strecke soll planmäßig im Dezember 2022 in Betrieb genommen werden, weshalb zusätzliches und auch größeres Gerät für den Bau eingesetzt und der Personalaufwand erhöht werde. Weiterer Kostenfaktor für den Abschnitt des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm sei die derzeit stark ausgelastete Bauwirtschaft. Dadurch seien Planungsleistungen, Subunternehmerdienste und allgemein die Baukosten teurer geworden. Zudem sei momentan die Materiallieferung schwerer und dadurch ebenso mit höheren Kosten verbunden.

Für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sind höhere Kosten leider keine neue Entwicklung. Stuttgart 21 sollte ursprünglich 4,526 Milliarden Euro kosten. Seitdem wurde das Projekt immer teurer, inzwischen rechnen Experten mit 8,2 Milliarden Euro für Stuttgart 21, andere Quellen fürchten sogar Gesamtkosten von 10 Milliarden Euro für den Tiefbahnhof und die dazugehörigen Streckenumbauten. Die Kostenexplosion ist allerdings nur einer der Gründe, die immer wieder zu Protesten gegen Stuttgart 21 geführt haben. Das Bahnprojekt soll den Verkehr in Stuttgart schneller und effizienter machen.

Zuletzt hatte die Deutschen Bahn versucht, mit positiven Nachrichten die Kritiker von Stuttgart 21 zu überzeugen. So zeigte eine Drohne beeindruckende Aufnahmen des Tiefbahnhofs, die der Öffentlichkeit bislang verborgen blieben. Ende Mai öffnete zudem der InfoTurmStuttgart, der über das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm aufklärt. Auch mit diesem 3,4 Millionen Euro teuren Projekt will die Deutsche Bahn Kritiker von Stuttgart 21 besänftigen. Zuletzt konnten die Verantwortlichen mit dem Durchbruch des Fildertunnels einen neuen Meilenstein feiern. Der Fildertunnel verbindet den Tiefbahnhof mit der Filderebene.

Teil des Projekts Stuttgart 21: Große Wendlinger Kurve als Verbindung zwischen Tiefbahnhof, Neubaustrecke und Neckartalbahn

Die große Wendlinger Kurve hingegen verbindet als Teil des Projekts Stuttgart 21 die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm mit der Neckartalbahn, die von Stuttgart nach Tübingen fährt. Zunächst war der neue, knapp zwei Kilometer lange Bahnabschnitt bei Wendlingen nur eingleisig vorgesehen. Das Verkehrsministerium fürchtete dadurch einen Engpass im Schienennetz von Stuttgart 21. Die Partner des Bahnprojektes Stuttgart-Ulm einigten sich auf ein zweites Gleis, das eine kreuzungsfreie Abzweigung und eine Ausweitung des Angebots erlaubt. „Der zweigleisige Ausbau der Wendlinger Kurve wird eine zukunftsfähige Anbindung zum Neckartal sicherstellen. Ein Engpass wird hierdurch vermieden“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann 2019 die Entscheidung.

Die Kostenerhöhung ist auch für die große Wendlinger Kurve nicht die erste. 2017 rechnete eine Studie noch mit Kosten von rund 75 Millionen Euro für den Streckenabschnitt von Stuttgart 21. Bei der schlussendlichen Verabschiedung des Projektes im November 2018 waren die Kosten bereits auf geschätzte 100 Millionen Euro angewachsen. Mit der jüngsten Erhöhung würde die große Wendlinger Kurve letztlich fast 125 Millionen Euro kosten.

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