Das kostet das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm

Kosten von Stuttgart 21: Mega-Projekt soll 8,2 Milliarden Euro verschlingen

  • Lisa Schönhaar
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Die Kosten für Stuttgart 21 sind seit 2009 immer weiter angestiegen. Statt der ursprünglichen 4,5 Milliarden Euro sprechen Experten nun von mehr als 8 Milliarden Euro.

  • Stuttgart 21 sollte ursprünglich 4,526 Milliarden Euro kosten.
  • Aufgrund von steigenden Baukosten, Komplikationen und dem Wunsch nach einem finanziellen Puffer sind die Kosten für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm seit 2009 immer weiter angestiegen.
  • Seit 2018 gehen Experten von 8,2 Milliarden Euro aus, wobei andere Quellen die Baukosten für den Tiefbahnhof und das Gesamtprojekt mit bis zu 10 Milliarden Euro ansetzen.

Stuttgart - Schon seit im Jahr 1994 beschlossen wurden, dass Stuttgart mit dem Projekt Stuttgart 21 einen neuen, unterirdischen Tiefbahnhof bekommen soll, ist die Finanzierung ein kontroverses Thema. Als 2009 die konkrete Planung des Bauvorschlags von Stuttgart 21-Architekt Christoph Ingenhoven begann, wurden Kosten in Höhe von 4,526 Milliarden Euro für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm anvisiert.

Die Kosten für Stuttgart 21 teilen sich die Deutsche Bahn, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart, die Region Stuttgart sowie der Flughafen Stuttgart. Schon wenige Jahre später, Ende 2012, wurden die Kosten für das Verkehrs- und Städtebauprojekt auf 4,696 Milliarden aufgestockt. Als Gründe gab die Deutsche Bahn zusätzliche Risiken und externe Einflussfaktoren an. Im März 2013 beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, den Finanzierungsrahmen für Stuttgart 21 und den Tiefbahnhof auf 6,526 Milliarden Euro anzuheben. Aufgrund von Konflikten zwischen den Projektpartnern und der Frage nach der Bezahlung der Mehrkosten stand das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zu diesem Zeitpunkt auf der Kippe.

Stuttgart 21: Die Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm mit den künftigen Gleisen des Tiefbahnhofs.

Dennoch geht der Bau weiter - unter regelmäßigen Protesten der Gegner von Stuttgart 21. 2017 ergaben neue Berechnungen Gesamtkosten von 7,6 Milliarden, im Jahr 2018 wurde die Summe auf 8,2 Milliarden Euro angehoben.

Stuttgart 21: Gründe für die explodierenden Kosten des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm

Die Gründe für die stetig ansteigenden – manche Quellen sagen sogar „explodierenden“ – Kosten von Stuttgart 21 liegen unter anderem an den hohen Preisen für Baumaterialien, an Verzögerungen im Planungsverfahren für den Tiefbahnhof und an Aufwendungen für den Artenschutz. Letztere sind jedoch mit nur etwa 15 Millionen für den Schutz von Eidechsen und Juchtenkäfern relativ gering.

Ein weiterer Grund für die hohen Kosten des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm sind Komplikationen beim Fildertunnel, der den Tiefbahnhof mit der Filderebene verbinden soll. Auch muss der historische, noch bestehende Hauptbahnhof weiter betrieben werden. Seit Anfang 2020 wird die Bahnhofshalle im Zuge von Stuttgart 21 renoviert, was weitere Kosten mit sich bringt. Auch die mit dem neuen Durchgangsbahnhof zusammenhängende Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist teurer als geplant.

Aktuelle Prognosen für die Kosten von Stuttgart 21 beruhen unter anderem auf Gutachten von PwC und Emch+Berger. Die Wirtschaftsprüfungsunternehmen geben ebenfalls gestiegene Baupreise, Probleme mit dem Baugrund sowie den Wunsch nach Finanzpuffern als Gründe für die gestiegenen Kosten beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm an. Zudem betonen sie, dass es wirtschaftlicher sei, Stuttgart 21 fortzuführen, als das Verkehrs- und Städtebauprojekt abzubrechen.

Stuttgart 21: Aktuelle Schätzungen der Kosten des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm

Im Jahr 2018 gab die Deutsche Bahn an, dass die aktuellen Kosten für Stuttgart 21 bei 7,7 Milliarden Euro lägen. Ein „Puffer“ von etwa 500 Millionen Euro wurde hinzugerechnet, sodass der Gesamtpreis für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm nun offiziell bei 8,2 Milliarden Euro liegt. Die 500 Millionen Euro sollen unvorhergesehene Ereignisse abdecken. Experten nennen für den Tiefbahnhof und das Gesamtprojekt sogar noch höhere Zahlen, die Gesamtkosten zwischen 9 und 10 Milliarden Euro für das Verkehrs- und Städtebauprojekt veranschlagen.

Nach wie vor ist nicht klar, wer die Mehrkosten für Stuttgart 21 tragen soll. Die Aufsichtsräte der jeweiligen Unternehmen stehen in der Verantwortung, wirtschaftlichen Schaden von ihrem Unternehmen abzuwenden. Daher ist absehbar, dass im Zweifelsfall die öffentlichen Institutionen die höheren Kosten für den neuen Tiefbahnhof in Stuttgart übernehmen müssen.

Darüber hinaus kündigte die Deutsche Bahn an, dass der Eröffnungstermin für Stuttgart 21 später sei als geplant. Ursprünglich sollte der neue Tiefbahnhof bereits Ende 2019/Anfang 2020 genutzt werden, aber aufgrund fortlaufender Bauarbeiten ist derzeit mit einer Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm im Jahr 2025 zu rechnen.

Von Laura Puttkamer

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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