3,4 Millionen Euro teures Infozentrum

Die Bahn will Kritiker von Stuttgart 21 mit einem völlig absurden Projekt besänftigen

Stuttgart 21 wirbt künftig mit einem neuen Informationszentrum für das Megaprojekt. Der InfoTurmStuttgart bietet unter anderem einen virtuellen Rundgang durch den neuen Tiefbahnhof.

  • Der neue InfoTurmStuttgart eröffnet am Freitag am Querbahnsteig des Stuttgarter Hauptbahnhofs.
  • Das vorherige Informationszentrum im Bahnhofsturm war wegen des Umbaus bereits im Juli 2019 geschlossen worden.
  • Die Ausstellung über Stuttgart 21 soll für mehr Transparenz und Akzeptanz für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sorgen.

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 eröffnet am Freitag ein neues Informationszentrum im Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Ausstellung im InfoTurmStuttgart soll für mehr Transparenz und Akzeptanz für das Megaprojekt sorgen, heißt es in einer Pressemitteilung auf deren Homepage.

Bisher befand sich das Informationszentrum für Stuttgart 21 im Bahnhofsturm des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Aufgrund des Umbaus war das bereits im Juli 2019 geschlossen worden. In 21 Jahren hatten mehr als 4,3 Millionen Besucher die Ausstellung im Bahnhofsturm zu dem neuen Tiefbahnhof besucht. Der Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm e.V. hatte mit dem Bau des neuen InfoTurmStuttgart bereits im Mai 2019 begonnen. Nach fast einem Jahr Bauzeit und Kosten von 3,4 Millionen Euro wird die Ausstellung zu Stuttgart 21 jetzt eröffnet. Die Deutsche Bahn will Kritiker des teuren Großprojekts nun also ausgerechnet mit einem kostspieligen Info-Zentrum besänftigen.

Stuttgart 21: Teurer Neubau für das Infozentrum zum Bahnprojekt eröffnet

Das Gebäude hat insgesamt sechs Stockwerke. Auf fünf davon können Besucher sich einen umfassenden Überblick über Stuttgart 21 verschaffen. Die Dachterrasse im sechsten Stock bietet in Sichtweite des Bahnhofsturms sogar einen Rundumblick über die Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs und die zukünftige Bahnhofshalle von Stuttgart 21 mit den Gleisen. Neben dem Tiefbahnhof und der Neubaustrecke präsentiert der Verein auf rund 400 Quadratmetern Fläche die Entwicklung des Rosenstein-Quartiers, die Verbesserungen bei der S-Bahn sowie Informationen zur Mobilitätsmarke „bwegt“ und den schnellen Metropol-Express-Zügen des Landes (MEX).

Protest gegen Stuttgart 21: InfoTurm soll Kritik am neuen Tiefbahnhof entgegenwirken

Der InfoTurmStuttgart bietet in einem Raum sogar die Möglichkeit, einen virtuellen Rundgang durch den künftigen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 zu starten. Möglich machen das fünf Beamer, die Bilder an drei Wände und den Boden werfen und damit das gesamte Sichtfeld abdecken. „Wir wollen weiter für Akzeptanz des Bahnprojekts werben – und langfristig dafür, dass Menschen vom Auto auf die umweltfreundliche Bahn umsteigen“, erklärt Bernhard Bauer, Vorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart–Ulm e.V. Mitte Mai hatten bereits spektakuläre Aufnahmen von Stuttgart 21 mit einer Drohne sonst verborgene Bereiche der Baustelle gezeigt.

Stuttgart 21: Das ehemalige Informationszentrum im Bahnhofsturm des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist jetzt in den neuen InfoTurmStuttgart (ITS) gegenüber umgezogen.

Die Ausstellung über Stuttgart 21 ist außerdem behindertengerecht. Dazu hat der Verein mit dem Dachverband Integratives Planen und Bauen e.V und dem Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg zusammengearbeitet. Im gesamten InfoTurmStuttgart sind beispielsweise taktile Leitsysteme angebracht. Neben hörbaren Raumbeschreibungen und einer Vorlese-App sind einzelne Exponate zu dem neuen Tiefbahnhof im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm auch mit Brailleschrift versehen.

Stuttgart 21: Umstrittenes Bahnprojekt hat positive Stimmung bitter nötig

Zum gesamten Bahnprojekt Stuttgart-Ulm gehören neben Stuttgart 21 auch die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm. Nach letzten Schätzungen soll das gesamte Großprojekt 8,2 Milliarden Euro kosten, so die Deutsche Presse-Agentur. Im Finanzierungsvertrag waren im Jahr 2009 laut dpa noch 4,5 Milliarden Euro festgelegt worden.

Unter anderem wegen dieser Kostenexplosion gab es immer wieder heftige Proteste gegen Stuttgart 21. Die Fertigstellung des Tiefbahnhofs wurde zudem wiederholt verschoben. Inzwischen rechnet die Deutsche Bahn mit einer Inbetriebnahme im Dezember 2025. Ob die neue Ausstellung im InfoTurmStuttgart auch die größten Kritiker des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs überzeugen kann, bleibt daher abzuwarten.

Großprojekt von Stuttgart 21 teilweise für rechtswidrig erklärt 

Dass die Kritik an Stuttgart 21 noch nicht abgeflaut ist, zeigt eine Verhandlung am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Der Naturschutzbund Stuttgart (Nabu) und die Schutzgemeinschaft Filder hatten gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Tiefbahnofs am Flughafen und der Südumgehung Plieningen geklagt. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim (VGH) hatte das Großprojekt in Folge zunächst für rechtswidrig erklärt. Das endgültige Urteil fällt heute allerdings das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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