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Experte vermutet: Bei Starkregen könnte Stuttgart 21 „aufschwimmen wie ein Schiff“

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Von: Nadja Pohr

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Dach des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs mit Lichtaugen.
Dunkle Wolken über dem Großprojekt Stuttgart 21. Laut Aussagen eines Experten soll die Baustelle bei Starkregen Überschwemmungen begünstigen. © Arnulf Hettrich/IMAGO

Im vergangenen Jahr kam es im Bereich des Stuttgarter Hauptbahnhofes zu Überschwemmungen auf einigen Straßen. Ein Experte befürchtet einen Zusammenhang mit dem Großprojekt Stuttgart 21 und warnt vor weiteren Gefahren.

Stuttgart - Immer häufiger wird mittlerweile auch in Baden-Württemberg vor Starkregen und Überschwemmungen gewarnt. Im Sommer 2021 erlebte die Landeshauptstadt Stuttgart bereits ein extremes Unwetter. Dabei wurde nicht nur das Kupferblechdach des Opernhauses abgedeckt, auch zahlreiche Straßen wurden überflutet.

Besonders betroffen war der Bereich rund um den Hauptbahnhof Stuttgart. Die Schillerstraße war so stark überschwemmt, dass sie für den Verkehr gesperrt werden musste. Auch die Arnulf-Klett-Passage sowie eine Unterführung der B14 standen unter Wasser. Diplom-Ingenieur Wolfgang Grohe sieht bei den Überschwemmungen einen Zusammenhang mit dem Milliardenprojekt Stuttgart 21 und warnt deshalb vor weiteren Gefahren bei Starkregen.

Bei Starkregen werde Stuttgart 21 „aufschwimmen wie ein Schiff“, vermutet ein Experte

Bei der Überflutung der Schillerstraße sei die „S-21-Pumpe defekt“ gewesen, erklärte Wasserexperte Wolfgang Grohe in einer Sitzung des Bezirksbeirats Mitte. Zudem schließe er nicht aus, dass bei den Baumaßnahmen für Stuttgart 21 gerade Abwasserkanäle durch verwinkelte sogenannte Düker ersetzt worden seien, wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet. Laut Grohe eine „Verschlechterung“, die bei stark anhaltendem Regen zur Gefahr wird. Er vermutete, dass bei extremen Niederschlägen mit großflächigen Überflutungen der gesamte Tiefbahnhof „wie ein Schiff aufschwimmen“ werde, schreibt die StZ.

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Verhindert werden könne dies durch Notflutungsklappen im Bahnhofsgebäude, die den Bahnhof mit eindringendem Wasser beschweren. „Schäden und eine Stilllegung des Bahnbetriebs müssen jedoch in Kauf genommen werden“, prognostiziert Grohe. Das Abwassersystem ist jedoch nicht die einzige Schwachstelle. Auch das Dach über dem Großprojekt Stuttgart 21 werde verursachen, dass das Wasser fünfmal weniger abfließen kann, warnt der Experte. Dies könnte weitere Auswirkungen auf den Oberen Schlossgarten haben, der seit der Höherlegung der Schillerstraße in den 70er Jahren ohnehin schon bei Starkregen geflutet werde.

Tiefbauamt Stuttgart sieht keine Gefahr - „Irgendwann ist jeder Kanal überlastet“

Jürgen Mutz, Leiter des städtischen Tiefbauamts, räumt gegenüber der StZ ein: „Die Warnung ist zwar gerechtfertigt, in diesem Fall geht es aber eher um die Kritik an S 21.“ Dass in Folge des Klimawandels Überschwemmungen und Starkregenereignisse zunehmen, ist dem Tiefbauamt bewusst, aber „das Kanalsystem in Stuttgart ist in Ordnung“, versichert Mutz. Es sei eben nur nicht so dimensioniert, dass es Starkregen aufnehmen kann. Irgendwann sei jeder Kanal überlastet, sagt der Leiter des Tiefbauamts.

Um den immer häufiger werdenden extremen Niederschlägen entgegenzuwirken, müsse man deshalb die Gebäude in der Senke vor Wassereinbruch schützen - beispielsweise mit dichten Türen und Fenstern oder sogar Mauern. Noch wichtiger ist es jedoch, die Stadt Stuttgart zu einer „Schwammstadt“ zu gestalten. Das bedeutet unter anderem mehr Dachbegrünung und Flächenversiegelung zu vermeiden, damit das Wasser aufgesogen wird. Die Planungen bei Stuttgart 21 sehen vor, dass das Wasser am Hauptbahnhof vorbei in den Schlossgarten fließen und somit nicht zur Gefahr werden sollte. Laut Angaben eines anderen Experten hat der neue Tiefbahnhof dafür aber noch ein anderes Problem: den Brandschutz.

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