Drehkreuz Hauptbahnhof Stuttgart

Hauptbahnhof Stuttgart: Knotenpunkt der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg

Ein Vogel fliegt vor dem Empfangsgebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs, das vom Stuttgarter Architekten Paul Bonatz entworfen wurde.
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Der Bonatzbau mit dem bekannten Bahnhofsturm bleibt trotz Stuttgart 21 erhalten (Archivbild).

Der Hauptbahnhof Stuttgart, einer der am meisten frequentierten Bahnhöfe Deutschlands, wird nach seinem Umbau zum Durchgangsbahnhof noch leistungsfähiger.  

  • Der heutige Hauptbahnhof Stuttgart ersetzte den ersten „Centralbahnhof“ der Stadt.
  • Mit 16 Gleisen ist er der größte Verkehrsknotenpunkt Baden-Württembergs.
  • Im Rahmen der Projekts Stuttgart 21 wird der Bahnhof zu einem leistungsfähigen Durchgangsbahnhof umgebaut.

Stuttgart - Der Hauptbahnhof Stuttgart ist der wichtigste Bahnhof in Baden-Württemberg. Mit seinen etwa 300.000 Reisenden pro Tag gehört er zu den sechs größten Bahnknotenpunkten in Deutschland. Charakteristisch für den Hauptbahnhof Stuttgart ist das Bahnhofgebäude, das nach Entwürfen von Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer entstand.

Täglich gibt es etwa 590 Zugbewegungen am Kopfbahnhof, der über 18 Bahngleise verfügt. Neben den 16 Gleisen für den Regional- und Fernverkehr, besitzt der Hauptbahnhof Stuttgart unterirdisch zwei Gleise für die S-Bahn und ist entscheidend für den Verkehr in Stuttgart.

Neuer Hauptbahnhof Stuttgart: Baustelle für das Großprojekt Stuttgart 21

Der Stuttgarter Hauptbahnhof gehört zu den 21 deutschen Bahnhöfen, die von der DB Station & Service AG in die erste Kategorie eingeteilt werden. Die höchste Einstufung erhalten Bahnhöfe, die über eine besonders leistungsfähige Infrastruktur verfügen. Sie sind wie der Hauptbahnhof Stuttgart stark frequentiert und weitgehend barrierefrei. Weitere Merkmale sind ein großes Dienstleistungsangebot der Bahn sowie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten.

Aktuell ist der Hauptbahnhof Stuttgart die größte Baustelle der Deutschen Bahn. Aus dem Kopfbahnhof wird die Bahn einen modernen Durchgangsbahnhof bauen, der unterirdisch verläuft. Das Bauvorhaben für den Tiefbahnhof soll 2025 seinen Abschluss finden. Seit Beginn der Umbauarbeiten am Hauptbahnhof Stuttgart müssen Reisende Geduld mitbringen, weil viele Bahnhofseinrichtungen verlegt und vorübergehend geschlossen werden. Der Bonatzbau - das Bahnhofsgebäude mit dem Uhrenturm, auf dem ein großer Mercedes-Stern thront, soll erhalten bleiben.  

Hauptbahnhof Stuttgart: Ursprung und Geschichte

Der heutige Hauptbahnhof Stuttgart wurde erst 1922 eingeweiht. Die Geschichte der Eisenbahn in Stuttgart reicht allerdings bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Nur 38 Jahre nach der Erfindung der Dampfmaschine setzte der württembergische König Wilhelm I. 1834 eine Kommission zur Planung einer Eisenbahn ein. Vom Hauptbahnhof Stuttgart sollte die württembergische Eisenbahn in zwei Ästen nach Ludwigsburg und Esslingen führen.

Der Hauptbahnhof Stuttgart hatte einen historischen Vorgänger: Der Stuttgarter „Centralbahnhof“ wurde an der damaligen Schlossstraße, der heutigen Bolzstraße, erbaut. Der erste Kopfbahnhof bestand aus vier Gleisen, die eine Halle aus Holz überspannte. Am 26. September 1846 traf der erste Zug aus Cannstadt ein. Schnell wuchs das Reiseaufkommen und der Bahnhof wurde schnell zu klein, weshalb er von 1863 bis 1868 einem Neubau weichen musste.

Nach dem unscheinbaren ersten Bau ließen die Oberbauräte der Stadt diesmal für den Hauptbahnhof Stuttgart ein prächtiges Gebäude mit acht Gleisen erbauen. Eine prunkvolle Fassade und Bögen im Stil der Renaissance zeigten, dass die Eisenbahn rasant an Bedeutung gewann. Teile der Fassade sind noch heute am Kino Metropol zu sehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm das Verkehrsaufkommen derart zu, dass die Stuttgarter den Bau eines neuen Bahnhofes planten.  

Hauptbahnhof Stuttgart: Bonatzbau am heutigen Standort

Aus mehreren Entwürfen für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart entschied sich die Stadt für den Bau eines neuen Kopfbahnhofes, der nur 500 Meter vom alten Gebäude entstand. Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen schrieben das Projekt im Jahr 1910 aus. Die Ausschreibung, an der 70 Architekturbüros teilnahmen, gewannen Paul Bonatz (1877–1956) und Friedrich Eugen Scholer (1874–1949). Ihren Entwurf nannten sie „Der Nabel Schwabens“.

Der neue Hauptbahnhof Stuttgart gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Weimarer Republik. Der Bonatzbau ist ein Meilenstein der Moderne, der von der immer größer werdenden Mobilität der damaligen Zeit zeugt. Überragt wird der kubische Bau mit seinen asymmetrischen Elementen von einem 56 Meter hohen Turm, der heute als Wahrzeichen Stuttgarts gilt.

Die ersten acht Gleise am Hauptbahnhof Stuttgart gingen in der Nacht vom 22. bis 23. Oktober 1922 in den regulären Betrieb. Der Weiterbau verzögerte sich, weil die Bauherren finanzielle Probleme bekamen. Für die Fortsetzung des Baus erhielt die damalige Deutsche Reichsbahn von der Stadt Stuttgart zwei Kredite in Höhe von insgesamt 7 Millionen Reichsmark. Mit den Mitteln wurde der Hauptbahnhof Stuttgart 1928 nach 14 Jahren Bauzeit vollendet. 1933 schloss die Reichsbahn die Elektrifizierung aller 16 Gleise ab.

Die Entwicklung zum modernen Verkehrsknotenpunkt von Stuttgart und Baden-Württemberg

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hauptbahnhof Stuttgart schwer zerstört, sein Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre. Ein glücklicher Umstand war, dass der Bahnhofsturm nur geringe Schäden erlitt, was die neu gegründete Deutsche Bundesbahn nutzte. Seit 1952 dreht sich auf dem Turm ein Mercedes-Stern, der einen Durchmesser von fünf Metern hat. Die Erlöse aus der Werbung nutzte die Bundesbahn für den Wiederaufbau Hauptbahnhofs Stuttgart und den Ausbau des Turms.

Während der Bahnhofsturm von 1955 bis 1976 ein Hotel beherbergte, befindet sich darin heute ein Ausstellungsforum. Mitte der 1950er-Jahre begannen die Planungen für eine moderne Infrastruktur, zu der auch eine S-Bahn gehörte. Unter dem Hauptbahnhof Stuttgart erfolgte der Bau einer S-Bahnstation mit zwei Gleisen, deren Einweihung 1975 stattfand. Heute verkehren unter dem Hauptbahnhof Stuttgart acht S-Bahn- und sieben Stadtbahnlinen.

Seit 1987 ist der Hauptbahnhof Stuttgart ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest war er 2010 der pünktlichste Fernbahnhof aller deutschen Großstädte. Dieses Argument verwendeten Gegner des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, um gegen den Umbau zu argumentieren. Rund 300.000 Reisende nutzen heute täglich die Verbindungen am Hauptbahnhof Stuttgart. Er ist damit der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt in Baden-Württemberg.

Die Verbindungen und Anschlüsse am Hauptbahnhof Stuttgart

Neben zahlreichen Fern- und Regionalverbindungen verfügt der Hauptbahnhof Stuttgart über Haltestellen der Stadtbahn und von Stadtbussen. Der Bahnhof zählt zu den 13 AIRail-Bahnhöfen, von denen Lufthansa-Passagiere mit ihrem Flugticket zum Flughafen Frankfurt reisen können. Am Hauptbahnhof Stuttgart halten Fernzüge von 16 Linien:

ICE 11: Hamburg-Altona - München
ICE 15: Stuttgart - Berlin
ICE 22: (Kiel) - Hamburg - Stuttgart
ICE 26: Frankfurt (Main) - Stuttgart
ICE 45: Köln - Stuttgart
ICE 47: (Münster) - Dortmund - Stuttgart
ICE/TGV 83: Paris Est - Stuttgart - (München)
IC 30: Hamburg - Stuttgart
IC 32: (Berlin) - Dortmund - Stuttgart
IC 60: Karlsruhe - München
IC 61: Karlsruhe - Nürnberg - (München)
IC 62: Frankfurt - Salzburg - (Klagenfurt/Graz)
IC 87: Stuttgart - Singen - (Zürich)
RJ 90: Frankfurt - Stuttgart - Salzburg - Wien - (Budapest)
FLX 10: Stuttgart – Berlin

ICE 11, ICE 22, ICE 42, ICE 47, IC30, IC 60 und IC 61 verkehren im Zweistundentakt. IC 87 fährt stündlich, wobei jeder zweite Zug Zürich ansteuert. RJ 90 betreibt die Österreichische Bundesbahn. FLX 10 gehört Flixtrain. Außerdem gibt es 18 Regionalverbindungen, darunter zwei Interregio-Expresslinien (IRE), neun Regionalexpresslinien (RE) und sechs Regionalbahnlinien (RB).

Unter dem Hauptbahnhof Stuttgart halten die S-Bahn-Linien S1 bis S6, S11 und S60. Unter dem Arnulf-Klett-Platz, dem Bahnhofsvorplatz, fahren sieben Stadtbahnlinien. Zu Veranstaltungen in Stuttgart wie dem Cannstatter Wasen oder Sportereignissen wie Fußball-Bundesliga-Spielen verkehrt eine zusätzliche Linie. Außerdem halten vor dem Bahnhof vier Stadtbuslinien. Aufgrund der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 fallen die Rezensionen zum Hauptbahnhof Stuttgart bei Google schlecht aus. Während neben allgemeiner Kritik am Umbau fehlende Dienstleistungen bemängelt werden, wird der Bahnhof als Verkehrsknoten geschätzt.

Hauptbahnhof Stuttgart: So sieht die Zukunft mit Stuttgart 21 aus

Der Umbau des Hauptbahnhofs Stuttgart ist Bestandteil des Projekts Stuttgart 21 (S21), das erstmals 1994 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Vergleich zum heutigen Kopfbahnhof werden die neuen Gleise für den zukünftigen TIefbahnhof von Stuttgart 21 um 90 Grad gedreht. Der unter Denkmalschutz stehende Bonatzbau mit dem Empfangsgebäude bleibt am neuen Hauptbahnhof Stuttgart erhalten, wobei ein Abriss der Seitengebäude erfolgte. Auch der das Stadtbild prägende Bahnhofsturm bleibt bestehen.

Der neue unterirdische Durchgangsbahnhof erhält Lichtaugen, die der Bahnhofshalle Tageslicht spenden. Das neue Konzept sieht für den Hauptbahnhof Stuttgart vor, auf nur noch acht Gleisen deutlich mehr Züge abzufertigen als am heutigen Kopfbahnhof. Die überirdischen alten Gleisanlagen verschwinden und geben Platz für zwei neue Stadtteile. Die Bahn lässt den Bonatzbau unter Beachtung des Denkmalschutzes komplett umbauen, um auf diese Weise vier Ebenen am Hauptbahnhof Stuttgart zu erhalten. Auf zwei Ebenen sieht der Entwurf ein Hotel sowie einen Gaststättenkomplex vor. Die ganze Anlage soll ausschließlich aus Erdwärme und der Kühlung der einfahrenden Züge klimatisiert werden.

Der aus einem Architektur-Wettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf des Stuttgart-21-Architekten sah 1997 Kosten von knapp 250 Millionen Euro für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart und das Großprojekt vor. Von diesem Betrag ist man inzwischen weit entfernt. Die Deutsche Bahn rechnet mit einem Gesamtpreis für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm von 8,2 Milliarden Euro. Experten nennen für den Tiefbahnhof und das Gesamtprojekt sogar noch höhere Zahlen, die Gesamtkosten zwischen 9 und 10 Milliarden Euro für das Verkehrs- und Städtebauprojekt veranschlagen.

Erste Proteste gegen Stuttgart 21 gibt es bereits seit 1994. Zu den Kritikpunkten zählen eine mangelnde Bürgerbeteiligung, hohe Kosten und eine geringere Leistungsfähigkeit des neuen Hauptbahnhofs Stuttgart. Den Architekten werfen die Stuttgart-21-Gegner Planungsfehler und einen Verstoß gegen den Denkmalschutz vor. Außerdem seien Mineralwasservorkommen gefährdet. Teilweise mündeten die Proteste gegen den neuen Hauptbahnhof Stuttgart in gewaltsame Auseinandersetzungen. Selbst ein Regierungswechsel in Baden-Württemberg und eine Volksabstimmung, die sich für Stuttgart 21 aussprach, konnte die Stimmung nur teilweise befrieden. Im Februar 2020 fand die 500. Montagsdemonstration gegen das Projekt statt.

Von Lars Hoffmann

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