Aktionsbündnis besorgt

Fassade am Hauptbahnhof stürzt ein: „Stuttgart 21“-Gegner fordern sofortigen Baustopp

Fassade des Stuttgarter Hauptbahnhofs
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S-21-Gegner vermuten, dass Presslufthammer-Arbeiten Schuld an der bröckelnden Fassade des Hauptbahnhofs sind.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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In der Fassade des Bonatzbaus am Stuttgarter Hauptbahnhof klafft seit Montagmorgen ein drei Meter dickes Loch. S-21-Gegner verlangen, die Arbeiten am Gebäude sofort einzustellen.

Stuttgart - Es war mitten in der Nacht zum Montag, als sich am Empfangsgebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs plötzlich Steine aus der Mauer lösten. 15 Meter stürzten die Brocken in die Tiefe. Glücklicherweise bewegten sich um 3.30 Uhr keine Menschen an den Taxiständen, wo tagsüber viele Kunden warten. Verletzt wurde niemand. Dennoch ist der Aufschrei in den Folgetagen groß. Gegner des Megaprojekts Stuttgart 21 fordern einen sofortigen Baustopp.

„Wir wissen noch nicht, was die konkrete Ursache ist“, sagt Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. „Wahrscheinlich ist aber, dass Erschütterungen durch Presslufthammer-Arbeiten dem ganzen Gebäude zugesetzt haben.“ Es sei zu befürchten, dass auch an anderen Stellen Schäden auftreten werden.

Stuttgart 21: Gegner des Projekts bangen um denkmalgeschütztes Gebäude

In einem offenen Schreiben fordert das Aktionsbündnis, alle Arbeiten am Bonatzbau solange einzustellen, bis Gewissheit über Ursachen und mögliche Schäden besteht. „Es ist schlimm genug, dass dem Immobilienprojekt Stuttgart 21 Nord- und Südflügel des ursprünglich in Gänze denkmalgeschützten Bonatzbaus geopfert wurden“, so die Protestler. Nun dürfe nicht auch noch der Hauptbau riskiert werden.

Im Rahmen ihrer Proteste gegen Stuttgart 21 kritisieren die Gegner des Projekts seit vielen Jahren, dass das Projekt S21 zu komplex für die Bahn und nicht beherrschbar sei. Das Aktionsbündnis spricht von zu eng gebauten Gleisradien nach der Verlegung der Kopfbahnhofgleise, dem Zusammenbruch eines Teils des Bahnsteigdaches nach der Entfernung von tragenden Stützen sowie von herabfallenden Teilen einer frisch betonnierten Tunneldecke, die den Tod eines Arbeiters verursachten.

Stuttgart 21: „Man will offensichtlich möglichst schnell viel Geld verdienen mit diesem Projekt“

„Die Ursachen mögen jeweils ganz verschiedene gewesen sein. Gemeinsam ist den Vorfällen, dass aufseiten des Bauherrn fortgesetzt zu unvorsichtig und zu hastig agiert wurde, denn man will offensichtlich möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen mit diesem ganzen Projekt“, so Aktionssprecher Martin Poguntke.

Wie es letztlich zum Bruch in der Fassade des Bonatzbaus kam, ist aktuell noch unklar. „Die Ursachensuche, warum sich die Fassadenteile lösen konnten, dauert an“, erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Mittwoch. Der Bonatzbau bleibe weiterhin gesperrt. „Der Zugverkehr in Stuttgart rollt jedoch ohne jegliche Einschränkungen weiter.“

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