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Stuttgart 21 erreicht „Grenzen des Baubaren“ - Kritiker lästern gegen „teures Kunstwerk“

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Von: Nadja Pohr

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Seit dem Baubeginn des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben sich die Kosten mehr als verdoppelt.
Für den unterirdischen Bahnhof Stuttgart 21 werden 28 sogenannte Kelchstützen gebaut, die teilweise eine aufwendige Konstruktion benötigen. © Sebastian Gollnow/dpa

Das Projekt Stuttgart 21 ist für Ingenieure und Arbeiter eine technische Herausforderung. Mit dem Bau der 20. Kelchstütze sei man nun an die „Grenzen des Baubaren“ gekommen.

Stuttgart - Mit 8,2 Milliarden Euro ist Stuttgart 21 bereits doppelt so teuer wie zu Beginn kalkuliert. Das Großprojekt, bei dem der Hauptbahnhof Stuttgart unter die Erde verlagert wird, soll im Jahr 2025 fertiggestellt werden. Kritiker rechnen jedoch bereits damit, dass bis dahin noch weitere Kosten aufkommen werden und Stuttgart 21 mehr als 10 Milliarden Euro kosten wird.

Die Fortschritte des Großprojekts in Stuttgart sind allerdings nicht überall offensichtlich erkennbar. Für den unterirdischen Durchgangsbahnhof werden unter anderem 28 sogenannte Kelchstützen benötigt, die Ingenieure und Arbeiter vor eine technische Herausforderung stellen. Am Samstag (12. März) wurde nun die 20. Kelchstütze betoniert, die später einmal der Nordeingang am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz sein wird.

Stuttgart 21 erreicht „Grenzen des Baubaren“ durch Sonderkelch

Die 20. Kelchstütze wird als „Sonderkelch“ bezeichnet, da sie später eine gläserne Kuppel tragen soll. Die anderen 27 Stützen haben lediglich Glasflächen, die Licht ins Bahnhofsinnere leiten werden. Stephan Keinath, Vorstandsmitglied des Bauunternehmens Züblin, beschreibt die Maßnahmen beim Bau von Stuttgart 21 als „Grenzen des Baubaren“. Denn neben der gläsernen Kuppel führen durch eine Öffnung Treppen und Rolltreppen zu den Gleisen und die Kelchstütze wird durch einen Aufzugschacht unterbrochen. Darüber hinaus unterquert an dieser Stelle des Sonderkelchs der S-Bahntunnel den Bahnhof.

„Die Ingenieurtechnik, die hier zum Einsatz kommt, ist im weltweiten Vergleich auf allerhöchstem Niveau“, erklärt Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Für den Sonderkelch fließen 550 Kubikmeter Beton in Schalung, die mit 250 Tonnen Baustahl versehen ist. Für die 21. Kelchstütze werden bereits Stahlflechten vorbereitet. Der Deutschen Bahn zufolge soll sie noch im Frühjahr ebenfalls mit Beton befüllt werden. Mit 21 von 28 Stützen habe man dann drei Viertel der aufwendigen Konstruktionen fertig.

Kritiker von Stuttgart 21 sauer: „Grenze der Geduld und Belastbarkeit der Bürger ebenfalls erreicht“

Der Fortschritt bei den Kelchstützen sorgt bei den Stuttgartern für wenig Begeisterung. Seit Beginn der Bauphase kommt es immer wieder zu Protesten gegen Stuttgart 21. „Die Grenze der Geduld und der Belastbarkeit der Bürger ist ebenfalls erreicht“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Statt das ganze Geld in ein teures ‚Kunstwerk‘ zu stopfen, wäre den Menschen mit einem effizienten und zuverlässigen Bahnhof mit kurzen Wegen mehr geholfen“, meint eine andere Nutzerin. Ein anderer beschreibt die Baumaßnahmen als „Fass ohne Boden“.

Auch an eine Fertigstellung im Jahr 2025 glauben viele in den sozialen Medien aufgrund der komplizierten Baupläne nicht mehr. Eine Nutzerin hat die Hoffnung aufgegeben und schreibt, dass Stuttgart 21 nie fertig werde und dafür Milliarden versenkt wurden. „Ich 35, hoffe, dass ich das Mal live erlebe“, oder „Das ist nicht Stuttgart 2021, sondern 2121“, schreiben andere User hingegen scherzhaft. Vom 16. bis 18. April können sich die Bürger jedoch selbst ein Bild von der Großbaustelle machen, denn dann ist Stuttgart 21 für Besucher jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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