Alles über den Fildertunnel

Stuttgart 21: Fildertunnel verbindet den Tiefbahnhof mit der Filderebene

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Der Fildertunnel soll die Distanz zwischen dem neuen Tiefbahnhof in Stuttgart und der Filderebene überbrücken - Ende 2020 soll der Tunnel fertig sein.

  • Der Fildertunnel ist ein zentraler Bestandteil von Stuttgart 21, da er die Distanz vom unterirdischen Hauptbahnhof zur Filderebene überbrückt.
  • Der 9,5 Kilometer lange Tunnel als Teil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm soll Ende 2020 fertiggestellt werden.
  • Es handelt sich um einen riskanten Bauabschnitt beim Projekt Stuttgart 21, was an schwierigen Bodenverhältnissen sowie Konflikten rund um den Brandschutz liegt.

Stuttgart - Der Fildertunnel ist ein wichtiger Bestandteil des Bahnprojektes Stuttgart 21. Der neue Tiefbahnhof in der Landeshauptstadt Stuttgart soll unterirdisch verlaufen und befindet sich derzeit noch im Bau. Die Fertigstellung von Stuttgart 21 hat sich immer weiter nach hinten verschoben - aktuell ist Ende 2024 anvisiert.

Teil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm ist auch der Fildertunnel, der früher als Flughafentunnel bekannt war. Dabei handelt es sich um einen 9,5 Kilometer langen Tunnel, der insgesamt 153 Höhenmeter überwindet. Da sich der Hauptbahnhof von Stuttgart in einem Talkessel befindet, soll der Tunnel im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 dazu dienen, die Distanz zur Filderebene zu überbrücken. Ab dort ist die Strecke für ICEs mit einer Geschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde befahrbar.

Stuttgart 21: Der Innenausbau des Fildertunnel soll im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm voraussichtlich Ende 2020 fertiggestellt werden.

Der Fildertunnel schließt direkt an den neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 an. Auf den ersten 250 Metern verläuft er gemeinsam mit dem Tunnel Obertürkheim, wobei zwei je zweigleisige Tunnelabschnitte geplant sind. Danach trennt sich der Fildertunnel und leitet die Züge direkt auf die Fildern. Dabei führt der Tunnel unter den Stadtteilen Degerloch und Möhringen hindurch. Er endet südöstlich von Fasanenhof neben der A8 in der Nähe der Autobahn-Anschlussstelle Degerloch.

Stuttgart 21: Aktueller Stand beim Bau des Fildertunnels im Rahmen des Verkehrs- und Städtebauprojekts

Für den Fildertunnel des Verkehrs- und Städtebauprojekts sind unterschiedliche Geschwindigkeiten der Züge in den beiden eingleisigen Röhren geplant. So soll am Übergang zum neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 eine maximale Geschwindikeit von 100 Kilometern pro Stunde möglich sein, in der unteren Hälfte des Tunnels 160 Kilometer pro Stunde und in der oberen Hälfte 250 Kilometer pro Stunde.

Nach seiner Fertigstellung wird der Fildertunnel der längste Doppelröhren-Eisenbahntunnel in Deutschland sowie der drittlängste Tunnel überhaupt sein. Aktuell ist der Fildertunnel noch nicht fertig. Er ist Teil des Planfeststellungsabschnitts 1.2 von Stuttgart 21. Die Deutsche Bahn hat am 30. Juli 2011 den Auftrag für die Rohbauarbeiten des Tunnels im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm gegeben, der fast genau drei Jahre später getauft wurde. Ende 2019 waren bereits 19,4 Kilometer der insgesamt 19,8 Kilometer Tunnelröhren und Querschläge des Fildertunnels fertiggestellt.

Derzeit fehlt beim Fildertunnel noch der Abschnitt zwischen dem neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 und der Rettungszufahrt Hauptbahnhof Süd. Im Februar 2020 erfolgte der erste Durchschlag vom Tunnel zum neuen Hauptbahnhof des Verkehrs- und Städtebauprojekts. Experten gehen davon aus, dass bis Ende 2020 ein Großteil des Innenausbaus des Fildertunnels fertig sein wird.

Stuttgart 21: Fildertunnel als riskanter Bauabschnitt des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm

Der Fildertunnel ist einer der schwierigsten Bauabschnitte von Stuttgart 21, da etwa 4 Kilometer des Tunnels durch Gipskeuper führen. Dieses Material kann schnell zusammenbrechen, wodurch die darüberliegenden Häuser im Kernerviertel hätten absacken können. Nach langen Forschungen wurde daher entschieden, die Arbeiter des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm und die Anwohner zu schützen und die Häuser im Kernerviertel mithilfe einer untergepumpten Betonsuspension anzuheben.

Jedoch gab es hierbei Komplikationen, weshalb die Experten von Stuttgart 21 stattdessen einen doppelten Schirm aus jeweils 17 Millimeter starken Stahlrohren ins Gestein trieben. An anderen Stellen im Fildertunnel steckten sie lange Anker in den Hang, um die Röhren zu schützen.

Das komplexe Sicherheitskonzept für den Fildertunnel beinhaltet auch die Frage nach Notausgängen und Löschmethoden. Laut Kritikern von Stuttgart 21 ist die Löschwasserleitung nicht ausreichend. Statt der vorgesehenen Trockenleitung soll der wichtigste Tunnel des Verkehr- und Städtebauprojekts eine ständig befüllte, nasse Löschwasserleitung verfügen oder die Befüllung per Fernbedienung möglich machen. Anderenfalls sei es laut der Branddirektion in Stuttgart absehbar, dass das Wasser bei einem Brand im Fildertunnel erst nach 45 Minuten zur Verfügung stehe. Aktuell streiten die Deutsche Bahn und die Stuttgarter Branddirektion noch über das korrekte Vorgehen.

Von Laura Puttkamer

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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