Skulptur von Peter Lenk

Stuttgart 21: Denkmal zeigt Winfried Kretschmann sehr freizügig - er reagiert ziemlich witzig

Kunstwerk
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Laokoon alias Winfried Kretschmann bildet das Herzstück der Stuttgart-21-Skulptur des Satire-Künstlers Peter Lenk.
  • Anna-Lena Schüchtle
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Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 bekommt ein satirisches Denkmal von Peter Lenk - es zeigt Akteure wie Winfried Kretschmann in ungewohnter Haltung.

Stuttgart - Das umstrittene Megaprojekt Stuttgart 21 sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Insbesondere der geplante Umbau des Hauptbahnhofs Stuttgart zum Tiefbahnhof steht bei Gegnern bis heute im Mittelpunkt ihrer Proteste und führte zu einer Vielzahl von Problemen. Die Folge waren Verzögerungen und Kosten, die sich seit Beginn des Projekts im Milliardenbereich vervielfachten. Doch auch die Stuttgart 21 Fertigstellung sorgt immer wieder für Ärger - sie verschob sich nämlich bereits mehrfach nach hinten.

Selbst der Erfinder von Stuttgart 21 machte jüngst ein fatales Eingeständnis. Nun steht das Bahnhofsprojekt erneut im Fokus der Öffentlichkeit - zumindest indirekt. Denn nach wochenlangem Zögern genehmigte die Stadt Stuttgart jüngst die Errichtung einer Satire-Statue des Künstlers Peter Lenk vor dem StadtPalais. Sie trägt den kritischen Titel „S 21. Das Denkmal - Chroniken einer grotesken Entgleisung“. Ihr Aufbau vor dem Museum in der Landeshauptstadt startete am Montagabend.

Stuttgart 21: Kritisches Denkmal zeigt Winfried Kretschmann in ungewohnter Pose - Fertigstellung von Stuttgart 21 mehrfach verschoben

Die Statue „S 21. Das Denkmal – Chronik einer grotesken Entgleisung“ vor dem Stadtpalais in Stuttgart.

Interessierte können sich das Kunstwerk zu Stuttgart 21 von Peter Lenk, der mit seinen Werken schon des Öfteren auf Missstände politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Natur hingewiesen hat, bis März 2021 ansehen. Es ist Teil einer neuen Skulpturengalerie vor dem StadtPalais in Stuttgart. Als satirische Hommage soll die neun Meter hohe und tonnenschwere Statue dort der am Bahnprojekt beteiligten Akteure gedenken - während die Fertigstellung von Stuttgart 21 weiter auf sich warten lässt.

Insgesamt 150 Personen werden so karikativ dargestellt - unter ihnen der ehemalige Ministerpräsident Günther Öttinger, der mittlerweile verstorbene Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geissler sowie die ehemalige Umwelt- und spätere Verkehrsministerin Baden-Württembergs Tanja Gönner. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von Peter Lenk als Teil der Skulptur verewigt.

Winfried Kretschmann wird von Künstler Peter Lenk in Stuttgart-21-Denkmal verewigt - Stuttgart 21 Fertigstellung lässt auf sich warten

Zentrum des Satire-Denkmals bildet jedoch eine leicht bekleidete, an der wichtigsten Stelle jedoch mit einem Feigenblatt verdeckte Figur, die große Ähnlichkeit mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann aufweist - und mit der antiken Sagengestalt Laokoon. Bei dieser handelte es sich um einen Priester, der laut griechischer Mythologie versucht hat, das trojanische Pferd am Eindringen in die legendäre Stadt zu hindern.

Die Stuttgart-21-Statue von Peter Lenk ist neun Meter hoch und zehn Tonnen schwer.

Er wurde allerdings von zwei Schlangen angegriffen und getötet. Ganz im Sinne der künstlerischen Freiheit handelt es sich bei den Angreifern in der Stuttgart-21-Skulptur von Peter Lenk jedoch nicht um zwei der beinlosen Echsen, sondern um ICE-Waggons, die Laokoon alias Winfried Kretschmann umringen. Der Grünen-Politiker bewertet die karikativen Darstellung seiner eigenen Person indes positiv. Seine eigene Haltung sei weitgehend richtig getroffen.

„Ich wollte Stuttgart 21 nicht, aber nachdem der Volksentscheid mehrheitlich für den Weiterbau ausging, mussten wir es bauen“, wird Winfried Kretschmann von der Deutschen Presseagentur zitiert. Richtigerweise habe Peter Lenk ihn daher „nicht bei den feixenden kleineren Gestalten seines Kunstwerks eingereiht, sondern mit mürrischem Blick ausgestattet“. Zudem finde es er gut, dass das Denkmal aufgestellt werden konnte. Eine kritische Würdigung sei richtig, gerade weil das Bahnprojekt Stuttgart 21 heftig in der Kritik stand - und die Stuttgart 21 Fertigstellung noch immer nicht in Sicht ist.

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