Digitalisierter Bahnknoten

Deutsche Bahn will in Stuttgart ein deutschlandweit einzigartiges Testprojekt starten

  • Valentin Betz
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Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Hauptbahnhof zu einem hochmodernen Bahnknoten umgebaut. Auch bei der Digitalisierung soll das Projekt zum Vorreiter und dadurch auch pünktlicher werden.

  • Stuttgart 21 soll der erste digitale Bahnknoten Deutschlands werden.
  • Digitale Stellwerke, Leit- und Sicherungstechnik sollen zu mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit beitragen.
  • Die Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart wird geschätzte 462,5 Millionen Euro kosten.

Stuttgart/Berlin - Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm spaltet nicht erst seit Baubeginn die Gemüter. Besonders die Kosten von Stuttgart 21 sorgen bei Gegnern des Projektes immer wieder für laute Kritik. Zuletzt hatte die Deutsche Bahn mit drastischen Maßnahmen gezeigt, wie verzweifelt sie wegen Stuttgart 21 ist. Der Konzern hatte seine Projektpartner wegen der explodierenden Kosten verklagt, das Verfahren konnte bis heute nicht starten.

Jetzt verursacht Stuttgart 21 wieder neue Kosten. Allerdings sind sich die Projektpartner diesmal über die Finanzierung einig. Der gesamte Bahnknoten Stuttgart soll ein Musterbeispiel im Bereich Digitalisierung werden. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch, dass die Züge zuverlässiger und pünktlicher werden.

Stuttgart 21 soll bis 2025 erster digitalisierter Bahnknoten in Deutschland werden

Die Digitalisierung von Stuttgart 21 zielt dabei vor allem auf das Schienennetz ab. Bis Ende 2025 soll der Hauptbahnhof Stuttgart der erste digitalisierte Bahnknoten in Deutschland werden. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach am Dienstag laut dpa von einem „Modernisierungsschub“ für die Bahn. Die Züge sollen zuverlässiger und pünktlicher werden, außerdem sollen mehr Züge auf den Strecken fahren können.

Digitalisierung von Stuttgart 21: Das Projekt soll der erste digitale Bahnknoten Deutschlands werden.

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 sollen die Züge des Fern-, Regional- und S-Bahnverkehrs im Knoten Stuttgart auf einem mit digitaler Technik ausgerüsteten Schienennetz fahren. Neben dem neuen Tiefbahnhof Stuttgart und weiteren Stationen sollen zunächst Strecken mit einem Umfang von mehr als 100 Kilometern mit digitalen Stellwerken, der neuen europäischen Leit- und Sicherungstechnik ETCS und hoch automatisiertem Fahrbetrieb ausgerüstet werden. „Allein auf der S-Bahn-Stammstrecke werden wir um 20 Prozent leistungsfähiger“, so Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Die Entscheidung, Stuttgart 21 umfangreich zu digitalisieren, löst gemischte Gefühle aus. Matthias Gastel, Bahnexperte der Grünen, sieht die Entwicklung insgesamt zwar positiv. Gegenüber SWR Aktuell kritisierte er allerdings auch die langsame Entwicklung der vergangenen Jahre. „Wir haben allgemein das Problem, dass wir in Sachen Digitalisierung der Schiene anderen Ländern, aber auch den Möglichkeiten und Erfordernissen um Jahre hinterherhinken", so Matthias Gastel. Der jetzige Schritt hin zur kompletten Digitalisierung sei deshalb ein sehr großer. Es bestünden daher Risiken, dass nicht alles gut laufe.

Digitalisierung von Stuttgart 21: Vorhaben erfordert enorme Investitionen

Damit das Schienennetz digitalisiert werden kann, sind enorme Investitionen notwendig. Allein für die Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart rechnet die Deutsche Bahn mit Investitionen von 462,5 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn sei aber mit dem Bund über die Finanzierung im Gespräch, so Ronald Pofalla gegenüber der dpa. Das gesamte deutsche Schienennetz könnte laut Ronald Pfalla bis Mitte der 2030er Jahre digitalisiert werden.

Verkehrsminister Andreas Scheuer, Ronald Pofalla und Finanzstaatssekretär Rolf Bösinger unterzeichneten am Dienstag bereits eine Rahmenfinanzierungsvereinbarung für die Digitalisierung von Stuttgart 21. Durch die Vereinbarung sollen Mehrkosten für das Bahnprojekt verhindert werden. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bezeichnete die Finanzierungsvereinbarung als weiteren wichtigen Schritt hin zu einem stabilen und zuverlässigen Schienenverkehr im Knoten Stuttgart. Damit könne die Pünktlichkeit gesteigert und mehr Verkehr auf demselben Netz abgewickelt werden. Auch der Umgang mit Störungen im Betrieb werde verbessert.

Die Digitalisierung von Stuttgart 21 ist nur eines von insgesamt drei Pilotprojekten, das zum sogenannten Starterpaket Digitale Schiene Deutschland gehört. Neben dem Bahnknoten Stuttgart soll die Schnellfahrtstrecke Köln-Rhein/Main und die Trassen der transeuropäischen Verbindung Skandinavien-Mittelmeer digitalisiert werden. Insgesamt stellt der Bund für diese Digitalisierungsprojekte 4 Milliarden Euro zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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