Umstrittenes Bahnprojekt Stuttgart-Ulm

Protest gegen Stuttgart 21: alle Probleme und Skandale um das Bahnprojekt

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist seit den großen Protesten im Jahr 2010 regelmäßig in den Schlagzeilen vertreten. Der Bau hat längst begonnen, aber die Diskussionen gehen weiter.

  • Die größten Proteste gegen das Verkehrs- und Städtebauprojekt Stuttgart 21 fanden im Jahr 2010 statt.
  • Dennoch begann der Bau noch im selben Jahr - seitdem sorgt das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm unter anderem wegen explodierender Kosten immer wieder für Schlagzeilen und Skandale.
  • Die andauernde Diskussionen und die Proteste beziehen sich neben den Kosten auch auf befürchtete Engpässe der Kapazität und mangelnden Brandschutz.

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 - und damit die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs - wird schon seit langer Zeit diskutiert und seit den 1990er Jahren konkret geplant. Vor dem geplanten Baubeginn des neuen Tiefbahnhofs im Jahr 2010 begannen die großen Proteste gegen das Verkehrs- und Städtebauprojekt in Stuttgart.

Bereits seit November 2009 fanden sich an jedem Montag mehrere tausend Protestierende auf dem Platz vor dem Nordausgang des historischen Bahnhofs ein. Diese Proteste gegen Stuttgart 21 dauern trotz Baubeginn bis heute an. Im Februar 2020 fand die 500. Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm mit dem neuen Tiefbahnhof statt.

Stuttgart 21: Anhaltende Probleme und Proteste gegen das Bahnprojekt

Als „schwarzer Donnerstag“ ist im Rahmen von Stuttgart 21 der 30. September 2010 bekannt. An diesem Tag wurden von der Polizei viele hundert Demonstranten, die als „Parkschützer“ bekannt sind, aus dem Schlossgarten der Landeshauptstadt Stuttgart entfernt. Dabei gab es viele Verletzte. In der darauffolgenden Nacht wurden die ersten Bäume gefällt, um mit dem Bau von Stuttgart 21 zu beginnen.

Stuttgart 21: Die Bauarbeiten für das Bahnprojekt laufen seit Jahren, doch die Proteste dauern weiter an.

Die Hauptkritikpunkte bei den Protesten gegen Stuttgart 21 und den neuen Tiefbahnhof sind die fehlende politische Legitimierung des Projektes, die hohen Kosten, die Gefährdung der Umwelt und der Mineralwasservorkommen, die geringere Anzahl an Gleisen des neuen Durchgangsbahnhofs sowie planerische Mängel.

Im Jahr 2010 wurden als Reaktion auf die Proteste gegen Stuttgart 21 Schlichtungsgespräche zwischen den Protestgruppen und dem Bauteam begonnen. Heiner Geißler war maßgeblicher Schlichter und es gelang, die Gemüter zu beruhigen. Trotz der Widerstände entschieden sich die Baden-Württemberger bei einer Volksabstimmung im November 2011 mehrheitlich für die Fortsetzung des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm und für den neuen Tiefbahnhof.

Stuttgart 21 sollte ursprünglich etwa 4,526 Milliarden Euro kosten. Die Kosten werden von der Deutschen Bahn, der Bundesrepublik, dem Land Baden-Württemberg, der Region Stuttgart, der Stadt Stuttgart und dem Flughafen Stuttgart gemeinsam übernommen. Jedoch gibt es immer wieder Meldungen, die über eine weitere Kostensteigerung für das Verkehrs- und Städtebauprojekt berichten.

Im März 2013 gab die Deutsche Bahn wegen andauernder Probleme bei Stuttgart 21 einen Kostenanstieg auf 6,526 Milliarden Euro an. Nach dieser Nachricht stand das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm auf der Kippe, da die Finanzierung der Mehrkosten unklar war. Jedoch konnten Lösungen gefunden werden, sodass der Bau von Stuttgart 21 weiter ging.

Stuttgart 21: Bahnprojekt Stuttgart-Ulm noch immer umstritten, Proteste dauern an

Im Jahr 2017 wurde bekannt, dass die Gesamtkosten für Stuttgart 21 nun bei 7,6 Milliarden Euro liegen sollen. Obwohl bisher (Stand März 2020) keine weiteren aktuellen Zahlen veröffentlicht wurden, gehen Experten davon aus, dass sich die endgültigen Kosten für das Bahnprojekt auf 9 bis 10 Milliarden Euro belaufen werden. Kritiker von Stuttgart 21 prangern diese Verdopplung der Kosten für den Tiefbahnhof an. Sie erklärt sich unter anderem aus Bauverzögerungen, teureren Baumaterialien und ungeplanten Maßnahmen zum Artenschutz. Das geplante Datum zur Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm wurde auf Ende 2024 verschoben.

Auch im Jahr 2020 gehen die Proteste gegen Stuttgart 21 und den neuen Tiefbahnhof weiter. Kritiker bemängeln den schlechten Brandschutz und die geringere Leistungsfähigkeit des geplanten neuen Hauptbahnhofs Stuttgart, der nur noch 8 statt wie bisher 17 Gleise haben soll. Experten schätzen, dass pro Stunde statt der empfohlenen 50 Züge nur 32 Züge fahren können. Somit entstünde in dem neuen Tiefbahnhof ein Engpass. Zudem sind die steigenden Kosten des Verkehrs- und Städtebauprojekts nach wie vor ein wichtiger Kritikpunkt an Stuttgart 21, der auch die Hartnäckigkeit der Protestierenden erklärt.

Von Laura Puttkamer

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