Wintersemester 2021/2022

25 Quadratmeter für über 1.000 Euro: Studenten müssen für WG-Zimmer in Stuttgart viel Geld hinblättern

Wohnheim für Studenten in Stuttgart
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Begehrter Wohnraum: Das Studierendenwerk Stuttgart bietet Studenten Zimmer und Wohnungen an.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Ab dem kommenden Wintersemester wird wieder in Präsenz studiert - auch in Stuttgart. Die Nachfrage nach Zimmern ist hoch. Wer nicht im Studentenwohnheim unterkommt, muss Geld haben.

Stuttgart - Im Oktober startet an vielen Hochschulen und Universitäten in Baden-Württemberg das Wintersemester. Zum ersten Mal seit drei Semestern wieder mit Präsenzunterricht. Durch die Coronapandemie in Baden-Württemberg fanden Vorlesungen und Kurse bisher ausschließlich online statt.

Nun sollen Studentinnen und Studenten endlich wieder in die Hörsäle zurückkehren können. Doch mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht beginnt auch wieder der alljährliche Andrang auf Wohnungen, WGs und Studentenwohnheime. Wohnheime in Baden-Württemberg werden mit Anfragen geradezu überschwemmt. Wie sieht die Wohnsituation für Studenten in der Landeshauptstadt Stuttgart aus? BW24 hat sich den Wohnungsmarkt für WG-Zimmer und in Studentenwohnheimen einmal angeschaut.

WG-Zimmer in Stuttgart: Nachfrage für Studentenwohnheime ist groß

Noch ist nicht an allen Lehrstühlen endgültig beschlossen, ob ein Präsenzunterricht stattfinden wird. Auch an der Universität Stuttgart wird aktuell darüber beraten. „Doch die Vorzeichen stehen auf Präsenzunterricht und so ist die Nachfrage nach unseren Wohnplätzen heute größer als zum letzten Wintersemester“, sagt Melanie Westphal, Marketing-Leiterin des Studierendenwerks Stuttgart.

Wer in und rund um Stuttgart ein Studium beginnt und eine Bleibe sucht, für den ist das Studierendenwerk Stuttgart meist eine erste Anlaufstelle. Das Studierendenwerk betreibt derzeit 34 studentische Wohnanlagen mit insgesamt 6.745 Wohnplätzen an den Standorten Stuttgart-Mitte, Stuttgart-Vaihingen, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen. Auf der Warteliste zum Wintersemester 2021/22 stehen aktuell 2.016 Bewerber. Zum Vergleich: Anfang September 2020 standen 1.484 Studierende auf der Warteliste. Im September 2019 – also vor der Pandemie – waren es rund 3.800 Studierende.

Als zum Sommersemester 2020 der erste Lockdown kam, stellten Hochschulen und Universitäten ihren Unterricht auf Onlineseminare um. Da man nicht mehr persönlich zur Vorlesung oder zum Kurs musste, ging die Nachfrage nach Wohnraum deutlich zurück. „Viele Studierende sind zu Hause bei ihren Eltern wohnen geblieben und pendelten bei Bedarf zum Hochschulstandort. Außerdem reisten nur wenige internationale Studierende an, da einige Hochschulen ihre Austauschprogramme abgesagt haben“, erzählt Melanie Westphal. „Erstmals in der Geschichte des Studierendenwerks gab es das vergangene Jahr über noch freie Zimmer in den studentischen Wohnheimen. Wer örtlich flexibel war, konnte ohne Wartezeit einziehen.“

Wohnen in Stuttgart: noch freie Plätze in den Wohnheimen

Für das kommende Semester sind noch 364 Zimmer in den studentischen Wohnanlagen frei (Stand 9. September), überwiegend am Standort Esslingen, Göppingen sowie mehrere in Stuttgart-Mitte. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Bewerber weiter zunehmen wird, sobald die Hochschulen ihre Studierenden informiert haben, ob das Semester als Präsenz-, Online- oder Hybridsemester stattfinden wird. Vermutlich werden wir nicht allen Bewerbern einen Wohnplatz anbieten können“, so die Marketing-Leiterin.

Wohl auch wegen der vergleichsweise günstigen Miete ist der Andrang auf die Wohnheime in Stuttgart und Umgebung groß. „Die Mietpreise in unseren Wohnanlagen belaufen sich, inklusive Nebenkosten, auf monatlich 239 bis 400 Euro – abhängig von Wohnform, Größe und Ausstattung der Zimmer. Die Durchschnittsmiete liegt bei 291 Euro und damit deutlich unter den Preisen auf dem privaten Wohnungsmarkt“, sagt Melanie Westphal. Wer ein solches Zimmer ergattert, kanns ich also glücklich schätzen.

Im Studentenwohnheim „Rossneckar II“ sind zum Wintersemester 2021/2022 noch Zimmer verfügbar.

WG-Zimmer in Stuttgart: Heftige Preise außerhalb von Wohnheimen

Denn wer sich bei diversen Wohnungsportalen umschaut, stellt schnell fest: Das Angebot in Stuttgart scheint zwar riesig, die Zimmer allerdings in Relation zum Preis winzig klein. Der durchschnittliche Mietpreis in Stuttgart liegt aktuell laut Mietspiegel bei 17,87 Euro pro Quadratmeter. Die Realität sieht häufig anders aus.

Für ein 16 Quadratmeter großes WG-Zimmer in Stuttgart Plieningen werden in einer Anzeige immerhin nur 235 Euro verlangt. Der Haken dabei: Hier teilt man sich die Wohnung mit 15 Mitbewohnern. In Stuttgart Mühlhausen hingegen kostet beispielsweise ein 10-Quadratmeter-Zimmer in einer Sechser-WG 480 Euro. Im selben Stadtteil und gleich großer WG werden für 14 Quadratmeter gar 680 Euro fällig.

Je zentraler, umso kostspieliger wird es in der Landeshauptstadt, wie diverse Beispiele zeigen. In Stuttgart Mitte wird ein 20-Quadrat-Meter-Zimmer für 780 Euro angeboten - in einer Dreier-WG. Oder 18 Quadratmeter für 665 Euro. Für stolze 1.025 Euro werden in einer Anzeige 25 Quadratmeter angeboten - immerhin: in einer Zweier-WG. Diese Beispiele zeigen: Wer keinen Platz im Studentenwohnheim bekommt, für den wird es mitunter ziemlich teuer.

Eine WG-Zimmer-Anzeige beim Portal WG-Gesucht.

Bezahlbarer Wohnraum in Stuttgart Mangelware - „Lage in der Hochschulregion spitzt sich wieder zu“

Bezahlbarer Wohnraum ist nicht nur für Arbeitnehmer in der Landeshauptstadt Mangelware. Eine neue Auswertung zeigt, wie viel vom Gehalt die Miete in Stuttgart je nach Berufsgruppe schluckt. Das Studierendenwerk Stuttgart will sein Angebot daher weiter ausbauen und plant unter anderem auf dem Campus Stuttgart-Vaihingen den Neubau der studentischen Wohnanlage „Allmandring V“ mit bis zu 500 Wohnplätzen. Am Standort Ludwigsburg an der Königsallee schreiten die Bauarbeiten an den Wohnanlagen voran. 229 Wohnplätze sind voraussichtlich zum Wintersemester 2022/23 bezugsbereit.

Doch damit ist die Nachfrage längst nicht abgedeckt. Das weiß auch Stefan Schneider, Abteilungsleiters für Wohnen, Bauen und Technik des Studierendenwerks Stuttgart: „Wenn sich die Hörsäle füllen und das Leben an den Campus zurückkehrt, wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Hochschulregion Stuttgart wieder zuspitzen. Umso wichtiger ist es, dass wir unser Angebot für Studierende weiter ausbauen und Wohnplätze zu fairen Mietpreisen schaffen. Dazu benötigen wir weiterhin die Unterstützung des Landes“, sagt er.

Um seine Studenten weiter finanziell zu entlasten, bietet das Studierendenwerk auch noch andere Arten der Unterstützung an. „Es ist unser gesetzlicher Auftrag als auch unser Herzensanliegen Studierende bestmöglich rund um Ihren Studienalltag zu unterstützen“, so Melanie Westphal. In den Mensen wird beispielsweise eine kostengünstige Verpflegung angeboten. Jedes studentische Essen wird durch einen Zuschuss des Landes subventioniert. Auch Studierende mit Kindern erhalten Unterstützung. An den hochschulnahen Kitas bietet das Studierendenwerk 90 Euro günstigere Kita-Plätze an. Krippen-Plätze kosten 105 Euro weniger.

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