33.000 weitere Erzieherinnen und Erzieher benötigt

Studie warnt: Kitas fehlen Zehntausende Fachkräfte

Ein Junge läuft in einem städtischen Kindergarten zur Garderobe.
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Laut einer Studie fehlen in Baden-Württemberg zehntausende Fachkräfte in Kitas und Schulen (Symbolbild).

In baden-württembergischen Kitas soll möglichst kindgerecht betreut werden. Dazu braucht es Erzieherinnen. Aber ihre Zahl reicht nicht. Und es ist sogar mehr Personal nötig als überhaupt in diesem Jahrzehnt ausgebildet werden kann.

Gütersloh/Stuttgart (dpa/lsw) - Trotz eines deutlichen Personalausbaus in den Kitas wird es in Baden-Württemberg schwerfallen, ausreichend Erzieherinnen und Erzieher für die starke Nachfrage in der Kinderbetreuung einzustellen. Bis zum Jahr 2030 müssten die bestehenden Ausbildungskapazitäten fast verdoppelt werden, um den Bedarf kindgerecht zu erfüllen und Kitas auch weiter mit dem heutigen Personalschlüssel auszustatten. Das ist trotz vergleichsweise guten Zahlen nicht zu schaffen, wie Analysen deutlich machen, die die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag in Gütersloh vorgelegt hat.

Laut erstmals veröffentlichtem «Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule» werden in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 rund 36 000 Menschen in den Kita-Beruf eintreten. Das werde aber bei weitem nicht reichen, rechnet die Stiftung vor. Denn um in allen Kitas eine kindgerechte Personalausstattung nach wissenschaftlichen Empfehlungen sowie ausreichend Plätze zu sichern, werden mehr als 33 000 weitere Erzieherinnen und Erzieher benötigt, sind die Experten der Stiftung überzeugt. «Diese Lücke ist bis 2030 weder durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten zu schließen, noch lassen sich bis dahin genügend Quereinsteiger gewinnen und pädagogisch qualifizieren», heißt es in der Studie weiter.

Kitas in Baden-Württemberg: Zahl der fehlenden Fachkräfte könnte sich auf mehr als 41.000 erhöhen

Aber das ist nicht alles: Denn soll bis zum Ende dieses Jahrzehnts auch die Leitungsausstattung auf ein professionelles Niveau gehoben werden, erhöht sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte sogar auf mehr als 41 000.

Sorgen bereiten den Experten unter anderem die nach wie vor ungleichen Voraussetzungen in Ost und West. So sei zum Beispiel die Zahl der unter Dreijährigen in einer baden-württembergischen Kita oder Kindertagespflege zwischen 2011 und 2020 von 57 000 auf etwas mehr als 98 500 Kinder deutlich gestiegen. Dennoch geht aus dieser Altersgruppe nur etwa jedes dritte Kind (30 Prozent) in eine Kita. Diese sogenannte Teilhabequote ist in den ostdeutschen Bundesländern mit durchschnittlich 53 Prozent deutlich höher.

Im Osten muss eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft allerdings auch 5,5 Krippenkinder betreuen, in Baden-Württemberg kann sie sich 3 Jungen und Mädchen widmen. «Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in der frühkindlichen Bildung ist Deutschland also nach wie vor weit entfernt», kritisiert die Bertelsmann Stiftung.

Kitas und Schulen: „Trotz sinkender Geburtenzahlen dürften keine Fachkräfte entlassen werden“

Ihre Prognosen zeigten aber auch, dass es durchaus möglich ist, das «doppelte Ost-West-Gefälle» noch in diesem Jahrzehnt aufzulösen, sagt Kathrin Bock-Famulla, Bildungsexpertin der Stiftung. «Dafür müssen die Ausbildungskapazitäten aufgestockt und genügend Quereinsteigerinnen und -einsteiger gewonnen sowie pädagogisch qualifiziert werden.» Sie schätzt die Lücke unter diesen Voraussetzungen im Südwesten auf ungefähr 20 000 Personen.

Das Land dürfe keine Zeit verlieren, sagt Bock-Famulla. Es müsse bereits jetzt mit dem Ausbau der Kita-Plätze und Ausbildungskapazitäten begonnen, zusätzliche Berufsschullehrer und -lehrerinnen müssten geworben werden. «Trotz sinkender Geburtenzahlen dürften keine Fachkräfte entlassen werden», mahnt die Bildungsexpertin. Freiwerdende Stellen müssten dringend wieder besetzt, Personal gebunden werden. Im Personalschlüssel sehen die Expertinnen die zentrale Stellschraube für Kita-Qualität.

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