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Sexismus-Debatte auf dem Frühlingsfest wird immer größer - Stuttgarts OB gerät ins Kreuzfeuer

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Von: Nadja Pohr

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Frank Nopper neben einer Bude auf dem Stuttgarter Frühlingsfest
Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) rief in der Sexismus-Debatte unter anderem zur Gelassenheit auf. Grüne und Linke im Gemeinderat empfanden sein Statement als unangebracht. © BW24 Montage/dpa/Tom Weller/Bernd Weißbrod

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper ist aufgrund seiner Aussagen in der Sexismus-Debatte rund um das Frühlingsfest ins Kreuzfeuer geraten.

Stuttgart - Die Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart hat mit ihrer Kritik an den Buden der Schausteller auf dem Stuttgarter Frühlingsfest eine riesige Debatte ausgelöst. Einige Motive würden „eindeutig sexistisch und diskriminierende“ Darstellungen zeigen und dadurch eine Grenze von Spaß und Brauchtum eindeutig überschreiten.

Sexismus-Debatte auf dem Frühlingsfest: Grüne und Linke fühlen sich von Stuttgarts OB Nopper angegriffen

Die betroffenen Schausteller auf dem Stuttgarter Frühlingsfest zeigten sich daraufhin von den Anschuldigungen verwundert und fühlten sich von den Grünen an den Pranger gestellt. Sie kritisieren, dass im Vorfeld niemand auf sie zugekommen sei. Außerdem habe sich auch noch nie jemand über die Darstellungen und Verzierungen ihrer Buden beschwert. „Warum soll ich meine Fassade zerstören lassen wegen nichts?“, fragte sich ein Besitzer. Denn eine neue Fassade an einem Fahrgeschäft kann bis zu 80.000 Euro kosten.

In die Sexismus-Debatte hat sich inzwischen auch Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) eingeschaltet. „Ich rate uns zur Gelassenheit, zu Maß und Mitte sowie zur Konzentration auf das, was wirklich wichtig ist“, teilte er mit. Weiter erklärte der Oberbürgermeister, dass der Gemeinderat keine „Zensurbehörde, kein Hoher Rat der Tugend- und Sittenwächter, der Inquisitoren und Diskriminierungsfahnder“ werden solle. Die Grünen-Fraktion und das Linksbündnis fühlen sich von den Aussagen des Oberbürgermeisters im Zuge der Sexismus-Debatte auf dem Stuttgarter Frühlingsfest angegriffen.

Aussagen zu Sexismus-Debatte von Stuttgarts Oberbürgermeister Nopper stoßen auf heftige Kritik

Zunächst veröffentlichten die Fraktionen eine schriftliche Stellungnahme, der eine heftige Diskussion im Gemeinderat am Donnerstag (5. Mai) folgte, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete. Die Grünen empfehlen, dass Nopper „dringend abrüsten und sich die Zeit nehmen soll, über diese Formulierungen neu nachzudenken“.

Die, aus Sicht der Grünen, unverantwortlichen Darstellungen auf den Buden würden genau wie das „unsägliche Statement“ des OBs nur zeigen, dass das Thema Sexismus weiter aufgearbeitet werden müsse. Nopper verlor während der Gemeinderatssitzung auch die Oberhand - die FDP-Stadträtin Sibel Yüksel kritisierte den Oberbürgermeister für die „nicht stringente“ Sitzungsleitung und machte ihn verantwortlich für einen chaotischen Nachmittag. Unterstützung erhielt Nopper lediglich von Vertretern der CDU und der AfD.

Frühlingsfest: Wogen zwischen Schaustellern und Grünen haben sich geglättet

Während sich die Politik in Stuttgart über die Äußerungen des Oberbürgermeisters streitet, haben sich zumindest wohl die Wogen zwischen den Schaustellern und der Grünen-Fraktion geglättet. Bei einem gemeinsamen Rundgang über den Cannstatter Wasen tauschten sich die Grünen-Stadträtin Jitka Sklenarova und der Vorsitzende des Schaustellerverbands in Baden-Württemberg, Mark Roschmann, über die Probleme aus.

Mark Roschmann, Vorsitzender des Stuttgarter Schaustellerverbandes, und Stadträtin Jitka Sklenarova (Grüne), diskutieren auf dem Frühlingsfest in Stuttgart.
Mark Roschmann, Vorsitzender des Stuttgarter Schaustellerverbandes, sprach auf dem Frühlingsfest mit Stadträtin Jitka Sklenarova (Bündnis 90/Die Grünen) über das Thema Sexismus an einigen Schaustellerbuden. © Christoph Schmidt/dpa

Roschmann äußerte, dass man sich der Debatte nicht verschließen werde - immerhin sei man selbst jahrelang Opfer von Diskriminierung gewesen. „Die Zigeuner kommen“, sei immer wieder zu hören gewesen, wenn die Schausteller in eine Stadt kamen. Dennoch betone er auch, dass man richtige Maßstäbe setzen müsse und nicht jedes Jahr neue Vorwürfe aufkommen. Die Grünen-Stadträtin war hingegen um Verständnis bemüht: „Wir müssen jetzt von der Verwaltung erfahren, was ist der aktuelle Stand, bisher wissen wir darüber nichts. Und dann müssen wir eine pragmatische Lösung finden“, sagte sie.

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