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„Fassade zerstören wegen nichts?“: Buden-Besitzer macht Sexismus-Debatte auf dem Frühlingsfest fassungslos

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Von: Nadja Pohr

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Ein Geschäft auf dem Stuttgarter Frühlingsfest
An einem Geschäft auf dem Stuttgarter Frühlingsfest sind bunte Abbildungen angebracht, die nach Ansicht der Grünen-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat diskriminierend und sexistisch sind. © Bernd Weißbrod/dpa

Die Kritik der Grünen über sexistische Darstellungen auf dem Stuttgarter Frühlingsfest können die Betreiber der betroffenen Buden nicht nachvollziehen.

Stuttgart - Das Stuttgarter Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen endet am 8. Mai. Kurz vor dem Abschluss des Festes äußerte die Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart kürzlich scharfe Kritik an einigen Buden der Schausteller: Sie würden „eindeutig sexistische und diskriminierende“ Darstellungen zeigen. Die Sexismus-Debatte nahm kurz darauf in Baden-Württemberg mächtig Fahrt auf.

Schausteller auf Stuttgarter Frühlingsfest können Sexismus-Debatte nicht nachvollziehen

Man wolle niemanden den Spaß nehmen, stellte die Gemeinderätin Petra Rühle klar. „Aber wenn auf einer Abbildung einer Frau die Kleider vom Leib gerissen werden und das als Belustigung gesehen wird, wird definitiv eine Grenze von Spaß und Brauchtum überschritten“, betonte sie. Die betroffenen Schausteller zeigen sich von den Anschuldigungen verwundert und fühlen sich von den Grünen an den Pranger gestellt.

Nach der Veröffentlichung der Grünen-Kritik haben die Buden-Besitzer mitgeteilt, dass man sich die angemahnten Stände genauer anschauen wolle. So auch Thomas Kritz, Betreiber eines Fahrgeschäfts mit Boxautos auf dem Stuttgarter Frühlingsfest, der die Aufregung um die Verzierung nicht nachvollziehen kann. „Niemand hat sich jemals darüber beschwert“, sagte Kritz der Stuttgarter Zeitung. Auch ein Motiv von seinem Fahrgeschäft führten die Grünen als Beispiel in der Sexismus-Debatte auf - doch das Bild sei gar nicht zu sehen. Die kritisierte Darstellung befindet sich auf der Rückseite des Kassenhäuschens und wird vom Bauzaun des Nachbarn verdeckt.

Auf Thomas Kritz sei im Vorfeld niemand zugekommen, beschwert er sich. „Wieso stellt man mich an den Pranger und wirft mir Sexismus vor, ohne mit mir zu sprechen?“, ärgert sich der Schausteller. Kritz werde auch nichts unternehmen, um das Motiv von seinem Fahrgeschäft zu entfernen, da dies zu hohen Ausgaben verbunden sei. „Warum soll ich meine Fassade zerstören lassen wegen nichts?“, fragt er sich. Eine neue Fassade an einem Fahrgeschäft kann bis zu 80.000 Euro kosten, an einer Bude bis zu 8000 Euro.

Großteil im Internet steht bei Sexismus-Debatte hinter den Schaustellern des Frühlingsfestes

Schaustellerin Sabine Ernst hat hingegen reagiert und das kritisierte Motiv geändert. Ihre Bude „Korkenschießen Märchen aus 1001 Nacht“ zierte eine knapp bekleidete Bauchtänzerin. Sabine Ernst klebte ihr kurzerhand einen BH aus Folie auf. Doch auch sie tat dies nicht aus Überzeugung. „Ich mache das nur, damit es nicht heißt, die Volksfeste seien frauenfeindlich.“ Für sie war die Bauchtänzerin die Darstellung einer schönen Frau, die zu ihrer Weiblichkeit stehen würde, erklärt die Schaustellerin, die seit 20 Jahren die Chefin der Bude ist.

„Was ist dann mit der Unterwäschewerbung überall in der Stadt? Wie halten wir es damit?“, äußerte Schausteller Thomas Kritz im Zuge der Kritik an seiner Bude. „Unterwäschewerbung bewirbt exakt Unterwäsche, da sind die Frauen das Subjekt und nicht Deko“, entgegnete ein Nutzer im Internet auf das Argument. Auf Facebook schrieben bereits einige, dass es sicherlich nicht schaden würde, wenn man die Bilder überprüfen würde.

Viele User im Internet kommentierten allerdings, dass es weitaus größere Probleme gebe und stellen sich in der Sexismus-Debatte klar hinter die Schausteller in Baden-Württemberg. „Da regen sie sich auf und im Göttinger Schwimmbad darf man als Frau oben ohne baden gehen“, ärgert sich eine Facebook-Nutzerin. „Schlechte Menschen denken schlecht“, schreibt eine andere Userin dazu. „Wenn sich Leute davon gestört fühlen, dann sollen sie wegbleiben“, so die Meinung eines weiteren Nutzers.

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