Schwertprozess Fortsetzung

Prozess um Schwert-Mord in Stuttgart: Videos der Tat können nur hinter verschlossenen Türen gezeigt werden

  • Julian Baumann
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Im Sommer 2018 tötet ein Mann in Stuttgart mit einem Schwert seinen Mitbewohner. Beim Prozess um den Mordfall können Videos von der grausamen Tat nur hinter verschlossenen Türen gezeigt werden.

  • Ein Mann tötete seinen ehemaligen Mitbewohner in Stuttgart auf offener Straße mit einem Schwert. Die Tat sorgt für Aufsehen.
  • Das Landgericht Stuttgart setzt den Prozess um den Mordfall fort
  • Mehrere Zeugen werden aufgerufen, darunter ein Waffenverkäufer, ein Bekannter des mutmaßlichen Schwertmörders, sowie mehrere Anwohner, die den Machetenangriff gesehen hatten.

Stuttgart - Am Mittwoch setzte das Landgericht Stuttgart den aufsehenerregenden Prozess über den mit einem Schwert begangenen Mord in Stuttgart fort. Ein Mann tötet im Sommer 2018 im Stadtteil Fasanenhof seinen ehemaligen Mitbewohner auf offener Straße mit einem 73 Zentimeter langen Samuraischwert.

Mehrere Anwohner sahen den Schwert-Mord in der Hochhaussiedlung in Stuttgart und machen Videos mit ihren Handys. Viele dieser Videos, die die blutige Tat in Stuttgart zeigen, sind im Internet abrufbar. Der Angeklagte Issa M. schweigt bisher vor Gericht.

Beim Beginn des Prozesses um den mutmaßlichen Schwertmörder in Stuttgart kam es Mitte April nach wenigen Minuten zum Abbruch. Der Angeklagte Issa M. hat am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Stuttgart angegeben, zu den Vorwürfen schweigen zu wollen. Die Verteidung stellte gegen den psychiatrischen Gutachter einen Befangenheitsantrag. Dadurch kam es zu einem frühen Abbruch der Verhandlung um den Schwert-Mord in Stuttgart.

Mehrere Anwohner machten Videos von der Bluttat, die als Beweismittel dienen sollen. Drei dieser Handy-Videos wurden in dem Prozess gezeigt, allerdings nur hinter verschlossenen Türen. Der Richter befürchtete ansonsten Tumulte im Gerichtssaal und Angriffe auf den Angeklagten. Wilhelm. L., das Opfer in dem Mordfall war Russlanddeutscher. Bei dem Prozess seien laut Richter viele andere Russlanddeutsche anwesend.

Das Motiv fehlt bislang, da der Angeklagte Issa M. keine Aussage macht. Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg findet die Verhandlung unter entsprechenden Schutzmaßnahmen statt.

Schwertprozess in Stuttgart: Angeklagter macht vor der Tat seltsame Äußerungen.

Stuttgart: Der im Mordfall mit einem Schwert angeklagte Issa M. kommt in den Gerichtssaal

Ein Bekannter des mutaßlichen Täters Issa M. sagt beim Prozess um den Mord mit einem Schwert in Stuttgart aus. Er berichtet von seltsamen Äußerungen, die der Angeklagte getätigt habe. Vor dem Machetenangriff habe der Zeuge den Angeklagten mehrfach getroffen. Der Bekannte erzählt, dass der Angeklagte nach eigenen Angaben den Mond in zwei Stücke zerbrochen gesehen habe und dass eine Stimme aus dem Himmel zu ihm gesprochen habe. Issa M. bezeichnete sich nach Angaben des Bekannten als „Messias" und hat in den Tagen vor dem Mordfall häufig über Religion gesprochen.

Prozess um Schwert-Mord in Stuttgart: Sozialarbeiterin beschreibt Angeklagten als „unauffällig und ruhig“

Einige Tage vor dem Prozess besucht der mutmaßliche Schwertmörder von Stuttgart eine Sozialbearbeiterin. Vor dem Landesgericht beschreibt sie den Angeklagten als „unauffällig und ruhig“. Issa M. habe ihr in den Gesprächen erklärt, dass er nicht aus Syrien stamme, sondern Jordanier sei. Nach Aussage der Sozialbearbeiterin bat Issa M. darum, aus Deutschland ausreisen zu dürfen. Er sagte, er wisse nicht mehr, wer er ist.

Auch der Verkäufer, der dem Angeklagten das Schwert in Stuttgart verkauft hat, macht seine Aussage in dem Prozess. Nach seinen Angaben kauft Issa M. das 73 Zentimeter lange Samuraischwert um 16 Uhr bei ihm. Danach wartet er einige Zeit vor dem Wohnblock, wie mehrere Anwohner vor dem Landesgericht Stuttgart berichten. Das gekaufte Schwert habe der Angeklagte dabei in einem Karton verwahrt. Als sein ehemaliger Mitbewohner - in Begleitung seiner 11-jährigen Tochter - nach Hause kam, soll ihm Issa M. gefolgt sein und ihn mit dem Schwert getötet haben.

Schwertprozess in Stuttgart: Polizeibeamter will Opfer helfen und wird von Schwertmörder bedroht

Ein Polizist, der in der der Nähe des Mord-Schauplatzes in Stuttgart wohnt, beobachtete Issa M. nach eigenen Angaben vor der Tat. Nach dem brutalen Angriff mit dem Schwert versuchte der Polizist, dem Opfer zu helfen. Er sagt im Prozess vor dem Landgericht Stuttgart aus, dass der Angeklagte ihn ebenfalls mit dem Schwert bedroht habe. Daraufhin wich der Polizeibeamte zurück.

Fortsetzung des Schwertprozesses in Stuttgart: Angeklagter schweigt noch immer

Am Mittwoch berichten mehrere Zeugen von dem Mordfall auf offener Straße in Stuttgart. Der brutale Angriff mit dem Schwert sorgt deutschlandweit für Schlagzeilen. Der Angeklagte Issa M. schweigt noch immer zu den Vorwürfen und wirkte im Gerichtssaal teilnahmslos.

In Baden-Württemberg findet derzeit ein weiteres Aufsehen erregendes Gerichtsverfahren statt: Der Prozess um einer Gruppenvergewaltigung in Freiburg wurde wegen des Coronavirus in einen Konzertsaal verlegt. Nur so lässt sich der Mindestabstand einhalten, der durch Covid-19 erforderlich ist.

Ende Juli kam es zu einem weiteren Tötungsdelikt in Stuttgart. Nach einer Zeugenmeldung fand die Polizei eine Frauenleiche in einer Wohnung im Stadtteil Wangen. Dabei kamen sie einem beklemmenden Familiendrama auf die Spur. Nach einer kurzen Fahndung verhaftete die Einsatzkräfte einen 23-Jährigen. Er soll seine Mutter bei einem Streit in der gemeinsamen Wohnung getötet haben.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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