Schockierende Bilder in Schlachthof

Hochintelligente Tiere: Die Haltung in Mastbetrieben ist für Schweine besonders qualvoll

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Immer wieder geraten Fälle von Tierquälerei in Mastbetrieben in die Schlagzeilen. Die grausamen Lebensumstände und Hygienebedingungen sind für Schweine besonders qualvoll. Forscher arbeiten deshalbv nun an einem neuen Stallkonzept.

Stuttgart - Ein Team von der Universität Hohenheim arbeitet derzeit an der Entwicklung von 36 innovativen Stallkonzepten, bei denen das Tierwohl der Schweine im Fokus steht. Immer wieder kommen Skandale aus Mastbetrieben mit Massentierhaltung ans Licht. Vergangene Woche berichtete BW24 über die schockierenden Szenen aus einem Schlachthof in Baden-Württemberg.

Die SOKO Tierschutz in München hatte besonders grausame Details aus einem Betrieb in Gärtringen - etwa 25 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart - an die Öffentlichkeit gebracht. Mit heimlich installierten Kameras dokumentierte der Verein etwa zwei Wochen lang die unwürdigen und grausamen Bedingungen, unter denen die Schweine in dem Schlachthof zu leiden hatten. Anschließend erstattete die Tierschutzorganisation Strafanzeige, woraufhin das Landratsamt Böblingen die Schließung des Betriebs beschloss.

Qualvolle Lebensumstände in Aufzuchtanlagen sind für Schweine besonders schlimm

Schlachthof in Gärtringen: Tierschützer deckten grausame Szenen von Tierquälerei auf.

Gerade für Schweine sind die brutalen Bedingungen in vielen Schlachthöfen und auch bereits vorher in den Aufzuchtanlagen besonders qualvoll. Was viele nämlich nicht wissen: Schweine sind äußerst intelligente Tiere. Eine Studie der Universität Cambridge zeigt, dass die Paarhufer beispielsweise ihr eigenes Spiegelbild wahrnehmen können und sogar in der Lage sind, mithilfe der Reflexion Futter aufzuspüren, das ohne diese nicht sichtbar gewesen wäre.

Ein Hund etwa denkt wie die meisten Tiere, dass er einem Artgenossen gegenübersteht, wenn er in den Spiegel schaut. Schweine gehören zu den wenigen Tierarten, die intelligent genug sind, ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen - dazu gehören auch Delfine, Elefanten und Menschenaffen. Außerdem haben Schweine ein hervorragendes Erinnerungsvermögen - sie können sich beispielsweise besonders effizient merken, wo es gute Futterstellen gibt.

„Schweine sind intelligente Tiere, ihnen wird schnell langweilig“, wird Agrarwissenschaftlerin Eva Gallmann von der Universität Hohenheim in einer Pressemitteilung zitiert. Aus diesem Grund arbeitet ein Forschungsteam des Campus Hohenheim mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen zusammen an innovativen Bauprojekten sowie Praxisempfehlungen für eine artgerechte Haltung der Tiere, bei der aber auch die Themen Umwelt und Wirtschaft nicht außen vor gelassen werden.

Aufgrund ihrer Intelligenz „ist es wichtig den Tieren abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, damit es nicht zu aggressivem Verhalten kommt“, so Eva Gallmann. Dabei sollen wechselndes Spielzeug und eine fortschrittliche Fütterungstechnik helfen. Schweine wühlen von Natur aus gerne. „Die Tiere brauchen verschiedene Bereiche. So können beispielsweise Teile des Stalls mit Wühlerde eingestreut sein, damit die Tiere ihrem Wühltrieb nachkommen können. In anderen Bereichen können Untergründe mit Stroh sinnvoller sein“, meint die Wissenschaftlerin von der Universität Hohenheim.

Ein weiterer Faktor, der durch die innovativen Konzepte der Universität Stuttgart zum Tierwohl beitragen soll, ist das Thema Platz.  „Optimal ist eine Kombination von Außen- und Innenbereich, sodass die Schweine sich der Witterung entsprechend in die Sonne legen oder zurückziehen können. Darüber hinaus bietet ihnen das auch die Möglichkeit, sich ausreichend zu bewegen“, so Eva Gallmann.

In vielen industriellen Großzuchtanlagen, aber auch in kleineren Betrieben leben die Schweine auf engstem Raum unter zum Teil katastrophalen hygienischen Umständen. Gerade für Schweine ist das jedoch besonders qualvoll. Die Tiere sind nicht nur besonders intelligent, sondern entgegen ihres Rufs auch äußerst reinlich. „Sie legen Toiletten an und versuchen, soweit wie möglich von diesen entfernt zu liegen“, erklärt Eva Gallmann von der Universität Hohenheim.

Schweine mögen es sauber - die reinlichen Tiere brauchen daher viel Platz

Der Mythos vom dreckigen Schwein kommt vermutlich daher, dass die Paarhufer sich gerne im Schlamm wälzen. Das hat jedoch einen praktischen Grund, denn dieser schützt sie vor Sonnenbrand, Insekten und bietet im Sommer noch dazu eine Kühlfunktion. Und Spaß haben die schlauen Tiere beim Suhlen auch.

Aufgrund der Folgen des Coronavirus verbot das Land Baden-Württemberg eine grausame Praxis bei Nutztieren. Derweil bereitete sich der umstrittene Schlachtkonzern Tönnies mit Plänen für Baden-Württemberg auf eine neue Gesetzeslage vor - die Landesregierung machten diese jedoch stutzig.

Rubriklistenbild: © SOKO Tierschutz e.V./ARD Fakt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare