Schwarzer Donnerstag

„Gesellschaftliche Narben“: Zehn Jahre später - Twitter-Nutzer gedenken dem Schwarzen Donnerstag

Ein Wasserwerfer spritzt im Schlossgarten in Stuttgart auf Demonstranten, die gegen die geplante Abholzung mehrerer Bäume im Park protestieren.
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Zehn Jahre später - Kommentare auf Twitter erinnern an den Schwarzen Donnerstag in Stuttgart.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Der Schwarze Donnerstag ist auch nach zehn Jahren im Gedächtnis der Bevölkerung verankert - wie Netzkommentare zeigen.

Stuttgart - An diesem Mittwoch jährt sich eine der dunkelsten Stunden in der jüngeren Geschichte der Landeshauptstadt Stuttgart bereits zum zehnten Mal. Die Demonstrationen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 waren weit über die Grenzen Baden-Württembergs bekannt. Am 30. September des Jahres 2010 kam es jedoch im Herzen der Schwaben-Metropole auf dem Schlossplatz zu Szenen, die auch heute noch nicht vergessen sind. Zum traurigen Andenken an den Schwarzen Donnerstag zeigten viele Menschen auf Twitter ihre Solidarität und ihre noch immer ungebrochene Fassungslosigkeit.

Am Vormittag des 30. September 2010 besetzten viele Gegner des Bahnprojektes Stuttgart 21 den Schlossgarten in Stuttgart. Grund für die Versammlung war eine durchgesickerte Information über einen unmittelbar bevorstehenden Polizeieinsatz. Eine zeitgleich in der Innenstadt stattfindende Schülerdemo wurde beendet. Mehrere Hundert Menschen strömten daraufhin in den Park - die meisten von ihnen waren Minderjährige. Sie kletterten auf Bäume und blockierten Zufahrtswege. Die Polizei reagierte mit unerwarteter Gewalt, was dazu führte, dass der Schwarze Donnerstag traurige Berühmtheit erlangte.

Schwarzer Donnerstag: Polizei geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor - Netzkommentare erinnern

Nach der Besetzung des Schlossgartens am Schwarzen Donnerstag reagierte die Polizei mit ungewohnter Gewalt. Polizeibeamte aus ganz Baden-Württemberg waren im Einsatz. Verstärkt wurden die Einheiten von Polizisten aus Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen die meist minderjährigen Demonstranten ein. Eine große Anzahl der Teilnehmer wurde dabei verletzt.

Auch nach zehn Jahren sind viele Twitter-Nutzer fassungslos und schildern ihre Eindrücke des Schwarzen Donnerstags. „Überall Polizeistreifen und Gerüchte besagten, dass Wasserwerfer bereitstünden. Ich wollte es nicht glauben. Ich sollte eines Besseren belehrt werden“, erinnert sich ein Nutzer. „Vermutlich weiß noch jeder Stuttgarter, was er am 30.09.2010 gemacht hat“, heißt es in einem anderen Tweet. „Heute vor zehn Jahren wurde mein Vertrauen in die Demokratie zerstört“, schrieb eine weitere Userin auf Twitter.

Schwarzer Donnerstag: „Momente, die Stuttgart geprägt haben - im Guten wie im Schlechten - wachhalten“

Der Schwarze Donnerstag war eine tiefschwarze Stunde für die sonst so friedliche Landeshauptstadt. Auch Mutherem Aras, die Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg, äußerte sich auf Twitter zum zehnjährigen Jahrestag. „Der friedliche Protest einer selbstbewussten Bürgerbewegung war ein Gewinn für unsere Demokratie!“, erklärt sie. „Seine harte und unverhältnismäßige Auflösung hingegen hinterließ gesellschaftliche Narben und kostete Vertrauen, das wir als Grundlage unseres Zusammenlebens brauchen“.

Zum Gedenktag des Schwarzen Donnerstags wird nicht nur eine Kundgebung am Ort des Geschehens stattfinden, auch das Stadt Palais erzählt die Geschichte des 30. September 2010 mit Originalaufnahmen. „Es ist wichtig, dass wir diese Momente, die Stuttgart geprägt haben - im Guten wie im Schlechten - wachhalten“, schreibt Mutherem Aras auf Twitter.

Zehn Jahre nach dem Schwarzen Donnerstag kam es in der Landeshauptstadt erneut zu denkwürdigen Tumulten. Bei den Ausschreitungen in Stuttgart Ende Juni zogen nach einer Polizeikontrolle Hunderte meist junge Leute plündernd und randalierend durch die Innenstadt. Bei den Auseinandersetzungen wurden mehrere Polizisten und auch Randalierer verletzt.

Pünktlich zum Jahrestag: Landesregierung erlässt Polizeigesetz - Nutzer können es nicht fassen

Pünktlich zum Jahrestag des Schwarzen Donnerstags erließ die Landesregierung ein neues Polizeigesetz. Unter anderem dürfen Beamte Bodycams nun auch in Wohnungen oder Diskotheken einsetzen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch berichtete. Bei den Twitter-Nutzern sorgt das gewählte Datum für Unverständnis. „Am Jahrestag der Polizeigewalt bei Stuttgart 21 verabschieden die Grünen und die CDU das härteste Polizeigesetz in Deutschland und gleichzeitig wundert man sich, warum das Vertrauen in die Polizei sinkt“, schreibt ein Nutzer. „Glückwunsch, liebe Grünen-Fraktion zur Verabschiedung der Verschärfungen im Polizeigesetz“, heißt es von einem anderen, der hinzufügt: „Und ein gutes Datum habt ihr auch gewählt: Zehn Jahre Schwarzer Donnerstag - Unfassbar!“.

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