Corona-Ausbruch in Freiburger Kita

Schulen und Kitas in BW bleiben bis 21. Februar geschlossen - „brauchen Geduld“

Der vierjährige Jenke schaut neben seiner Mutter durch die Glastür in seinen Gruppenraum in der Kindertagesstätte
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Kitas in Baden-Württemberg bleiben bis mindestens 21. Februar geschlossen.
  • Carolin Freytag
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    Sina Alonso Garcia
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Die Schulen und Kitas in Baden-Württemberg bleiben weiterhin geschlossen. Nach einem Corona-Ausbruch in einer Freiburger Kita hat sich die Landesregierung zu diesem Schritt entschieden.

Update vom 29. Januar, 10:31 Uhr: Jetzt steht es fest: Schulen und Kitas in Baden-Württemberg bleiben weiter geschlossen - und zwar vorerst bis zum 21. Februar. Nachdem Anfang der Woche ein Corona-Ausbruch in einer Freiburger Kita bekannt wurde, vertagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Entscheidung, ob am 1. Februar geöffnet wird. Am Donnerstagabend fiel dann die Entscheidung, die Schulöffnungen zu verschieben.

 „Es tut mir wirklich außerordentlich leid, dass wir unseren Plan, die Kitas und Grundschulen zu öffnen, jetzt nicht umsetzen können“, sagte Winfried Kretschmann laut der Deutschen Presseagentur. Nach dem Ausbruch mit Mutationen des Coronavirus in Freiburg sei das Risiko zu groß. „Ich sehe, was das an Belastung für die Familien und die Kleinen bringt.“ Aber es müsse jetzt jeder einsehen, dass es bei dieser Lage nicht möglich sei. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass sich 18 von 25 infizierten Personen in der Freiburger Kita mit der Corona-Mutation aus Südafrika angesteckt haben.

Kultusministerin Susanne Eisenmann wirbt unterdessen um Verständnis für die Verzögerungen: „Wir gehen davon aus, dass wir noch gemeinsam Geduld brauchen. Das Tempo macht Corona - und nicht wir.“ Sie gehe davon aus, dass es noch Wochen dauere, bis sich die Situation normalisiert.

Update vom 28. Januar, 16:26 Uhr: Wie es mit den geplanten Öffnungen von Schulen und Kitas in Baden-Württemberg weitergeht, bleibt weiter unklar. Die Entscheidung über die Öffnung am 1. Februar wurde am Dienstag vertagt, nachdem ein Corona-Ausbruch mit mutierten Coronaviren in einem Freiburger Kindergarten bekannt wurde. Inzwischen gelten elf Kinder und 14 Erzieher aus der Kita als Corona-Fälle, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Hinzu kämen neun enge Kontaktpersonen. Weitere Ergebnisse stehen derzeit noch aus.

Nun streiten Gesundheitsminister Manfred Lucha und Kultusministerin Susanne Eisenmann um das weitere Vorgehen. Lucha sprach sich gegen eine baldige Öffnung von Kitas und Schulen aus und forderte außerdem, die Notbetreuung einzuschränken. Eisenmann hält dagegen und will erst einmal die „lückenlose Aufklärung“ abwarten, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden. Luchas Forderung, die Notbetreuung einzuschränken, erteilt Eisenmann eine Absage: „Familien sind in besonderer Weise von den Einschränkungen der Corona-Maßnahmen betroffen. Es irritiert deshalb, dass Familienminister Lucha die Lebenswirklichkeit der Familien verkennt.“

Eisenmann erklärte, dass alles dafür spreche, dass die Virusübertragung im privaten Bereich stattgefunden habe. Man solle deshalb „keine vorschnellen Konsequenzen“ ziehen.

Update vom 27. Januar, 15 Uhr: Eigentlich wollten Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann am Nachmittag verkünden, dass Grundschulen und Kitas am kommenden Montag, den 1. Februar, wieder geöffnet werden sollen. Nun wird die Entscheidung über die Schulöffnungen in BW vorerst vertragt. Der Grund: Unter anderem in einer Freiburger Kita haben sich zahlreiche Menschen mit Corona-Mutationen infiziert. Wie ein Regierungssprecher der Deutschen Presseagentur zufolge erklärte, seien acht neue Fälle von Virusmutationen im Südwesten bekannt geworden, unter anderem bei zwei Kindern in einem Kindergarten in Freiburg. 21 Menschen in dem Freiburger Kindergarten seien infiziert. Um welche Mutationen es sich handelt, ist bisher nicht klar.

Zuvor hatte Winfried Kretschmann bereits erklärt, wenn sich die neuen Virusvarianten aus Großbritannien oder Südafrika im Südwesten verbreiteten, gebe es eine neue Lage. „Das kann zu drastischen Maßnahmen führen.“ Dann müssten auch Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Diese Phase der Pandemie sei eine der schwierigsten.

Update vom 26. Januar, 14.12 Uhr: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann fordert bereits seit Wochen, die Schulen im Land wieder zu öffnen und Präsenzunterricht trotz der noch immer hohen Coronainfektionszahlen wieder zuzulassen.

Nun hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine Entscheidung gefällt: Kitas und Grundschulen im Land sollen vom kommenden Montag an schrittweise wieder öffnen können, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Am morgigen Mittwoch will Kretschmann dann die endgültige Entscheidung treffen. Wegen der weiter sinkenden Coronazahlen sei es „verantwortbar“, die Schulen und Kitas wieder zu öffnen - aber „behutsam“. Das Kultusministerium habe ein Konzept vorgelegt, so Kretschmann.

So sollen die Klassen dann halbiert werden. Eine Präsenzpflicht soll es nicht geben und die Notbetreuung weiterhin gewährleistet sein. Lehrer und Lehrerinnen an Grundschulen habe man mit hochwertigen Masken ausgestattet.

Erstmeldung vom 21. Januar 2021: Stuttgart - „Kinder brauchen andere Kinder wie der Fisch das Wasser.“ So verteidigte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) seinen Plan, Grundschulen und Kitas trotz der noch immer angespannten Lage wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg bereits am 1. Februar wieder zu öffnen. „Ich habe den Beruf des Lehrers nicht zufällig ergriffen“, sagte er laut Deutscher Presseagentur am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Landtag. „Deswegen wiege ich hier auch nicht mit der Viehwaage, sondern mit der Goldwaage.“

Entgegen der gemeinsamen Beschlüsse von Bund und Ländern, Schulen und Kitas bis mindestens 14. Februar geschlossen zu halten, will Kretschmann in Baden-Württemberg früher öffnen. Baden-Württemberg fährt damit einen eigenen Kurs. Für diesen Vorstoß erntete der Ministerpräsident viel Kritik: Die Gewerkschaft der Lehrer und Erzieher findet den Plan „utopisch“. Kretschmann hingegen ist überzeugt, dass die Entscheidung „verantwortbar“ sei, wenn die Infektionszahlen weiter sinken. „Dabei gehen wir nicht mit der Brechstange vor, sondern mit Umsicht und Vorsicht“, verkündete der Grünen-Politiker. Es werde nur eine schrittweise Öffnung bei den Grundschulen geben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann schätzt Ansteckungsgefahr von Kindern als geringer ein

Der Ministerpräsident begründete seine Entscheidung damit, dass er sich intensiv von Virologen, Epidemiologen sowie Kinder- und Jugendärzten beraten lassen habe. Bei der Verbreitung des Coronavirus seien Kinder unter zehn deutlich weniger ansteckend als Erwachsene. Sie seien keine „Treiber“ des Infektionsgeschehens und würden viel seltener schwer krank. Kretschmann bekundete zudem laut dpa großes Mitleid mit den Kindern. Gerade die Kleinsten würden unter den fehlenden Sozialkontakten leiden.

Kretschmann betonte, dass der Beschluss von Bund und Ländern vom Dienstag ein Abweichen zulasse. Dabei verweist er auch auf andere Bundesländer. So solle es in Bayern und Rheinland-Pfalz ebenfalls eigene Regeln geben. Kretschmann stört sich deshalb an der Aussage, Baden-Württemberg gehe einen „Sonderweg“. Er plane nicht, die Grundschulen und Kitas von heute auf morgen zu öffnen. Höchstens die Hälfte einer Klasse könne zur selben Zeit unterrichtet werden, so der Grüne Ministerpräsident. Die Faschingsferien ab dem 15. Februar wolle er dann nutzen, um nachzuvollziehen, ob es durch die Öffnung mehr Neuinfektionen gab.

Schulöffnungen in Baden-Württemberg: Angela Merkel „nicht erfreut“

Allerdings war auch Kanzlerin Angela Merkel nicht begeistert vom Kurs in Baden-Württemberg: „Selbstverständlich war die Kanzlerin nicht erfreut, was wir in Baden-Württemberg jetzt machen“, sagt Winfried Kretschmann laut dpa. Politisch sei das nicht gerade der günstigste Augenblick, das zu machen, sagte Kretschmann. Aber in der Sache sei die schrittweise Schulöffnung zu vertreten. Dieses Vorgehen sieht Kretschmann auch vom Beschluss von Bund und Ländern gedeckt, der den Ländern Spielraum beim Präsenzunterricht lässt.

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