„Müssen handeln“

Schulen schließen: bei Inzidenz über 165 nur noch Fernunterricht

Kinder sitzen mit Masken in einem Klassenzimmer.
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Viele Städte in Baden-Württemberg müssen die Schulen jetzt wieder dicht machen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Bisher mussten Schulen in Baden-Württemberg bei Inzidenzen von über 200 schließen. Ab heute gilt wegen der „Bundesnotbremse“ ein deutlich niedrigerer Wert. Zahlreiche Schulen im Land sind betroffen.

Update, 23. April, 9.45 Uhr: Mit der Bundesnotbremse, die ab heute auch in Baden-Württemberg in abgeänderter Form gilt, wurde der Grenzwert für die Schulschließungen noch einmal deutlich heruntergeschraubt. Statt 200 liegt der Inzidenzwert, ab der die Schulen wieder dichtmachen müssen, jetzt bei 165. Das bedeutet konkret: Alle Stadt- und Landkreise, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Wert von 165 überschreitet, müssen ihre Schulen schließen und Schüler in den Fernunterricht schicken. Auch die Regelbetreuung in Kitas ist dann untersagt.

Kritikern ist derweil selbst der Wert von 165 noch nicht konsequent genug. Monika Stein, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, sagte dem SWR: „Der Inzidenzwert von 165 ist noch viel zu hoch. Ein Gesundheitsschutz für alle Beteiligten in Schulen und Kitas ist so nicht möglich.“ Die GEW fordert als Grenzwert für Schulschließungen eine Inzidenz von 100. Eine Vertreterin der Initiative „Sichere Bildung“ kritisierte den Inzidenzwert von 165 gegenüber dem SWR sogar als „Armutszeugnis“ und verlangte einen Grenzwert von 50.

Eine ganz andere Stimmung zeigt sich beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Wir begrüßen den Inzidenzwert von 165 sehr“, sagte Baden-Württembergs Landesvorsitzender Gerhard Brand dem SWR. Mit begleitenden Maßnahmen wie zweimaligen Corona-Tests pro Woche für Schüler und Lehrkräfte sei Präsenzunterricht dann machbar. Auch die Kitas dürfe man mit den Corona-Tests nicht alleine lassen, so der VBE-Vorsitzende.

Update, 19. April, 14.56 Uhr: Nicht nur in Stuttgart werden diese Woche wegen hoher Inzidenzen Schulen und Kitas wieder geschlossen. Auch andere Stadt- und Landkreise müssen ihre geplanten Öffnungsschritte wieder zurücknehmen und auf Fernunterricht und Kinderbetreuung zu Hause umsteigen. Doch dem Bund geht der aktuelle Grenzwert bei den Inzidenzen für die Schulschließungen nicht weit genug. Wie nun die Regierungsfraktionen von Union und SPD im Bund fordern, soll bereits ab einem Wert von 165 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern nur noch Fernunterricht zugelassen werden.

Über das Infektionsschutzgesetz mit dem neuen Grenzwert stimmt der Bundestag am kommenden Mittwoch ab. Falls das Gesetz so kommt, würde das für Baden-Württemberg bedeuten: Mehr als die Hälfte der 44 Stadt- und Landkreise dürfen (Stand 19. April) an Schulen nur noch Distanzunterricht erlauben. Derzeit liegen 23 Kreise über dem Wert von 165, zehn weitere Kreise liegen nur knapp darunter.

Erstmeldung vom 19. April, 14.03 Uhr: Stuttgart - In der Landeshauptstadt Stuttgart werden bereits an diesem Donnerstag alle rund 230 Schulen und 600 Kitas wieder geschlossen. Weil die Inzidenz auch am Montag über 200 liegt, fällt die Stadt der in Baden-Württemberg geltenden Notbremse zum Opfer. Die neue Corona-Verordnung schreibt vor, Schulen in Kreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 200 an drei aufeinander folgenden Tagen dicht zu machen. Auch Kitas sind betroffen und dürfen in dem Fall nur noch Notbetreuung anbieten.

Bereits am vergangenen Freitag hatte die Stadt Stuttgart in einem eindringlichen Appell empfohlen, Schulen am Montag nicht zu öffnen und Kita-Kinder zu Hause zu betreuen. „Die steigende Inzidenz zwingt uns zum Handeln“, sagte Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung. Bislang handelte es sich jedoch nur um eine Empfehlung und keine verbindliche Regel für alle. Laut einer Allgemeinverfügung, die die Stadt nun veröffentlichte, werden Schulen und Kitas am Donnerstag wieder schließen. Vom verbindlichen Fernunterricht ausgeschlossen sind dann nur die Notbetreuungen in den Klassen 1 bis 7 sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren.

Schulen und Kitas in Stuttgart und Baden-Württemberg machen wieder dicht

So wie Stuttgart geht es aktuell elf weiteren Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg. Auch hier kletterten die Inzidenzen drei Tage in Folge über einen Wert von 200 - oder stehen kurz davor. Zu den betroffenen Regionen gehören die Stadt- und Landkreise Heilbronn, Schwäbisch Hall, der Hohenlohekreis, Göppingen, Heidenheim und Rastatt. Mindestens sechs weitere Kreise im Südwesten liegen nur knapp unter dem kritischen Schwellenwert von 200 oder haben ihn am Samstag wie der Kreis Ludwigsburg erstmals überschritten.

Bereits nach den Osterferien starteten die Schulen in Baden-Württemberg am 12. April anders als geplant wieder im Fernunterricht. Geplante Öffnungsschritte wurden zurückgenommen. Seit dem 19. April gilt eine Testpflicht für Schüler in Regionen mit Inzidenzen über 100. Diese wird jedoch in den Regionen hinfällig, in denen die Schulen aufgrund der Inzidenzen von über 200 ohnehin wieder dicht machen.

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