Massive Wissenslücken bei Schülern

Kretschmann will Ferien in Baden-Württemberg verkürzen

Drei Schüler gehen mit Schulranzen zum Eingang einer Grundschule in Prenzlauer Berg.
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Winfried Kretschmann kann sich vorstellen, die Sommerferien in Baden-Württemberg kürzer ausfallen zu lassen.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Weil die Schulen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg lange geschlossen waren und zum Teil noch immer sind, will Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Ferien verkürzen - um Stoff nachzuholen.

Stuttgart - Seit Wochen und Monaten stellt sich Eltern in Baden-Württemberg die Frage: Wie und wann geht es denn nun weiter mit dem Unterricht in der Schule? Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ist der Betrieb von Schulen und Kitas seit Monaten beeinträchtigt, Homeschooling an der Tagesordnung. Erst seit dem 22. Februar findet Unterricht immerhin teilweise wieder in Grundschulen statt, auch Kinderbetreuung in Kitas ist wieder umfassender möglich. Doch alles andere ist und bleibt ungewiss.

Auch die Konferenz der Ministerpräsidenten am Mittwochabend, bei der der aktuelle Lockdown mit neuen Regeln bis zum 29. März vorläufig verlängert wurde, hat beim Thema Schulen keine weitere Klarheit gebracht. Dazu kommt: Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen derzeit sogar wieder an. 1.385 Neuinfektionen meldete das RKI allein am Donnerstagmorgen für das Bundesland. Baden-Württemberg hat derzeit eine 7-Tage-Inzidenz von 54,4.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schulen und Kitas auf Sparflamme - Ferien in Gefahr?

Eine Lösung soll dennoch her. Denn mitunter muss viel Lernstoff nachgeholt werden. In vielen Fällen reicht Homeschooling nicht aus, um die entstehenden Lernlücken zu füllen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat nun einen Vorschlag gemacht, wie der Lernstoff aufgeholt werden könnte: mit kürzeren Ferien.

„Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen“, erklärte Winfried Kretschmann gegenüber dem Mannheimer Morgen. „Solche Überlegungen wird man ernsthaft anstellen müssen.“ Dabei könne man über die Sommerferien nachdenken. Er habe zu Beginn viele Klagen für etwas übertrieben gehalten, so der Ministerpräsident. „Ich hatte als Schüler Kurzschuljahre und habe es trotzdem zum Ministerpräsidenten gebracht. Aber jetzt, wo es so lange dauert, fängt mein Herz doch an zu bluten.“

Wissenslücken durch geschlossene Schulen: „Sonderprogramme und Betreuungsangebote“

Mit einer einfachen Kürzung der Ferien ist es jedoch laut Winfried Kretschmann auch nicht getan. „Zur Behebung der Defizite braucht es zusätzliche Betreuungsangebote und Sonderprogramme.“ Zudem müssten sich die Lehrer erst einmal einen Überblick darüber verschaffen, welche Lücken bei den Schülern in den vergangenen Wochen und Monaten überhaupt entstanden sind.

Es müsse nun um „zielgerichtete Förderung“, betont Kretschmann. Dafür könnten auch Nicht-Lehrkräfte eingesetzt werden, um die nötigen Nachhilfe-Angebote auf die Beine zu stellen.

Wann weitere Öffnungen der Schulen in Baden-Württemberg geplant sind, ist bisher noch ungewiss. Kultusministerin Susanne Eisenmann beharrt seit Wochen auf schnelle Schulöffnungen. Die Herausforderin von Winfried Kretschmann im Kampf um den Posten als Ministerpräsident betont immer wieder die Notwendigkeit des Präsenzunterrichts.

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