Restaurants in der Krise

Massensterben: Zahllose beliebte Lokale in Stuttgart haben Lockdown nicht überlebt

Lockdown
+
Tische und Stühle stehen vor einem geschlossenen Restaurant (Symbolfoto)
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Für viele Gastronomen bedeutete die Corona-Krise das Aus. Auch in Stuttgart und der Region machen einige beliebte Lokale, Kinos und Co. für immer dicht.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat fatale Folgen für die Wirtschaft. Gerade Gastronomen stecken in der Krise. Verbote und Maßnahmen sowie deutliche Umsatzeinbrüche lassen die Betroffenen verzweifeln. In Stuttgart und der Region mussten bereits mehrere Restaurants, Kinos und Institutionen schließen. Ein Überblick.

Sie haben hart gekämpft - bis zum bitteren Ende. Und doch mussten viele Lokale in Stuttgart und Umgebung den Betrieb einstellen. Immer neue Auflagen sowie zu lange Schließzeiten durch wiederkehrende Lockdowns drängten die Gastronomen in die Enge. Erst kürzlich wurde bekannt: Das Traditionslokal „Alte Hupe“ schließt nach mehr als 20 Jahren. Fans der schwäbischen Kult-Kneipe aus dem Stuttgarter Süden sind fassungslos. „Das tut mir in der Seele weh“, schreibt ein ehemaliger Stammgast auf Facebook.

Schließungen von Restaurants in Stuttgart: Rote Kapelle, Lichtblick und Co. sind Geschichte

Schlag auf Schlag trifft es nun weitere Gastronomen in Stuttgart. Auch das „Lichtblick“ in der Reinsburgstraße verkündete, nach 20 Jahren seine Pforten für immer zu schließen. „Wir haben lange gehadert, gehirnt und versucht, das Beste aus der Corona-Krise zu machen“, schreiben die Betreiber des beliebten Lokals mit Garten mitten in der Innenstadt auf ihrer Website. „Es ergab sich leider keine Zukunftsperspektive mehr.“ Nun übergeben sie ihr „Baby“ in „gute Hände“ und hoffen, dass der Gastro-Standort weiter erfolgreich sein wird.

Im Stuttgarter Westen musste auch die „Rote Kapelle“ Corona-bedingt schließen. Auf ihrer Homepage verkünden die Betreiber des stets gut frequentierten Restaurants am Feuersee: „Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs unserer Größenordnung ist bei sinkenden Umsätzen und gleichbleibenden Fixkosten einfach nicht gegeben. Traurig, aber wahr.“ Fast 20 Jahre gab es das Lokal, das Kneipe, Restaurant und Tapas-Bar in einem war. Für viele Stuttgarter galt die Rote Kapelle als Stammlokal.

Schließungen von Gastronomen in Stuttgart nehmen kein Ende: Café Holzapfel stellt Betrieb ein

Ende Oktober schloss das Café Holzapfel in der Calwer Straße, bis dato vor allem bei jungen Menschen ein beliebter Treffpunkt. „Leider hat es schlussendlich nicht gereicht“, bedauern die Betreiber Nina und Moritz Holzapfel in einem Facebook-Post. „Die ganzen Corona-Einschränkungen und die dadurch entstandenen Verunsicherungen haben zu massiven Umsatzeinbußen geführt, sodass das Holzapfel das letzte halbe Jahr nicht mehr wirtschaftlich war und wir somit gezwungen sind zu schließen.“ Die beliebte Bar wurde nur vier Jahre alt.

Besonders bitter trifft die Krise auch das Café „Jung & Sexy“, das erst im Januar 2020 in der Katharinenstraße eröffnet hatte. Hier sollte sich alles um das Thema „Coffee and Bagels“ drehen. Was vielversprechend begann, findet nun ein jähes Ende: „Covid-19 hat uns Anfang März zunächst vollständig den Wind aus den Segeln genommen“, heißt es in einer Mitteilung des Cafés. „Wir haben Einiges versucht, um wieder Fahrt aufzunehmen. Aber als junges Café ist es schwierig, unter diesen Umständen auf Umsätze zu kommen, die zumindest unsere Fixkosten decken.“

Flughafen Stuttgart: Auf Ebene 4 schließen Restaurants - kaum mehr Passagiere

Am Flughafen Stuttgart führten die dramatisch gesunkenen Passagierzahlen 2020 zu einem stark verringerten Geschäftsaufkommen bei Gastronomie und Co. Jetzt teilte die Wöllhaf Gastroservice GmbH mit, die Restaurants auf der Ebene 4 des Stuttgarter Flughafens endgültig zu schließen. Das bedeutet: „Red Baron“ und das Sternelokal „Top Air“ sind Geschichte.

Ebenfalls schließen musste das Lokal „Der Rote Hirsch“ in Esslingen - nach gerade mal zwei Jahren. Direkt nach dem ersten Lockdown war Schluss. Laut Geschäftsführer Christian List zeige das Lokal „keinen Zukunftshorizont“ mehr auf. Die gleichnamigen Lokale in Bad Cannstatt und Fellbach blieben aber bestehen. Das berichtete die Stuttgarter Zeitung.

Gastronomen, Kinos und Co. sind die Verlierer der Krise - und machen ihre Schotten dicht

Wegen fehlender Umsätze durch die Corona-Krise musste auch die Bäckerei Sternenbäck mit Sitz in Hechingen (Zollernalbkreis) bis zum Jahresende 45 Filialen schließen - darunter allein sieben in Stuttgart. 220 Mitarbeiter sollen insgesamt betroffen sein. Laut der Deutschen Presseagentur (dpa) erhofft sich die Gruppe durch die Einsparungen, schnell wieder auf Kurs zu kommen. Das Unternehmen betreibt bislang rund 215 Filialen in sechs Bundesländern.

Neben der Gastronomie verschwinden in Stuttgart auch andere beliebte Institutionen von der Bildfläche. Bereits im Mai gab der UFA-Palast an der Rosensteinstraße seine Schließung bekannt. Auch hier soll nach eigenen Angaben die Coronakrise hauptverantwortlich gewesen sein. Getroffen hat es auch das Metropol Kino: Es schließt nach fast 100 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare