Club-Szene in Aufruhr

Türsteher in der Kritik: Rassismus-Debatte im Stuttgarter Nachtleben

Ein Türsteher steht vor der geschlossenen Eingangstür eines Clubs.
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Das mutmaßlich rassistische Verhalten einiger Türsteher in Stuttgart hat für eine Debatte in der Club-Szene der Landeshauptstadt gesorgt.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Zwei Männer aus Stuttgart berichten, dass sie aufgrund ihres Migrationshintergrunds Probleme mit den Türstehern vor den Clubs der Landeshauptstadt hätten. Die Debatte sorgt für Aufsehen und Diskussionen.

Stuttgart - Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg war es den Menschen lange Zeit verwehrt, das Nachtleben zu genießen und die Diskotheken in der Region zu besuchen. Normalerweise sorgen Türsteher vor den Clubs dafür - so manch einer hat es sicherlich schon einmal am eigenen Leib erfahren.

Mittlerweile dürfen die Clubs ihre Partygäste wieder empfangen. Nun stießen Mehmet Ildes, Sprecher des Stuttgarter Jugendrats, und sein Freund allerdings eine Debatte an, die in der Club-Szene hohe Wellen schlägt: Die beiden berichten von Problemen mit Türstehern - und zwar wegen ihres Migrationshintergrundes.

Türsteher in Stuttgart betreiben vermeintlich rassistische Clubpolitik

Den Berichten des Mitglieds des Stuttgarter Jugendrats und seines Freundes zufolge herrsche im Nachtleben der Landeshauptstadt Stuttgart eine rassistische Clubpolitik. „Wir werden vom Feiern ausgeschlossen, weil wir aussehen, wie wir aussehen, oft sogar, wenn wir auf der Gästeliste stehen“, kritisiert Mehmet Ildes und ergänzt, dass die Türsteher ihn als „den Ausländer“ sofort als kriminell abstempeln würden. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, achten die beiden bei ihren Clubbesuchen immer darauf, passend gekleidet zu sein, sich in der Schlange vor der Clubtür ruhig zu verhalten und nichts zu trinken.

Trotz aller „Vorsichtsmaßnahmen“ würden die beiden dennoch immer wieder abgewiesen. Nach einem Vorfall dreht Mehmet Ildiz vor dem Club „Hi Life“ ein Video, in dem er von Rassismus berichtet. Weil die Türsteher sich davon provoziert fühlen, zwingen sie ihn, die Aufnahmen zu löschen. Als sein Freund zu schlichten versucht, wird ihm ins Gesicht geschlagen. Ildiz lädt das Video einen Tag später dennoch auf Instagram hoch und erhält von vielen Nutzern Bestätigung.

Debatte um rassistische Clubpolitik in Stuttgart sorgt für Aufsehen im Nachtleben

Die Kritik der beiden Männer mit Migrationshintergrund findet nicht nur auf Instagram Gehör, auch der Betreiber des „Hi Life“, Denis Gugac, reagiert auf die Anschuldigungen. Er sei „völlig perplex“ gewesen. „Dass das Aussortieren an der Tür als rassistisch empfunden werden könnte, stand für mich bis dato nicht so im Fokus. Einfach, weil Rassismus in unserer Haltung und in unserer Clubpolitik keine Rolle spielt“, so Gugac. Gemeinsam mit Stuttgarts Nachtmanager Nils Runge wurde ein Vermittlungsgespräch zwischen Mehmet Ildiz, dessen Freund und den Türstehern des „Hi Life“ in die Wege geleitet.

Aber auch Alexander Scholz vom Perkins Park und Vorstand des Interessenverbandes Club Kollektiv, sieht keinen Rassismus in den Clubs der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. „Wir sind weltoffen, 90 Prozent unserer Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund“, sagt Scholz. Man dürfe eine Abweisung nicht gleich als Rassismus definieren, meint er. Am Ende können die Türsteher die Freunde davon überzeugen, dass sie nicht aus rassistischen Motiven gehandelt haben und entschuldigten sich für ihr Vorgehen.

Rassismus-Skandal im Europapark zieht Namensänderung nach sich

Vor einiger Zeit wurde im Europapark in Rust ein Rassismus-Skandal aufgedeckt. Eine Studentin kritisierte bei der Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg die Attraktion „Dschungelfloßfahrt“, die klare Bezüge zur Kolonialgeschichte aufzeigt. Mittlerweile wurde die Bahn in „Josefinas kaiserliche Zauberreise“ umgebaut.

 

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