Kritik an der Bewegung

Reinhold Messner protestiert: „Möchte nicht mehr Querdenker genannt werden“

Reinhold Messner trägt ein blaues Jacket und gestikuliert.
+
Reinhold Messner bezeichnete sich einst als „Querdenker“.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
    schließen

Als „Querdenker“ hat sich Reinhold Messner einst selbst bezeichnet. Der Bergsteiger, der den Mount Everest allein erklomm, denkt mittlerweile anders darüber.

Stuttgart - Der Begriff „Querdenken“ war bis vor etwas mehr als einem Jahr nicht mit der Corona-Protestbewegung verbunden, die in der Landeshauptstadt Stuttgart ihren Ursprung hat. Das Querdenken stand viel mehr für eine kreative, unübliche Art, sich mit der Lösung von Problemen zu befassen. Manche Zeitgenossen haben sich deshalb lange gerne als „Querdenker“ tituliert - etwa Reinhold Messner. Der Südtiroler hat so einige außergewöhnliche Grenzsituationen erlebt: als Erster allein den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest, bezwungen, die Wüste Gobi im Alleingang durchquert und durch die Antarktis gewandert.

Mittlerweile sagt der Bergsteiger aber: „Noch vor fünf oder zehn Jahren habe ich mich selbst als Querdenker bezeichnet. Das werde ich nie mehr tun!“ Grund dafür seien, so Reinhold Messner im Interview mit dem Standard, die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen, die zum Teil von der „Querdenken“-Gruppe ausgehen. Die Querdenker, deren Teile mittlerweile bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet werden und die seit der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland in mehreren Städten Demonstrationen organisieren, sieht Messner äußerst kritisch.

„Querdenker“: Reinhold Messner kritisiert die Missachtung des Maskengebots

Der Abenteurer berichtet im Interview über die Schwierigkeiten der derzeitigen Corona-Beschränkungen, die für ihn „sehr hart“ seien. Mehrere Projekte in Nepal, Bhutan und Äthiopien hätten in der Pandemie-Zeit ausfallen müssen. „Ich musste mir eine neue Struktur schaffen“, sagt Reinhold Messner, der mittlerweile auch Museen betreibt und von wirtschaftlichen Problemen berichtet. „Ich erlebe all das, was mittelständische Unternehmer zurzeit ebenfalls erleben.“

Über die Bekämpfung der Pandemie sagt er: „Dass die Politik den Virologen zuhört und dann Entscheidungen treffen muss, die Wirtschaft, Gesundheit, etc. berücksichtigen sollen, das ist eine Tatsache.“ In den Demokratien der westlichen Staaten falle das aber weitaus schwerer, als in Ländern, wo es „eine vertikale Entscheidungslinie“ gebe. „Aber jetzt zu sagen, die Politiker machen alles falsch, das ist auch zu billig. Vor allem dann, wenn man zu Tausenden ohne Maske auf der Straße herumläuft“, so Reinhold Messner weiter.

„Querdenker“ zeigen mit ihrem Verhalten, „dass sie nicht nachdenken“

Immer wieder hielten sich Teilnehmer der „Querdenken“-Demos nicht an die Hygienevorgaben, ignorierten das Masken- und auch das Abstandsgebot. Die Stadt Stuttgart hatte deshalb im April eine Corona-Demo verboten. Das Gericht bestätigte das Verbot, weil es „Zweifel an der Verlässlichkeit“ der Organisatoren sah. Geht es nach Reinhold Messner, würden die „Querdenker“ gerade mit diesem Verhalten zeigen, „dass sie nicht nachdenken“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare