Ballweg schießt gegen ARD-Chefredakteur

„Querdenken“-Chef verbreitet Fake-News auf Demo, um Journalisten zu diffamieren

Michael Ballweg, "Querdenken"-Gründer, hält eine Rede während der Demonstration.
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Michael Ballweg, Kopf der „Querdenken“-Initiative lag mit seiner Gehaltsschätzung nicht ganz richtig.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Der Initiator der Stuttgarter „Querdenken“-Bewegung, Michael Ballweg, lag mit der Einkommensschätzung eines TV-Journalisten völlig daneben. Eine Blamage.

Stuttgart - Die letzte Corona-Demo in Stuttgart geriet außer Kontrolle: Mehr als 15.000 Teilnehmer missachteten die Schutzmaßnahmen, beleidigten Journalisten und hinderten sie an ihrer Arbeit, ohne dass die Polizei eingriff. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper verteidigte sich nach der Querdenker-Demo. Die massiven Verstöße seien nicht absehbar gewesen. Während sich die Sorge breitmachte, dass die Demonstration zum Superspreading-Event werden könnte, verbreiteten sich einige falsche Informationen, die auf der Demonstration kundgetan wurden, nicht weniger virusartig.

600.000 Euro - so viel verdiene ARD-Chefredakteur Rainald Becker im Jahr, verkündete der Querdenken-Initiator Michael Ballweg bei der vergangenen Corona-Demonstration in der Landeshauptstadt Stuttgart. Gerade mit Rainald Becker wollte der Kopf der Querdenker-Bewegung einen Medienmann in die Mangel nehmen, den die ohnehin medienskeptischen „Querdenker“ besonders kritisch sehen. Becker hatte sich im vergangenen Jahr immer wieder kritisch zur „Querdenken“-Bewegung geäußert.

„Querdenker“ hatte Reinald Becker als Spinner bezeichnet

In den Tagesthemen hatte sich Rainald Becker deutlich für einen restriktiven Kurs in der Corona-Pandemie ausgesprochen. Im Fall der Corona-Demonstranten sprach er von „vielen Wirrköpfen“ und „Spinnern“ - und seither zieht er den Zorn der Querdenker auf sich. So auch bei der vergangenen Demo in Stuttgart, wo der besagte Kommentar noch einmal vor den Demonstranten abgespielt wurde. Das Publikum reagierte mit Pfiffen und Zwischenrufen, und mitten hinein in das Raunen rief Michael Ballweg ins Mikrofon, dass das Jahresgehalt eben jenes Mannes bei 600.000 Euro liege. Geld, das ja auch von den Demonstranten selbst, den GEZ-Zahlern, komme und - so schwang unterschwellig mit - nur dazu dient, unkritisch den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu bestätigen.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, ist die Gehaltsschätzung von Michael Ballweg aber alles andere als korrekt. „Niemand in der ARD verdient 600 000 Euro oder mehr“, teilte ein Sprecher der ARD-Programmdirektion gegenüber der Zeitung mit. Nachlesen lasse sich das auf der Homepage der ARD. Dort sind alle Jahresgehälter der Intendanten, Direktoren und Hauptabteilungsleiter aufgelistet. Die Spanne für letztere Gruppe, zu der Rainald Becker gehört, reiche von 10.000 bis 14.000 Euro monatlich. Im Jahr sind das hochgerechnet höchstens rund 170.000 Euro.

„Querdenker“ Michael Ballweg: Wie er auf die 600.000 Euro kommt, bleibt unklar

Wie Michael Ballweg auf die 600.000 Euro kommt? Das bleibt unklar. Eine „Querdenken“-Sprecherin machte hierzu keine näheren Angaben. Eine Gelegenheit zur Aufklärung wird der „Querdenken“-Initiator am kommenden Wochenende jedenfalls nicht bekommen. Das Verbot zweier angekündigter Corona-Demos am 17. April in Stuttgart wurde vom Verwaltungsgericht bestätigt. Die „Querdenker“-Splittergruppe „Es reicht uns“ hatte mit zwei Eilanträgen am Dienstagabend dagegen geklagt. Das Gericht wies die Klage mit der Begründung ab, dass es Zweifel an der Zuverlässigkeit der Versammlungsleiter gebe.

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